LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Pierre Stiwer und Paul di Felice organisieren den luxemburgischen Teildes „European Month of Photography“ (EMOP)

Konzentriert wie ein aromatischer italienischer Espresso präsentiert sich die kommende erste Woche des luxemburgischen Teils des „European Month of Photography“ (EMOP). Über 40 internationale Gäste - renommierte Künstler, Museumsverantwortliche sowie Mitglieder des EMOP-Verbunds - weilen in den nächsten Tagen in Luxemburg, um der Startwoche ihren Stempel aufzudrücken. Das Programm der ersten Tage sei zugegebener Massen kompakt, erklären die beiden Koordinatoren der luxemburgischen Beiträge zum EMOP, Paul di Felice und Pierre Stiwer.

„Die erste Woche ist wirklich intensiv. Dies ist jedoch von uns gewollt, da wir möchten, dass sich die geladenen Gäste auch über den Weg laufen, sich austauschen können“, erklärt Paul di Felice. Ein Kunstevent verkaufe sich besser mit den passenden Aufhängern, ergänzt Pierre Stiwer. Darüber hinaus, so di Felice, konzentriere sich auch auf ausländischen Kunstveranstaltungen in der Regel alles in der ersten Woche. Zahlreiche Ausstellungen - vorrangig jene in den Museen - dauern eh mehr als einen Monat, so dass der Besucher keinen Ausstellungsmarathon binnen kürzester Zeit absolvieren muss.

Vorläufer des EMOP

Es ist der Verdienst von Paul di Felice und Pierre Stiwer, alle beide Gründer der Kunstvereinigung „Café Crème A.s.b.l“, dass Luxemburg auf der Karte der EMOP-Veranstaltungen anzutreffen ist. „Café Crème“ ist nämlich seit 2005 Mitglied der internationalen EMOP-Vereinigung. Die Initiative für den „Mois Européen de la Photographie“ ist vom Franzosen Jean-Luc Monterosso, dem Direktor der ‚Maison de la Photographie‘ in Paris ausgegangen“, blickt Pierre Stiwer auf die Geburtsstunde des EMOP zurück. Dass man die beiden Luxemburger an Bord des EMOP-Schiffes geholt hat, erklären Stiwer und di Felice durch die Tatsache, dass sie sich im Rahmen ihrer mit „Café Crème“ realisierten Kunstprojekte eine dichtes Netz an Kontakten in der internationalen Foto-Community aufgebaut haben. „Vor der Gründung des EMOP organisierten Paul und ich mit der ‚Semaine Européenne de l’Image‘ den Vorläufer des Foto-Monats“, so Stiwer. Die beiden legten in der damaligen Zeit die Basis für ihre Zusammenarbeit mit Städten wie Le Havre, Paris oder Helsinki. „Wir zeigten in Luxemburg Werke von Fotografen der Helsinki-Schule, als diese hier quasi noch gänzlich unbekannt war“, erläutert Pierre Stiwer die geleistete Pionierarbeit.

Der EMOP, deren vierte Auflage in den kommenden Tagen mit Vernissagen und Kolloquien in öffentlichen Kultureinrichtungen, privaten Galerien und den Räumlichkeiten von Sponsoren eröffnet wird, hat einen festen Platz in der europäischen Kulturszene inne.

Vergleichsweise kleine Städte

Fliegt man über die Mitgliedsliste der EMOP-Städte, so fällt einem auf Anhieb jedoch auf, dass - Wien, Paris und Berlin ausgeklammert - sehr viele kleine und mittelgroße Städte mitmachen. Kulturelle Hochburgen wie Barcelona oder Brüssel glänzen durch ihre Abwesenheit. „Bei der Gründung des EMOP durften nur Hauptstädte mitmachen; Städte wie Barcelona, zu denen wir seit Jahren ausgezeichnete Beziehungen unterhalten, haben nicht die Möglichkeit, sich am EMOP zu beteiligen. Wir stellen aber momentan Überlegungen an, diesbezüglich flexibler zu agieren“, erklärt Paul di Felice.

Stiwer räumt ein, dass beispielsweise eine Hauptstadt wie London von der Fläche her so riesig ist, so dass es nahezu ein Ding der Unmöglichkeit sei, dass eine einzige Institution ein Event wie den EMOP in der gesamten Stadt organisieren könne.

In anderen Städten gibt es Kandidaten, die dazu bereit wären, sich an dem EMOP aktiv zu beteiligen, dann oftmals jedoch nicht über die für das Ausrichten verschiedener Ausstellungen notwendigen Infrastrukturen verfügen. Es gäbe Projekte, so Paul di Felice, die museale Strukturen verlangen würden. „Einige Objekte bekommt man nur für eine Ausstellung zur Verfügung gestellt, wenn die passende Struktur vorhanden ist und auch das technische Know-How“, so der Kunstkritiker und Hochschuldozent weiter.
„Arm wie eine Kirchenmaus“

Beide Fotoliebhaber sind voll des Lobes für das Engagement ihrer Kollegen aus den jungen EU-Staaten, die oftmals über ein sehr bescheidenes Budget verfügen, um EMOP-Veranstaltungen zu organisieren. „Eine Stadt wie Bratislava, die - und man muss die Dinge beim Namen nennen - arm wie eine Kirchenmaus ist, stellt ein fabelhaftes Programm auf die Beine“, blickt Pierre Stiwer anerkennend gen Osten.

Der EMOP in Metropolen wie Paris oder Berlin - hier obliegt dem Kulturdezernat die Organisation des Foto-Monats - steht auf gesunden finanziellen Füssen. Hierzulande besteht zwischen „Café Crème“ und dem Kulturministerium eine Konvention; außer vom Ministerium wird die Vereinigung finanziell von der Gemeinde Luxemburg und privaten Sponsoren gefördert. Der alle zwei Jahre stattfindende Event hat sich für die beiden Luxemburger zu einer Erfolgsstory gemausert. Obwohl anlässlich der ersten Auflage im Jahre 2006 das Zwei-Mann Team an seine physischen und auch psychischen Grenzen stieß, überwiegen die positiven Erinnerungen.

„Ich kann mich noch an die erste Auflage erinnern: Die Besucher nahmen den Ausstellungsprospekt in die Hand und machten ihre Runde, um die unterschiedlichen Ausstellungsorte zu entdecken, was ja Sinn und Zweck einer sich über mehrere Wochen hinziehenden Kulturveranstaltung ist“, erinnert sich Paul di Felice. Fotografie, so Stiwer und di Felice einstimmig, würde dazu beitragen den Besuchern die Schwellenangst vor Museen oder Galerien zu nehmen. „Galeristen erzählen uns, dass sie während des EMOP eine ganz andere Kundschaft als sonst begrüßen“, so di Felice.
www.emoplux.lu