LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Ein Rückblick von Justin Mangen auf drei Jahrzehnte Autofestival

Justin Mangen, Verwaltungsratspräsident der Mercedes-Benz Luxembourg S.A, erlebt in diesen Tagen sein 34. Autofestival. In einem Gespräch mit unserer Zeitung blickte er mehr als dreißig Jahre zurück und erinnerte sich an die ganz anderen Umstände, unter denen das Festival um 1980 ablief. Zunächst habe man viel kleinere „Showrooms“ gehabt, die für das Festival extra von Messebauern umgestaltet wurden. Man habe immer versucht etwas Besonderes aufzutreiben, wie einen der als Rallye-Autos erfolgreichen Mercedes 450 SLC 5.0. Ein weiterer Unterschied sei, dass damals viel weniger Modelle im Angebot waren, praktisch bei allen Herstellern. Das Autofestival war aber schon vor drei Jahrzehnten der Höhepunkt des luxemburgischen Autojahres gewesen. Der erste Sonntagnachmittag des Festivals sei  immer eine Art Markenfest, geradezu ein Familienfest, gewesen, so Mangen.

Die Kunden wussten weniger

Die Besucher seien oft stundenlang geblieben. Im Unterschied zu heute seien die Kunden oder Interessenten nicht so umfassend vorbereitet gekommen, wie heutzutage. Internet gab es gar nicht, weniger Vorberichte und auch weniger Broschüren.  „Die Leute haben sich noch überraschen lassen“, so die Feststellung von Justin Mangen, in den Tagen nach dem Festival-Wochenende seien dann Verträge unterzeichnet worden. Im Gegensatz zu heute hat es auch kein „Vorfestival“ gegeben. Verkaufsdirektor Michel Luoro bestätigt, dass die Kunden heute schon im Vorfeld des „festen“ Datums des Festivals, faktisch zu Jahresbeginn, schon nach speziellen Konditionen fragen.
Weiterer Unterschied: Vor dreißig Jahren gab es auch kein Gebrauchtwagengeschäft, die Inzahlungnahme sei praktisch unbekannt gewesen. Ebenso die Eingliederung von Nutzfahrzeugen in das Festival. Mercedes habe damals mit den Argumenten „Sicherheit und Komfort“ an eine homogene Kundschaft verkauft. Ganz neue Käuferschichten habe man zunächst 1983 mit dem 190er (W 201) und später mit der ersten A-Klasse (W 168 ) angesprochen. Mit der Vorstellung der 190er sei auch ein spürbarer Wandel unter den Festivalbesuchern einhergegangen. Es gab keine Vorführwagen und bei einer (seltenen) Probefahrt saß der Verkäufer am Volant. Der Kunde wolle heute selbst fahren, um eigene Vergleiche machen zu können. Eine Probefahrt sei ein „Muss“, so Michel Louro ergänzend.
Die meisten Autos standen verschlossen im Showroom und dass Kinder oder Heranwachsende sich in den Neuwagen räkeln, war ausgeschlossen. Er selbst sei als junger Mann noch davon betroffen gewesen, so Justin Mangen. Heute gehe man viel aufgeschlossener mit jugendlicher Kundschaft um. Finanzierung also Finanzdienstleistung, war anfangs der Achtziger auch kein Thema, der Kunde zahlte bar und musste oft bis zu zwei Jahren auf sein neues Auto warten, dank der damaligen Daimler-Lieferzeiten. Heute sind es im äußersten Fall sechs Monate, die ein Käufer bereit ist zu warten. Vorrätige Neuwagen zur direkten Mitnahme gab es damals bei der schwäbischen Edelmarke natürlich auch  nicht. Serviceverträge, heute ein Scorebusiness vieler Neuwagenhersteller, waren auch unbekannt.

Die Schwellangst senken

Geblieben ist die Begeisterung für neue Autos. Das Autofestival diente vor drei Jahrzehnten mehr dazu, seinen Kundenstamm zu pflegen als neue Klienten zu erobern. Heute ist die „Eroberung“ ein fester Bestandteil der Festival-Strategie – das Festival dient immer noch dazu die Schwellenangst vor der „edlen“ Mercedes-Garage zu überwinden. Trotz aller Änderungen, so Justin Mangen, hat das Festival immer noch seine Berechtigung, es liegt von der Jahreszeit her ideal und im Vorfeld des Genfer Salons kann man auch schon einmal Neuheiten „inoffiziell“ präsentieren und die Reaktion der Kunden testen. Der größte Vorteil des Festivals für die Kunden ist seit 49 Jahren, dass sie praktisch vor der Haustür von Betrieb zu Betrieben ziehen können, um sich einen Überblick zu verschaffen. Sie müssen weder nach Brüssel, Genf noch nach Frankfurt fahren, um sich auf den großen Automessen über alle Neuheiten zu informieren, so Justin Mangen abschließend.