LUXEMBURG
JOCHEN ZENTHÖFER

2018 wurde von der Europäischen Kommission zum „Kulturerbejahr“ ernannt, dies mit dem Ziel, das kulturelle Erbe stärker ins Bewusstsein der Bürger zu rücken. Auch die Baukultur spielt in diesem Kontext eine zentrale Rolle. Wie es darum in Luxemburg steht, weiß Dr. Jochen Zenthöfer, Vizepräsident der „Sauvegarde du Patrimoine asbl“.

„Viele Luxemburger haben momentan noch kein ausgeprägtes Bewusstsein für ihre Baukultur. Sie werden nicht genügend sensibilisiert. In den Schulen spielt das Thema fast keine Rolle, im Einbürgerungstest oder im Staatsbeamtentest wird hierauf gar nicht eingegangen. Dies alles führt dazu, dass sich viele Luxemburger des Wertes ihrer bebauten Umgebung nicht bewusst sind. Das ist der Grund, weshalb so viele Kulturgüter - meist durch Abriss - verloren gehen.

Deshalb ist es notwendig, ein Curriculum mit dem Wissen über Luxemburger Baukultur zu entwickeln und dieses dann zu unterrichten: in den Schulen, in der Erwachsenenbildung, bei der Einbürgerung, im Studiengang Architektur der Universität Luxemburg, und auch zum Selbstlernen für Interessierte. In diesem Curriculum sollten die Besonderheiten des Großherzogtums, aber auch dessen Stellung im kulturgeschichtlichen europäischen Kontext genannt und erläutert werden. Denn das heutige Großherzogtum ist historisch geprägt durch verschiedene Einflüsse aus den unmittelbaren Nachbarländern, sowie den Niederlanden, Spanien und Österreich. Es ist diese Melange, die einen nicht unerheblichen Teil des Wertes unserer Baukultur ausmacht.

Im Folgenden sollen einige Schwerpunkte aus dem zu entwickelnden Curriculum genannt werden: Zuerst ist natürlich an den weltweit bekannten ,Echternacher Stützenwechsel‘ in der romanischen Basilika zu denken, der später unter anderem im Rheinland übernommen wurde. Die Abteiarchitektur und ihre Auswirkungen, bis hin zur besonders stark ausgeprägten Volksfrömmigkeit, sind ebenso unterrichtenswert wie die Besonderheiten der mittelalterlichen Burgen und Städte. Zu nennen sind hier vor allem Vianden, Echternach und Larochette. Im Süden und im Zentrum des Landes sollten die Arbeitersiedlungen und die Industrieanlagen aus der Blütezeit der Stahlindustrie Eingang in das Curriculum zur luxemburgischen Baukultur finden. Nicht vergessen werden darf die Nachkriegsarchitektur, die sich besonders im luxemburgischen Traditionalismus der fünfziger und sechziger Jahre zeigt. Ein typisches Beispiel dafür ist das INL-Gebäude auf dem Limpertsberg. Hinzu kommen Bauten zu luxemburgischen Traditionen, wie Rosenzüchterhäuser im urbanen Umfeld (glücklicherweise konnte das Haus Bourg-Gemen gerettet werden), und die Vielfalt der Typologie der landwirtschaftlich geprägten Architektur im ländlichen Raum.

Erst wenn jeder Luxemburger weiß, welchen nachhaltigen Wert diese Baukultur hat, wird die Bereitschaft wachsen, diese Werte zu erhalten. Unsere ,Sauvegarde du Patrimoine asbl‘ ist bereit, ehrenamtlich an einem solchen Curriculum mitzuarbeiten. Auch auf das Wissen anderer Organisationen sollte unbedingt zurückgegriffen werden (etwa dem ‚Luxembourg Center for Architecture‘/LUCA, de ‚Cliärrwer Kanton asbl‘, ‚Luxembourg Patrimoine‘, ‚Lampertsbierger Geschichtsfrënn‘, Universität Luxemburg).“