COLETTE MART

Die internationalen Nachrichten der letzten Wochen und Monate offenbaren, dass Ereignisse, die wir nicht mehr für möglich gehalten hätten, doch noch geschehen und unbedingt zum Nachdenken anregen sollen. In einer Zeit, in der das kleinste Telefongespräch überwacht und in der sich niemand mehr vor dem berühmten Auge des „Big Brother“ aus George Orwells Zukunftsroman „1984“ sicher fühlen kann, kann ein Flugzeug über zwei Wochen einfach vom Weltbild verschwinden.

In einer Zeit, in der die UNO und ihr Einsatz für den Respekt des Völkerrechts in den Medien täglich präsent sind, und in der die EU stolz darauf ist, den Frieden in Europa seit über 65 Jahren zu garantieren, kriselt es auf der Krim.

In einer Zeit, in der prinzipiell kein Land noch durch massive Verletzungen der Menschrechte international auffallen möchte, werden in Ägypten 529 Menschen nach wenigen Stunden des Prozesses zum Tode verurteilt. In Syrien, einem Kulturland, dessen historische Stätten über Jahrzehnte Menschen aus der ganzen Welt anzogen, starben bereits weit über 100.000 Zivilisten, und in Zentralafrika droht ein Völkermord, für dessen Verhinderung die effizienten internationalen Mittel fehlen.

All diese Nachrichten sollten uns daran erinnern, dass wir uns vielleicht in einer falschen Sicherheit wiegen; wir glauben, dass unsere nationalen Grenzen, unser Wohlstand in Europa, unsere Gesetze, unsere internationalen Verträge und Allianzen uns schützen.

Und doch haben wir alle verstanden, dass die Annexion der Krim ihre internationalen Gefahren birgt, dass eine tiefgründige historische Analyse hier zu einem besseren Verständnis notwendig ist, und dass Frieden und Menschenrechte Geschenke sind, die Länder und Kontinente von heute auf morgen wieder verlieren können.

Die internationalen Schlagzeilen zeigen auch, wie politische Situationen plötzlich kippen können, und dass für viele Menschen kein Völkerrecht und keine Gesetze gelten, nicht einmal Empathie.

Die Menschenrechtsverletzungen dieser Tage, in Syrien und in Zentralafrika, rühren dann auch an ähnliche tragische Ereignisse der Geschichte, da sich gerade jetzt, im Frühling 2014, der Völkermord in Ruanda zum 20. Mal jährt.

1994 wurden in Ruanda 800.000 Menschen auf offener Straße und ihren Häusern ermordet, auch als Folge historischer Begebenheiten, an denen Europa als Kolonialmacht nicht unschuldig ist.

Auch in Ruanda kippte 1994 die politische Situation von einem Tag auf den anderen. Zeitgleich wurden im ehemaligen Jugoslawien verheerende Menschenrechtsverletzungen begangen - also mitten in Europa.

Die Aktualität und die Erinnerungen zeigen, dass die Welt für viele Menschen ein gefährlicher Ort bleibt, und dass Rechte und Gesetze mediatisiert sind, aber keineswegs für alle gelten.

Respektive von heute auf morgen verloren gehen können.