PATRICK WELTER

In Deutschland regiert seit Kohls Zeiten der gesellschaftliche Durchschnitt. Mit allen Vor- und Nachteilen. Elite ist rechts des Rheins immer noch ein heikles Wort, der Geist der 1968er weht auch in den Reihen der CDU.

Frankreichs Politiker sehen sich dagegen als Speerspitze der Nation, aber Hollande ist das Ende der Fahnenstange. Der nicht mehr ganz neue Präsident gab zunächst den spießigen Normalbürger der „Einer von Euch“ sein wollte. Aber dann leistet er sich das Statussymbol No. 1 der Bourgeoisie, eine Schauspielerin als Geliebte. Nichts Neues für französische Präsidenten, nur auf Diskretion kann er nicht mehr hoffen. Monsieur le Président auf dem Motorroller war ein zu gutes Fotomotiv. Die Fantasie reicht nicht aus, sich Frau Merkel in der Rolle vorzustellen

Frankreichs Politiker glauben sich, aufgrund der Staatsgläubigkeit ihrer „Untertanen,“ auf Feldern bewegen zu müssen, wo sie absolut nichts zu suchen haben. Die Frage, ob Alstom nun von General Electric oder von Siemens übernommen wird, wäre in anderen Ländern eine wirtschaftliche und keine politische. Als OPEL kurz vor dem Untergang stand und der Schrei nach staatliche Hilfen kam, meinte der Wirtschaftsminister in Berlin nur „Sorry, nicht meine Baustelle!“ Richtig!

Zum einen ist es unbegreiflich wie stark sich Paris in die Arbeit der freien (?) Wirtschaft einmischt, trotz aller Fehlschläge. Zum anderen ist es fatal wenn sich zwei Minister ein und derselben neu gebildeten Regierung öffentlich in die Parade fahren. Noch fataler wird es dadurch, dass die Kritikerin des Wirtschaftsministers die Ex des Präsidenten ist.

Wer jetzt damit argumentiert, dass seien eben staatsinterventionistische Sozialisten, dem kann man nur entgegenhalten, das Frankreichs Konservative keinen Deut weniger interventionistisch sind- Liberale gibt es in Frankreich nicht. Von wegen der Markt macht’s, hier dilettiert die Politik.

Obwohl sich Monsieur Hollande nicht traut auch nur eine wirtschaftliche Reform richtig anzugehen, sind seine Popularitätswerte unterirdisch, sie sind so schlecht, dass sich selbst der kleine Nic. Chancen auf eine Rückkehr in den „Palast“ ausrechnet.

Eine Reform wie die Homo-Ehe hat die französische Regierung -zu Recht- gegen die „Straße“ durchgedrückt. Wieso ist sie dann nicht in der Lage soziale und wirtschaftliche Reformen, die die Grande Nation gut gebrauchen könnte, umzusetzen? Bei Linken gelten die deutschen Hartz-Reformen als Schimpfwort, sie haben aber, trotz des Wolfsgeheuls, funktioniert. Auch wenn es niemand gerne hört: Ein Billiglohnsektor ist immer noch besser als Millionen Arbeitslose. Insbesondere die hohe Jugendarbeitslosigkeit (in Deutschland inexistent) müsste doch Frankreichs politische Klasse nach Lösungen suchen lassen. Nicht wie der kleine Nic. per „Kärchern“, sondern mit Fordern und Fördern à la Schröder/Merkel.

Wer seit Jahrzehnten vor unpopulären Maßnahmen zurückschreckt und alle dem Staat als großem Wirtschaftslenker huldigen, fällt irgendwann mal böse auf die, pardon, Fresse.