HENRI GRÜN

Palliativpflege versucht die Lebensqualität von Kranken und Angehörigen zu verbessern, die den Folgen einer potentiell tödlichen Erkrankung ausgesetzt sind. Henri Grün, Direktor des Palliativvereins Omega 90, fordert, dass das im Gesetz vorgesehene Recht auf Palliativpflege auch tatsächlich für jeden Patienten zu einem real einlösbaren Recht wird.

„Palliativpflege und -medizin („palliative care“) befasst sich mit der Pflege und Behandlung von Menschen am Lebensende, soll aber auch schon ab der Diagnosestellung einer lebensbedrohlichen Krankheit komplementär zu kurativen Therapien eingesetzt werden. Hauptmerkmal ist die Ausrichtung auf die Lebensqualität des Patienten: Unnötige Therapien sollen vermieden werden, und der Patient wird in seinem ganzen Menschsein gesehen und ernstgenommen. Nicht nur das körperliche Leiden ist im Fokus, sondern auch seelisches, spirituelles und soziales Leiden. Den Betroffenen soll bestmögliche Lebensqualität und ein menschenwürdiges Sterben ermöglicht werden.

Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Palliativpflege 2009 haben viele in den Gesundheits- und Pflegberufen Tätige dazu beigetragen, „palliative care“ in Luxemburg zu implementieren. Allerdings bleibt es eine große Herausforderung, das im Gesetz vorgesehene Recht auf Palliativpflege für jeden Patienten auch tatsächlich zu einem real einlösbaren Recht zu machen. Ein gemeinsamer Bericht vom Familien- und Gesundheitsministerium hat mehrere Baustellen im Bereich der Palliativpflege identifiziert, die sich zum größten Teil mit den Anliegen der Gesundheits- und Pflegedienstleistern decken. 

Qualitativ hochwertige Palliativpflege soll dort angeboten werden, wo der Patient sich befindet: zu Hause, im Pflegeheim, in der Klinik oder im Hospiz. Omega 90 weist immer wieder darauf hin, dass ohne einen sektorenübergreifenden, nationalen Aktionsplan und der Definition strategischer Ziele eine effiziente Entwicklung der Palliativpflege im Sinne des Palliativgesetzes nicht möglich ist. Dies umso mehr, weil mehrere Ministerien von der Umsetzung der Maßnahmen betroffen sind. Die Gesundheitsministerin hat kürzlich eine „plateforme fin de vie“ ins Leben gerufen, die sich neben der Umsetzung des Gesetzes zur Euthanasie auch mit Palliativpflege beschäftigen soll. Omega 90 begrüßt diese Initiative, weist aber darauf hin, dass Palliativpflege zwar am Lebensende - also „en fin de vie“ - zum Tragen kommt, sich aber nicht auf das „Lebensende“ beschränkt. Der Begriff „Lebensende“ ist nicht genau definiert und sollte nicht mit der Terminalphase, in der nur noch einige Stunden bis Tage bleiben, gleichgesetzt werden. Auch stellen sich bei der Umsetzung beider Gesetze nicht die gleichen Probleme, selbst wenn es für beide Bereiche einen deutlichen Informationsbedarf sowohl bei Professionellen als auch bei der Allgemeinheit gibt. Es ist wichtig, dass die „plateforme fin de vie“ es schafft, nützliche Vorschläge zur Weiterentwicklung von „palliative care“ auszuarbeiten und diese auch mit entsprechendem Engagement umgesetzt werden.“