LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Diese Woche: Harpes/Kremer - Kohnen/Gretsch - Kohnen/Harpes

Besonders der Auftritt des ehemaligen Cegedel-Direktors Alexis Kremer stach in der 33. Woche des „Bommeleeër“-Prozesses hervor. Der 84jährige erinnert sich noch genau an die Vorgänge während der Jahre der Attentate, von denen schließlich vier Infrastrukturen seiner Firma galten, welche die einzige in der Affäre war, die erpresst wurde. Kremer hatte übrigens seine Beobachtungen und Überlegungen über die Anschläge im Jahr 1994 auf Papier gebracht.

„Leet Äre Kapp a Rou“

Eine Erinnerung steht in dem Dokument allerdings nicht drin: Am Mittwoch berichtete Alexis Kremer der Kriminalkammer von einem Abendessen mit dem damaligen Gendarmerie-Kommandanten Aloyse Harpes nach dem Attentat auf den Strommast bei Heisdorf, also nach dem 30. November 1985. „Leet Äre Kapp a Rou“, habe Harpes den Cegedel-Vertretern gesagt, „do kënnt näischt méi“. Bis heute kann sich Kremer keinen Reim darauf machen. Fakt ist, dass die Cegedel ab Ende November 1985 nicht mehr von den „Bommeleeër“ ins Visier genommen wurde. Wollte Harpes die Cegedel-Leute nur beschwichtigen? Oder wusste er etwa, dass die Attentäter keine Strommasten mehr sprengen würden? Am kommenden Donnerstag wird das Gericht Kremer und Harpes auf diesem präzisen Punkt miteinander konfrontieren. Ob die oben genannten Fragen dann beantwortet werden? Leider ist der zweite Zeuge, der bei dem besagten Abendessen dabei war - der damalige Cegedel-Generaldirektor Alfred Giuiliani - bereits verstorben.

Der 135. Tag im Prozess wird übrigens ein Tag der Gegenüberstellungen. Kommissar Pierre Kohnen trifft dann nämlich auf den Ex-Armee-Kommandanten Michel Gretsch und den ehemaligen Gendarmerie-Chef Aloyse Harpes. Kohnen, der vergangene Woche kurioserweise nicht erreichbar war, hatte im Zeugenstand von einer „Stay Behind“-Kartei berichtet, die in Gretschs Besitz gewesen sei. Und er hatte erzählt, dass Harpes eine Überwachungsoperation des Justizpalastes verworfen hatte.

Der damalige Chefermittler Paul Haan hatte am Montag zu Protokoll gegeben, dass er nichts von solchen Plänen wusste. Am gleichen Tag hatte es der gewiefte Ermittler abgelehnt, seine Hypothese über die Identität der „Bommeleeër“ mit dem Gericht zu teilen. Er habe einen Verdacht, könne ihn aber nicht beweisen. Dass die beiden Angeklagten oder die BMG etwas mit den Attentaten zu tun haben, glaubt er nicht. Es gehe wohl eher in Richtung Armee, sagt Haan... Interessant. Bezeichnend in der Affäre ist jedenfalls, dass die Ermittlung nie in Richtung militaristische Kreise weiter getrieben wurde. Obwohl externe Experten und selbst Offiziere aus der Gendarmerie das empfahlen...

SREL angeblich kaum am „Bommeleeër“ interessiert

Auch der Geheimdienst geriet erst sehr spät ins Visier der Ermittler. Fakt ist jedenfalls, dass Schlüsseldokumente - vor allem zur Beschattung des Ex-BMG-Chefs Ben Geiben am 19. und 20. Oktober 1985 - jahrzehntelang im SREL-Archiv lagerten.

Dabei habe sich der Geheimdienst kaum für die Affäre interessiert, gaben vier ehemalige SREL-Mitarbeiter am vergangenen Donnerstag zu Protokoll. Höchstens in Kaffeepausen sei darüber diskutiert worden. Dem Gericht fällt das allerdings sehr schwer zu glauben.