PATRICK VERSALL

Ich sehe eine Kulturministerin, die, als Osterhase verkleidet, den Kulturinstitutionen Überraschungseier ins Gebüsch legt. Überraschungseier, die eine oder keine neue Konvention enthalten. Welche abstrusen Bilder manchem Zeitungsredakteur an einem kalten Februartag durch den Kopf schwirren. Bis Ostern müssen sich die unterschiedlichen Anfragesteller nun nicht mehr gedulden, um zu erfahren, ob sie in den kommenden Jahren Geld vom Ministerium kriegen oder nicht. Verlierer sind unter anderem das Echternacher Musikfestival und die Freiluftveranstaltung in Wiltz, die beide seitens des Ministeriums gebeten wurden, ihre Programme zu überarbeiten. Wird nicht ordentlich in die Hände gespuckt, gehen mancherorts im kommenden Jahr die Lichter aus. Dass beide Festivals vom Ministerium Auflagen auferlegt bekommen haben, damit sie auch mittelfristig von staatlichen Geldern profitieren können, überrascht nicht wirklich.

Zwar haben die Wiltzer in den letzten Jahren an ihrem Konzept herumgefeilt und versucht, neue thematische Schwerpunkte zu setzen. Die frischen Ideen katapultierten sie dennoch nicht aus den roten Zahlen heraus. Bleibt also zu klären, wieso mehrere ehemalige Flaggschiffe der luxemburgischen Kulturszene erst kurz vor der Abwrackwerft die Fahrtrichtung ändern wollen und es nicht schon früher versucht haben. Wahrscheinlich, weil niemand ihnen das Messer an die Brust gesetzt hat und sie unmissverständlich dazu aufgefordert hat, neuen Ideen Platz einzuräumen, die ihnen erlaubt hätten, den Kundenstamm zu erweitern. Ich erinnere mich noch an denkwürdige Auftritte von Startrompeter Maurice André in Echternach oder Miles Davis in Wiltz. Das war allerdings vor anno Tobak, als das gesamte Kulturangebot sich auf ein paar Theaterhäuser, vier Kinos und zwei Eislaufarenen beschränkte, wo Rockkonzerte stattfanden.

Das Publikum hatten die einzelnen Häuser quasi unter sich aufgeteilt: Der Bildungsbürger ging in die Theateraufführung, der Beamte ins Kino und der Pöbel ins Rockkonzert. Erst Mitte der Neunziger hatten die ersten Kulturakteure spitz gekriegt, dass man sich irgendwann ein Publikum für morgen erziehen müsste, das in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren die Sitzplätze füllen würde. Sie hatten damals die nötigen Eier, um spezielle Jugend-und Kinderprogramme zusammen zu stellen. Programme, die von etablierten und blasierten Veranstaltern mit einem despektierlichen und süffisanten Lächeln quittiert wurden, da diese partout nicht einsehen wollten, wieso man sich angesichts der damals noch vollen Sitzreihen um den Nachwuchs sorgen sollte. Häuser, die seit Jahren Programmsparten für ein junges Publikum ausarbeiten, profitieren nun weiterhin von einer Konvention mit dem Ministerium.

Die Kultur werde man nicht tot sparen, untermauerte Kulturministerin Maggy Nagel die Position der aktuellen Regierung vorgestern bei der Präsentation des Filmfestivals. Ob der Neustart bei null einer Totsparerei gleichkommt, wird sich spätestens am Ende ihrer Amtsperiode zeigen. Bis dahin hat der eine oder andere Festival- und Konzertveranstalter Zeit, über die Fauxpas der Vergangenheit zu sinnieren.