LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Dokumentarfilm „Lagerfeld Confidential“ aus dem Netflix-Katalog

Gewährt eine filmische Dokumentation über eine der enigmatischsten Erscheinungen des globalen Modezirkus Einblicke in die Privatsphäre des Hauptprotagonisten? Ohne Zweifel tut sie das.

Die Frage ist aber durchaus berechtigt angesichts der Tatsache, dass den Modeschöpfer Karl Lagerfeld seit jeher die Aura des Unberührbaren umgibt; er, der sich hinter dunklen Brillen von der Außenwelt abschottet und selten Details aus seinem Leben preisgibt.

Regisseur Rodolphe Marconi haftet sich in seinem Dokumentar-Werk an Lagerfelds Fersen, schaut ihm ebenso beim Zeichnen seiner Skizzen im Pariser Arbeitszimmer über die Schulter, als auch beim Lunch mit seiner Busenfreundin Caroline von Monaco in einem Restaurant an der Côte d’Azur.

Er ist ein Teil des Monsieur Karl-Trosses, wenn es nach Monte Carlo ins Theater geht oder wenn der Modezar sich nach einem Fotoshooting mit seiner Entourage in der Landvilla zum Abendessen trifft. Seine Kamera läuft auch an jenen Orten weiter, zu denen Societyreporter keinen Zugang haben, und wenn doch, dann ohne Aufnahmegeräte.

Keine bahnbrechenden Fakten

Marconi bietet Karl den Großen zum Anfassen, enthüllt aber gleichzeitig keine bahnbrechenden Fakten über den kreativen Lenker des Hauses Channel. Der Streifen hilft aber, das Lagerfeld-Wissen in einzelnen Bereichen zu vertiefen. Bei Fotoaufnahmen in den Straßen von Paris erzählt der Modeschöpfer sehr detailliert, dass er nahezu aus der Not heraus zur Fotografie gekommen ist, da kein Fotograf Ende der Achtziger professionelle Pressemappen anfertigen wollte und er dann selber zur Kamera griff, um Bilder für die Chanel -Pressedossiers zu schießen.

Lagerfeld spricht unverblümt über die rauen Sitten, die im Modebusiness herrschen - „Wer einen festen Arbeitsplatz wünscht, sollte Beamter werden“- und verzichtet ganz bewusst darauf, das Milieu, in dem er sich bewegt zu verherrlichen. In den Interviews mit Lagerfeld fährt der Filmemacher allerdings einen Kuschelkurs: Marconi stellt dem Modeschöpfer Fragen, die dieser in unzähligen Interviews schon zehn- oder gar hundert Mal beantwortet hat. Darüber hinaus redet der Fragesteller manchmal dermaßen um den heißen Brei herum, dass Lagerfeld ihn forsch darum bittet, doch bitte endlich zur Sache zu kommen.

Rodolphe Marconi öffnet die Tore sehr weit zum Mikrokosmos des Modemachers, er schafft es aber nicht, das Mysterium Lagerfeld zu enträtseln.