MARCELLE WALCH

Am 15. Mai 1977 hat bei „SOS Détresse“ das Telefon zum ersten Mal geklingelt. Seither meldeten sich bei der Nummer 454545 Zehntausende Menschen, die über ihre Probleme reden wollten und Rat suchten, um damit fertig zu werden. Aus Anlass dieses Jubiläums, das die Mannschaft von „SOS Détresse“ gestern bei einer kleinen internen Zeremonie beging, haben wir mit der Direktionsbeauftragten Marcelle Walch über die Entwicklung dieses zum allergrößten Teil von Ehrenamtlichen gewährleisteten Dienstes gesprochen.

„Wir stellen fest, dass der Gesprächsbedarf über Probleme in der Bevölkerung allgemein wächst. Das zeigen allein die Zahlen: Vor Oktober 2015 wurde die 454545 jährlich etwa 2.900 angerufen, heute sind wir bei über 4.000 Gesprächen im Jahr. Das hat auch damit zu tun, dass die Telefonstelle von ‚SOS Détresse‘ seit Oktober 2015 zwölf statt acht Stunden täglich besetzt ist. 

1977 begann der Dienst mit vier Stunden. Auch auf die Mailberatung ‚SOS OnlineHelp‘, die wir seit Juni 2013 anbieten, wird verstärkt zurückgegriffen: Im Jahresdurchschnitt 2014 wurden hier 240 Mails gezählt, im vergangenen Jahr waren es 699 und in diesem Jahr sind es bereits 358. 

Am häufigsten melden sich Menschen mit Beziehungsproblemen und solche, die sich einsam fühlen. Auch Personen, die ein schwieriges Schicksal bewältigen müssen, suchen unsere Hilfe. Schon ein erstes vertrauensvolles und wertschätzendes Gespräch kann Betroffenen erste Entlastung bringen und damit den Weg aufmachen, um konkrete Lösungen für ihre Probleme zu suchen. Bei uns finden sie Anteilnahme und Beratung, an welche Stellen sie sich am besten wenden.

All das wäre nicht möglich durch den unermüdlichen Einsatz unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter, die in der Regel über Jahre dabei sind. Heute stehen die 59 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zwölf Stunden täglich zur Verfügung, um Menschen in Not Beistand zu leisten. Das Team der Mailberatung wird ab Juni zwölf Berater und Beraterinnen umfassen. Sie machen gemeinsam eine Beratung in sechs Sprachen möglich.

Die Beratung ist eine anspruchsvolle Aufgabe, für die die Ehrenamtlichen von Psychologen ausgebildet und begleitet werden. Jährlich melden sich zwischen 50 und 60 Bürger, um sich bei ‚SOS Détresse‘ einzubringen. Den Ehrenamtlichen kann man nicht genug für ihren Einsatz für ihre Mitbürger in Not danken. Dieser Einsatz wäre aber auch nicht möglich ohne die staatliche Unterstützung. Wir haben eine Konvention mit dem Familienministerium, wo sehr großes Verständnis für unsere Arbeit herrscht. 

Wir möchten angesichts des Jubiläums das Thema ‚Krisen - Wendepunkte im Leben‘ das ganze Jahr über thematisieren. In diesem Sinne werden hilfreiche Texte auf der Homepage www.454545.lu veröffentlicht. Unser Anliegen dabei ist, darauf aufmerksam zu machen, dass persönliche Krisen zum Leben dazugehören und kein Zeichen persönlicher Schwäche oder des Scheiterns sind. Und dass es wichtig ist, in solchen Krisensituationen so zeitnah wie möglich geeignete Hilfe und Unterstützung in Anspruch zu nehmen“