LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwaltschaft fordert vier Jahre feste Haft

Er habe durch seine Abwesenheit geglänzt, sagte Richter Klein dem Angeklagten. Mehrmals war er wegen Schlägereien aufgefordert worden, vor Gericht zu erscheinen. Doch Joël K. ist nie vor Gericht vorstellig geworden. Aber wer ist der Typ eigentlich, der so brutal zugeschlagen hat? Es handelt sich um einen Mann, dessen Geschichte von Rauschgift, Alkoholmissbrauch, von Hass auf die Gesellschaft und der Unfähigkeit, mit Nachbarn friedlich zu leben, geprägt ist. Der vorsitzende Richter nannte den Angeklagten einen „Kirmesklepper“. Sein Strafregister ist lang: Rauschgifthandel und Schlägereien. Im Laufe der Jahre, so der vorsitzende Richter, habe er mehr und mehr ein verachtendes Verhalten an den Tag gelegt, heftig zu trinken begonnen ohne süchtig zu werden und eine paranoide Persönlichkeitsstörung entwickelt.

Schlägt zu wie ein Boxer

Es war der 2. Dezember 2013, es sollte der tragischste Tag seines Lebens werden. In den frühen Morgenstunden auf der Schueberfouer geriet das Opfer B. zufällig in eine Schlägerei mit dem Angeklagten Joël K.. Die Prügelattacke hat das Opfer noch immer nicht überwunden. Der heute 33-jährige Joël. K. ging plötzlich auf das Opfer zu und versetzte ihm völlig unerwartet mehrere wuchtige Faustschläge ins Gesicht. In dieser Affäre wurden zwei Gutachten angefordert. Laut Gutachten erlitt das Opfer so schwere Kieferbrüche, dass es bis heute schwer behindert ist. Der Kiefer ist so schwer beschädigt, dass das Opfer nachträglich in einer Spezialklinik in Deutschland operiert werden musste. Ein Orthopäde stellte beim Opfer Atemstörungen und mehrere Hämatome im Gesicht fest.

Der Beschuldigte hinterließ vor Gericht nicht den besten Eindruck. Zur Sache wollte er sich nicht mehr äußern, seine Entschuldigung im Schlusswort wirkte aufgesetzt. Er verteidige sich nur, sagte K., er würde doch keine Leute ohne Grund angreifen. Für die Staatsanwaltschaft wurde der Fall Joël K. zu einer rechtlichen Knacknuss. Die zentrale Frage lautete dabei: Was machen wir mit diesem Mann? Für die Staatsanwältin war das Vorgehen des Beschuldigten entscheidend: „Die Schläge waren außerordentlich brutal“, sagte sie und lehnte einen Vergleich zu einer normalen Beizenschlägerei ab. Die Staatsanwaltschaft Luxemburg geht von einer fahrlässig schweren Körperverletzung aus und will den Beschuldigten mit einem Freiheitsentzug von vier Jahren bestrafen.

Das Plädoyer des Strafverteidigers

Vergeblich machte Me Schloesser eine fahrlässige Tat geltend und setzte sich für eine mildere Freiheitsstrafe ein. Sein Mandant wäre provoziert worden. Das Strafmaß überlässt der Verteidiger dem Gericht.

Das Plädoyer der Staatsanwältin

Die Staatsanwältin machte wiederholt geltend, dass der Angeklagte mehrere Male zugeschlagen habe. Eine schwere Körperverletzung sei deswegen voraussehbar und gewollt gewesen. Die Staatsanwaltschaft sah die schwere Körperverletzung als erwiesen an. Sie erhöht die Sanktion auf vier Jahre Freiheitsentzug, da sie dem Beschuldigten seine langjährigen Schlägereien vor Augen hält. Allerdings ist der Entscheid noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung könnte den Fall weiterziehen. Das Urteil erfolgt am
2. Dezember.