LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Die TV-Serie „Orphan Black“ gehört zum aktuellen Netflix-Angebot

Ich liebe dieses Land, weil es nicht nur den Reichen die Jagd erlaubt“, entfährt es Mrs. S., während sie den Schaft ihres Gewehrs fest umklammert. Dieses Land, die Vereinigten Staaten von Amerika kann man aber auch lieben, weil es uns solch ausgezeichnete TV-Serien wie „Orphan Black“ beschert. Wer bin ich und wie viele? Mit diesem leicht abgeänderten Buchtitel des Autors Richard David Precht lässt sich kurz und knapp die Handlung resümieren. Die zehn Folgen der ersten Staffel liefen im Frühjahr dieses Jahres im Spätabendprogramm des deutschen Senders ZDFneo und sind mittlerweile rund um die Uhr auf dem Streamingdienst Netflix abrufbar. Heute Abend um 22.45 läuft die zweite Staffel auf dem Mainzer Spartensender an.

Wechsel der Identität

Hauptprotagonistin der Sci-Fi-Serie ist die junge Waise Sarah Manning, Punk und Lebenskünstlerin. Nach einer Odyssee durch Nordamerika reist sie zu ihrer Pflegemutter Mrs. S. zurück, die sich während Mannings zehnmonatiger Abwesenheit um deren sechsjährige Tochter gekümmert hat. Auf einem Bahnsteig wird sie Zeuge des Selbstmords ihrer Doppelgängerin, der Polizistin Elisabeth Childs. Ohne lange zu zögern krallt sich Mannings die persönlichen Utensilien ihres Zwillings und nimmt dessen Identität an. Sie zieht in die Wohnung der Toten ein und ermittelt fortan Seite an Seite mit Childs Partner Detective Art Bell. Als sie durch Zufall der Deutschen Katja Obinger über den Weg läuft und sich herausstellt, dass es sich bei dieser um eine weitere Doppelgängerin handelt, beginnt Manning in ihrer eigenen Vergangenheit herum zu stochern. Ihre Recherchen führen sie sehr schnell zu zwei weiteren Doppelgängerinnen, der Hausfrau Alison Hendrix und der Wissenschaftlerin Cosima Niehaus, die Manning unmissverständlich zu verstehen geben, dass sie alle das Produkt eines breit angelegten Klon-Programms sind und ein Widersacher des Klon-Erschaffers versucht, alle geklonten Frauen zu ermorden.

Sieben Hauptrollen

Zuschauer, die jetzt erst „Orphan Black“ entdecken, sollten sich nicht von der teils zähen, teils bruchstückhaft zusammengefügten Handlung der ersten drei Folgen und dem manchmal überdrehten Spiel einiger Akteure die Lust am Weiterschauen nehmen lassen. Manche auf den ersten Blick eher belanglos wirkenden Handlungsstränge wie unter anderem Mannings Beziehung zu Childs Lebensgefährten entwickeln sich zu Beginn der ersten Staffel mehr als schleppend; dies minimalen Kunstfehler können den Gesamteindruck der Serie keineswegs schmälern. Beim furiosen Staffelfinale mit seinem offenen Ende sind die schwachen Momente der zehn Folgen definitiv vergessen. Bildersprachlich bedienen sich die Macher der Serie bei großen Meistern wie David Fincher, Anton Corbijn und Christopher Nolan. Darstellerin Tatiana Maslani schlüpft alleine in der ersten Staffel in sieben verschiedene Rollen, die sie alle glaubwürdig rüber bringt.

Auf dem stark umkämpften US-amerikanischen Serienmarkt muss sich „Orphan Black“ mit solch illustren Konkurrenten wie „House of Cards“ oder „Homeland“ messen und hat es mitunter schwer, sich gegen diese Schwergewichte zu behaupten. In Europa dürfte die Produktion dank ihrer intelligenten Drehbücher und angesichts der dramaturgisch eher schwachen einheimischen Serien, die versuchen den Amerikanern Paroli zu bieten demnächst ihre Fanbasis erweitern.


Die erste Staffel von „Orphan Black“ ist auf Netflix zu sehen, die zweite läuft heute Abend um 22.45 auf ZDFneo an.