LUXEMBURG
DANIELLE HAAG

Durch die Beschränkungen gab es weniger Besuche und Termine für Mütter nach der Geburt. Das wirkte sich sehr positiv auf die Mutter-Kind-Bindung, das Stillen, das Selbstwertgefühl der Mütter und die Vermeidung von Wochenbettdepressionen aus, findet die Hebamme Danielle Haag.

„Die erste Zeit nach der Geburt ist für die Mutter-Kind-Bindung besonders wichtig. Im Fachbegriff spricht man hier von Bonding als wachsende, innige emotionale Bindung, die bereits während der Schwangerschaft beginnt. Eine gute Bindung hat Auswirkungen auf die Vermeidung einer möglichen postnatalen Depression und auch auf erfolgreiches Stillen. Bonding steigert das Selbstvertrauen der Mutter in die eigenen Fähigkeiten und stärkt die mütterliche Intuition. Das Wochenbett, so wie es der Name sagt, ist die Zeit, in der eine Mutter sich im oder in der Nähe ihres Bettes aufhalten soll, in vielen Kulturen sind dies die ersten sechs Wochen nach der Geburt.

In Luxemburg hat sich in den vergangenen Jahren jedoch ein anderer Alltag eingeschlichen. Hierzulande ist ein längerer Krankenhausaufenthalt nach der Geburt Tradition. Familie und Bekannte kommen zu Besuch, bringen Glückwünsche und Geschenke. Aber dieser Besuch kann auch anstrengend sein. Wir Hebammen erleben oft überforderte, müde Mütter mit hohen Selbstansprüchen, denen sie nicht mehr gerecht werden können.

Viele werdende Mütter konzentrieren sich in der Schwangerschaft auf die Erstausstattung des Kinderzimmers. In unserer heutigen Konsumgesellschaft gibt dies den Frauen das Gefühl von Sicherheit. Nach der Geburt stehen neben dem Umtausch von Geschenken ein Termin beim Fotografen, Besuche bei Freunden und Familie oder eine Feier auf dem oft vollen Terminkalender.

Durch die Coronavirus-Krise konnten wir eine positive Entwicklung feststellen. Zunächst waren Besuche und Einkäufe in den letzten Wochen durch die aktuelle Situation nicht möglich. Das hat dazu geführt, dass sich junge Familien wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Sie haben mehr Zeit und Ruhe, achten auf ihren Körper und ihre Gefühle. Sie gönnen sich Schlafpausen und können eine enge Bindung aufbauen.

In den Krankenhäusern sowie bei den Hausbesuchen stellen wir fest, dass die jungen Mütter an Selbstwert gewinnen, dass das Stillen einfacher wird und der Babyblues schneller vergeht. Die Babys sind entspannter und schlafen besser. Die erzwungene Ruhe hat zu einer Rückbesinnung aufs Wesentliche geführt. Jetzt wird der Mutterschaftsurlaub für das genutzt, wofür er eigentlich gedacht ist: Sich kennenzulernen und sich Zeit zu nehmen. Vielen Frauen ist das nicht so bewusst. Aber in den Kliniken fiel das schon sehr positiv auf. Wir Hebammen hoffen, dass dieser positive Aspekt, der der Krise geschuldet ist, auch noch Nachwirkungen hat und anhält.“