LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Am 1. April 1939 ging der Spanische Bürgerkrieg zu Ende – Das Gemetzel prägt Spanien bis heute

En el día de hoy, cautivo y desarmado el Ejército Rojo, han alcanzado las tropas nacionales sus últimos objetivos militares. La guerra ha terminado.“ – „Am heutigen Tag, da das rote Heer gefangen und entwaffnet ist, haben die nationalen Truppen ihre letzten militärischen Ziele erreicht. Der Krieg ist vorbei“. Berühmte Sätze, die General Francisco Franco am 1. April 1939 handschriftlich auf einem Brief aus seinem Hauptquartier aus Burgos vermerkte. Um 22.30 an diesem Tag wurden sie im nationalen Radio vorgelesen.

Ein über drei Jahre währendes Gemetzel, dem Hunderttausende zum Opfer fielen und das bis heute tief im kollektiven Bewusstsein der Spanier verankert ist, war zu Ende. Es war ein Konflikt mit internationaler Dimension, den einige Forscher quasi als „Generalprobe“ für den Zweiten Weltkrieg ansahen. Die konservativen bis faschistischen Kräfte Francos erhielten nämlich tatkräftige Unterstützung aus Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien – inklusive Kriegsmaterial und Truppen – während Sozialisten und Kommunisten aus vielen Ländern, auch aus Luxemburg, an der Seite der „Volksfront“ kämpften.

Jahrzehnte des Aufruhrs

Dieser Zusammenschluss aus kommunistischen, sozialistischen, republikanischen und linksbürgerliche Gruppen und Parteien hatte im Februar 1936 die allgemeinen Wahlen für sich entschieden. Doch die rechten Kräfte, unterstützt vom Militär, der Kirche, Großgrundbesitzern, die um ihre Vorteile fürchteten, wollten das nicht akzeptieren und zettelten so im Juli 1936 den Putsch an, der den Bürgerkrieg schließlich entfachte.

Man muss wissen, dass Spanien zu dem Zeitpunkt bereits eine Menge Putsche hinter sich hatte. Bereits das 19. Jahrhundert war von blutigen Rebellionen geprägt. Zwischen 1873 bis 1874 war die Monarchie im Zuge wachsender Unzufriedenheit über die Kriege, welche die Kolonialmacht Spanien in vielen Teilen der Welt führte, außer Kraft gesetzt worden. Die Erste Spanische Republik war zwar nur kurzlebig, aber die Bourbonen-Dynastie auf dem Thron war angeknackst.

Druck für Veränderungen

Die Machterosion setzte sich nach der Niederlage Spaniens 1898 im Krieg mit den USA fort, der mit dem Verlust der letzten bedeutenden spanischen Kolonien in Übersee – Kuba, Puerto Rico, Guam, die Philippinen – endete. In Spanien selbst kamen neben dem politischen Druck der – bis heute anhaltenden – Autonomiebestrebungen verschiedener Provinzen und besonders Katalonien und dem Baskenland, auch der Druck der Veränderung in der Gesellschaft hinzu. Während auf dem tiefkatholisch geprägten Land weiterhin feudale Strukturen herrschten, entstanden in den von der Industrialisierung geprägten Städten Arbeiterbewegungen, die ihr politisches Mitspracherecht forderten.

Zwar kam es 1931 zur Gründung einer Zweiten Republik, aber die geriet sofort unter Beschuss. Bereits 1932 putschte ein General in Sevilla, scheiterte aber. 1933 kam in Folge vorgezogener Neuwahlen eine rechte Koalition an die Macht, die sowohl Arbeiterbewegungen blutig niederschlug als auch die Unabhängigkeitsbestrebung Kataloniens, das sich zum Freistaat erklärt hatte, unterband.

Der Aufstieg Francos

In diese Zeit fällt auch der rapide politische Aufstieg Francisco Francos. Der General, der seit den 1920ern Bekanntheit durch die Niederschlagung von Aufständen in den nordafrikanischen Kolonien Spaniens bekannt wurde, griff hart gegen Streiks durch und wurde in konservativen Kreisen unumgänglich. 1935 hatte er als Generalstabschef das Oberkommando über alle Truppen und war in einer Schlüsselposition, um eine Rebellion gegen die linke Regierung loszutreten.

Seine Siege und die Anerkennung seines Regimes durch Frankreich und England Anfang 1939, zu einem Zeitpunkt, da die linken Kräfte noch ein Drittel Spanien hielten, bestätigten seine Macht, die er nicht aufs Spiel setzte, indem er den Achsenmächten im Zweiten Weltkrieg beitrat. Zwar kämpften rund 18.000 Spanier – offiziell freiwillig – für Hitler an der Ostfront, ansonsten blieb die Neutralität die Maxime des Franco-Regimes.

Späte Anerkennung

102 Luxemburger nahmen am Spanischen Bürgerkrieg teil

Im Spanischen Bürgerkrieg kämpften auch viele internationale Kämpfer. Auf Seiten der Spanischen Republik waren diese als Internationale Brigaden - kurz Interbrigaden genannt – zusammengefasst und wurden ab dem 9. Oktober 1936 aufgestellt. Insgesamt sollen es rund 40.000 Interbrigadisten gewesen sein, von denen rund 7.500 aus Deutschland, 5.000 aus dem deutschen Reich, 4.000 aus Italien und anderen Ländern kamen. Aus Luxemburg zog es 102 nach Spanien, um gegen General Francisco Franco zu kämpfen. Sie taten dies, obwohl ein Gesetz vom 10. April 1937 es ausdrücklich untersagte, sich am Spanischen Bürgerkrieg zu beteiligen.

Einer der luxemburgischen Kämpfer war Henri Joachim. Anders als vermutlich der Großteil der anderen Freiwilligen, waren es nicht politische Überzeugungen, die ihn nach Spanien trieben. Wie er in einem Interview von 1990 mit Serge Hoffmann erklärte, habe er in einem Brief von seinem Bruder, der im Bürgerkrieg kämpfte, erfahren, dass man als Kämpfer 100 luxemburgische Franken am Tag verdienen würde. „Das war viel Geld für diese Zeit“, meinte Joachim. Da er und andere ohne Arbeit waren, gingen sie nach Spanien. „Als wir dann da waren, war dies gar nicht so.“ Sie wurden in Kasernen ausgebildet und erhielten keine Bezahlung. Das war Ende Mai 1938. Kurze Zeit später ging es für ihn an die Front.

Zwei Jahre nach ihrer Gründung wurden auf Druck von außen die internationalen Brigaden am 23. September 1938 aufgelöst. Somit wurden sie mitten in der Ebro Schlacht von der Front abgezogen. Einige Kämpfer erhielten darum pro forma die spanische Staatsbürgerschaft und wurden in die reguläre spanische Armee aufgenommen.

Gefängnis, Gulag, KZ

Die Rückkehrer wurden in Luxemburg nicht wie Kämpfer für die Freiheit begrüßt, sondern galten als Straftäter. Joachim wie auch etwa 30 andere kamen während der Besatzung Luxemburgs durch das Dritte Reiche ins Gefängnis. Da er aber nie Teil einer kommunistischen Partei oder einer ähnlichen Organisation war, kam er nach einem halben Jahr im Gefängnis wieder frei. „Ich saß haargenau so lange, wie ich in Spanien war, sechs Monate und fünf Tage“, erinnerte sich der Spanienkämpfer gegenüber Hoffmann. Anderen erging es da wesentlich schlechter, sie kamen ins KZ.

Auch in anderen Ländern wurden die Rückkehrer bestraft. So landeten viele sowjetische „Spanier“ im Gulag und kamen um. In Deutschland, Österreich, der Tschechoslowakei und Polen mussten viele ins KZ. Französische Spanienkämpfer kamen entweder in Internierungslager, schlossen sich der Fremdenlegion oder der Résistance an.

Joachim und Albert Santer, als die zwei letzten Überlebenden, machten bei einer Konferenz 1996 auf ihre rechtliche Situation aufmerksam. Es wurden die „Amis des Brigades Internationales – Luxembourg“ (ABI-L) um die Historiker Serge Hoffmann, Henri Wehenkel und Paul Cerf gebildet, mit dem Ziel, das Gesetz von 1937 abzuschaffen. 2003 erfuhren die Kämpfer späte Anerkennung, als das luxemburgische Parlament einstimmig ein von den LSAP-Abgeordneten Mars Di Bartolomeo und Alex Bodry vorgeschlagenes Gesetz annahm, das die 102 Teilnehmer aus Luxemburg im Nachhinein rehabilitiert. Im Jahr 2000 verlieh Premierminister Jean-Claude Juncker den Überlebenden den nationalen Verdienstorden.

Um an die Luxemburger, die im Spanischen Bürgerkrieg kämpften, zu erinnern, steht seit 1997 das Denkmal „No Pasaran“ in Düdelingen, das vom Künstler Lucien Wercollier geschaffen wurde. (jeff karier)