TRIER
GERHARD KLUTH

Officium Finalis im Trierer Dom

Zum dritten und auch letzten Mal gastierten Jan Garbarek und das Hilliard Ensemble beim Mosel Musikfestival (MMF) in Trier. Von der Anzahl der Konzertbesucher her war der Abend ein voller Erfolg. Vom Musikalischen her auch?

Ein Samstagabend bei hochsommerlichen Temperaturen. Auf dem Trierer Domfreihof befinden sich viele Menschen. Sie sitzen bei einem guten Glas Wein und genießen das Leben. Auffällig aber ist, dass die Türen zur Kathedrale geöffnet sind. Ungewöhnlich zu so später Stunde. Das Mosel Musikfestival (MMF) hat eingeladen und als Intendant Hermann Lewen die Konzertbesucher begrüßt, steht er vor einem vollbesetzten Dom. Es ist die letzte Möglichkeit, wie es im offiziellen Werbetext für das Konzert heißt, die magischen Klangmomente der Kooperation zwischen dem Saxophonisten Jan Garbarek und dem Hilliard Ensemble zu erleben. Grund hierfür ist, dass das Vokalensemble aufhört. 1974 hatte sich das Quartett gegründet und nun beschlossen, von der Bühne abzutreten. 1994 traten sie erstmals mit dem norwegischen Jazzmusiker zusammen auf und stürmten damit die Charts.

Brüchige Stimmen

Kein Zweifel, als Garbarek und Hilliard vor 20 Jahren mit ihrem Programm „Officium“ an die Öffentlichkeit traten, haben sie ein Stück Musikgeschichte geschrieben. Das Zusammenführen alter liturgischer Gesänge mit der Improvisation auf einem Saxophon war neu und eröffnete Klangspektren, die man so noch nicht gehört hatte. Aber schon 2011, als das MMF das Programm „Officium novum“ präsentierte, hatte man doch an so manchen Stellen den Eindruck, es sei der zweite Aufguss. Und heute? Es ist, gerade bei so einem verdienten Quartett wie dem Hilliard Ensemble, sehr schade, wenn man sagen muss, es ist gut, dass sie aufhören. Zu brüchig sind die Stimmen inzwischen geworden, zu oft ging die Intonation daneben. Die Qualität, mit der dieser Klangkörper einst Weltruhm erlangte, sie ist nicht mehr da.

In seiner Begrüßung sagte Lewen, der Trierer Dom habe auf der Wunschliste des Quintetts für die Abschiedstournee, mit „Officium Finalis“ überschrieben, ganz oben gestanden und dies sei eine Ehre für die Stadt. Ziemlich schnell hatte man aber den Eindruck, es war vor allem die gnädige Akustik, die für diesen Wunsch den Ausschlag gab. Garbarek braucht die Kathedralakustik, damit sich die Klänge seines Instrumentes entfalten können. Und beim Vokalteil deckte sie vieles zu. Hinzu kam, dass der Abend an vielen Stellen zu sehr auf Effekthascherei ausgelegt war. Das Publikum saß in einem dunklen Dom, bei dem nur der Chorraum mit farbigem Licht und Kerzen erhellt war.

Ein Abendprogramm gab es nicht. Manchmal ließ sich erahnen, dass es wohl Choräle der Ostkirche waren, die dargeboten wurden. Aber gerade bei sakraler Musik ist doch der Text das wesentliche. Er wird vom Klang getragen und unterstützt. Die Klänge allein sind eine leere Hülle. So war denn auch nach einer viertel Stunde Programm deutlich zu merken, dass die Konzentration bei so manchem Zuhörer nachließ. Die gespannte Stimmung konnte nicht gehalten werden und einige verließen auch den Dom.

Nun könnte man natürlich sagen, es ist eine Abschiedstournee, die man freundlich betrachten sollte. Dagegen aber spricht, dass die Tickets für diesen Abend immerhin auf allen Plätzen 45,- Euro kosteten.

Auch das ist ein Argument, die Veranstaltung als das zu betrachten, was sie war; ein professionelles Konzert in einem renommierten, internationalen Festival. Und unter diesem Gesichtspunkt konnte man nur zu dem Schluss kommen: Ziel verfehlt und Ansprüche nicht erreicht.