LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Charles und Max Nilles der luxemburgischen Band Artaban im Gespräch

Fünf Jahre sind mehr als nur der Bruchteil eines menschlichen Lebens. Im Musikbusiness sind fünf Jahre schon eine kleine Ewigkeit: Wer sich ein paar Jährchen gönnt, um an einem Musikalbum zu feilen, setzt nicht selten seinen Platz im musikalischen Kollektivgedächtnis aufs Spiel. Max und Charles Nilles, die Väter des luxemburgischen Electro-Projekts Artaban, stellen am kommenden Freitag, den 4. Oktober im Hollericher Exit07 mit „Flow“ den Nachfolger ihres 2008er Debüts „Landscapes“ vor. Das jüngst zum Trio erweiterte Duo hat sich keineswegs auf den Lorbeeren seiner ersten Scheibe ausgeruht, auch wenn die beiden Nilles-Brüder in den vergangenen Jahren die Konzertbühnen mieden. Beim neuen Mitglied handelt es sich übrigens um die Ehefrau von Max Nilles, eine studierte Musikwissenschaftlerin, die bei den Liveauftritten nicht nur die Synthies bedienen, sondern auch Querflöte spielen wird.

Zusammenarbeit mit einem französischen Label

Neben zahlreichen Remixarbeiten für luxemburgische Bands wie Metro oder Hal Flavin haben die beiden Musiker zwischen den beiden Alben an neuen Titeln gebastelt, „vielleicht haben wir zulange an den Stücken gefeilt“, bemerkt Charles Nilles selbstkritisch. An den letzten 15 Prozent der knapp 32 Minuten dauernden Scheibe habe man überdurchschnittlich lange gearbeitet, ergänzt Max. Dass die beiden nun schlussendlich nach langem Herumfeilen das Material als CD, Vinyl und Download unters Volk bringen, liegt keinesfalls am Label Chez.Kito.Kat Records, mit denen die Band seit kurzem zusammenarbeitet. Von Seiten des Labels müssen die beiden keinen Druck befürchten, die Deadline für die Fertigstellung der neuen Scheibe haben sich die Artaban-Gründer selbst gesetzt: „Irgendwann haben wir uns selbst einen Tritt in den Allerwertesten verpasst“, so die beiden.

Die Zusammenarbeit mit dem französischen Label sei eher zufällig zustande gekommen, so Charles, Artaban sei nämlich irgendwann einmal mit einem Titel auf einer Compilation der Plattenfirma vertreten gewesen. Zwischen der Band und dem Label stimmt die Chemie, für beide Parteien steht die Passion für die Musik im Vordergrund, die geschäftlichen Aspekte sind zweitrangig. Niemand setzt ihnen ein Messer an die Brust, wenn sie einmal keine Lust haben, neues Material zu veröffentlichen.

„Landscapes“ auf Vinyl

Beide Bandmitglieder erklären unisono, dass die Musik für ihre Lebensbalance wichtig sei. Wichtig ist beiden außerdem, ihre Musik auf physischen Datenträgern anzubieten. Eine LP oder CD sei eben nicht virtuell. Und weil beide vinylverliebt sind, erscheint das neue Album als Doppel-Vinyl-Album der besonderen Art: Die Plattenhülle enthält neben dem „Flow“-Vinyl ebenfalls das „Landscapes“-Debüt als schwarze Scheibe. Am neuen Album arbeiteten die beiden intensiver Hand in Hand; an „Landscapes“ werkelten beide noch öfters unabhängig voneinander. Sieben Jahre nach dem allerersten Konzert an Silvester 2006 in den CarréRotondes können beide Brüder nach wie vor sehr gut miteinander; „Mäin Brudder ass e Wichser, mä ech mache gäre Musëk mat him“, flachst Max.

Und Videos drehen: Die Arbeit am Video zur ersten Single „Appaskop“ zog sich über zwei Jahre hin und entstand komplett in Eigenregie. „Es ist alles im ‚Do-it-yourself-Verfahren‘ entstanden. Wir möchten nicht abhängig von dritten sein“, so die beiden Nilles-Brüder. Gedreht wurde im Osten Luxemburgs sowie in Frankreich. Den Hauptdarsteller des Clips habe man übrigens irgendwo aufgegabelt, so die beiden augenzwinkernd.
www.artaban.lu