LUXEMBURG
MARCO MENG

Teilnehmer aus aller Welt kommen zur Konferenz des Luxemburger Fondsverbands

Wieder einmal gut besucht: Mehr als 800 Teilnehmer aus der ganzen Welt fanden sich gestern im Neuen Konferenzzentrum auf Kirchberg zur „Global Distribution Conference“ des luxemburgischen Investmentfondsverbands Alfi ein.

Grenzüberschreitender Vertrieb ist für Luxemburg im Prinzip nichts Neues; warum aber steht die Konferenz unter diesem Motto? Laut der britischen Gruppe International Financial Data Service (IFDS) sind 32 Prozent der Assetmanager auf der Suche nach neuen Vertriebswegen. Und wie Charles Muller, Partner bei KPMG Luxembourg, erläutert, sind Australien, Brasilien, China und Mexiko die Prioritäten beim Erschließen neuer Distributionsmärkte. PWC Luxemburg weiß zu berichten, dass sich die Zahl der grenzüberschreitenden Fonds seit 2001 auf heute rund 9.900 nahezu verdreifacht hat.

Gramegna sieht LuxemburgerFinanzplatz in der Spur

Eröffnet worden war die Konferenz gestern von Luxemburgs Finanzminister Pierre Gramegna, der darauf verwies, dass eine Priorität der Regierung sei, die beste Ratingnote „AAA“ zu behalten. „Fast drei Billionen Euro Assets ist ein klarer Vertrauensbeweis, den der Markt Luxemburg entgegenbringt“. Eines der Ziele sei weiterhin, das Finanzzentrum zu diversifizieren, wozu Islamic Finance sowie die chinesische Währung Renminbi gehörten. Luxemburg wird bald Sitz von sechs chinesischen Banken sein, und das Land entwickelt sich zu einem führenden Hub für islamische Fonds - laut Finanzaufsicht CSSF werden inzwischen zweieinhalb Milliarden Euro von diesen verwaltet. Luxemburg ist darüber hinaus das erste Land, das Sukuk, also Anleihen nach islamischem Recht, in Euro zuließ.

Zu den gegenwärtigen Bemühungen der OECD, Steuerschlupflöcher zu schließen, erklärte der Minister, dass Luxemburg proaktiv bei den Gesprächen in den verschiedenen Ausschüssen mitwirke. „Transparenz ist ein unumkehrbarer Trend“, sagte Gramegna. Luxemburg werde den automatischen Informationsaustausch implementieren, und das werde der Fondsindustrie Zuwachs bringen. Gramegna bekräftigte aber, dass Luxemburg sich gegen eine Finanztransaktionssteuer in der EU stellt, was Alfi-Präsident Marc Saluzzi begrüßte.

Gegenseitige Anerkennung

Saluzzi erklärte, wenn asiatische Länder Europa um gegenseitige Anerkennung bitten würden, solle Europa nicht den Fehler machen, das abzulehnen. Das Anlagevermögen wird nach Saluzzi in Asien von acht Billionen Dollar auf 16 Billionen Dollar bis 2020 wachsen. Das Vermögen in Hong Kong beheimateter Fonds, deren Anzahl stetig wächst, hat sich demnach verdoppelt, sagte Lieven Debruyne von der Hong Kong Investment Funds Association (HKIFA), die Mitausrichter der Luxemburger Konferenz ist. Schwerpunkt des Events war neben dem Thema Vertriebswege auch die Frage, was sich nach der Krise geändert hat („Direkte oder indirekte Investments aus Sicht institutioneller Anleger“). Außerdem wurde das Pensionsfonds-Schema Australiens vorgestellt, das Europa als Vorbild dienen könnte. Auch neuen Regulierungen wie die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID 2) oder die Alternative Investment Fund Managers Directive kamen zur Sprache, wenn sie auch nicht das beherrschende Thema waren.

Mehr und mehr AIFs

Alternative Investmentfonds (AIF), wozu Immobilienfonds, Hedge Funds und Private Equity Fonds gehören, wurden bislang in Luxemburg nach Angaben des Finanzministers 150 im Land autorisiert; 215 weitere Bewerbungen lägen vor, berichtete Alfi-Präsident Saluzzi.

Etwa 50 Aussteller präsentieren noch bis heute ihre Produkte und Dienstleistungen der Vermögensverwaltung.