LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Markus Löning ist Mitgründer der Vereinigung „Finance and Human Rights“, deren Statuten nun hinterlegt werden - Welchen Zweck die Initiative verfolgt

Zu den Personen

Markus Löning und Charles Muller

Der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete (2002-2009) Markus Löning ist in Luxemburg aufgewachsen, wo er 1978 das Abitur an der Europaschule absolvierte. Seine Eltern wohnten bis vor kurzem noch in Bereldingen. Er selbst lebt seit Jahrzehnten in Berlin, wo er den Großteil seines Berufslebens verbrachte. Zwischen April 2010 und Januar 2014 war Löning Beauftragter der deutschen Regierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe. Anfang 2014 startete „Löning - Human Rights & Responsible Business“, die Unternehmen strategisch auf dem Weg zur Erfüllung ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten unterstützt. Das Beratungs- unternehmen ist auch ein „Think Tank“, der Impulse an Politik und Wirtschaft geben soll. In Deutschland ist Löning nicht mehr politisch aktiv, ist aber Vizepräsident der Liberalen Internationale und der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa. Charles Muller ist Rechtsanwalt und hat über 30 Jahre Erfahrung in der Fondsindustrie. Muller stand lange in Diensten des Fondsverbands ALFI und des Beratungsunternehmens KPMG. Seit März 2018 ist er selbständiger Berater.

Jagd nach Rendite und Menschenrechte - wie geht das zusammen? Auch was müssen Unternehmen achten, wenn sie den Respekt der Menschenrechte auf allen Ebenen ihrer Aktivitäten gewährleisten möchten? Seit kurzem gibt es in Luxemburg mit „Finance and Human Rights“ eine neue Vereinigung, die sich als Plattform für Debatten und Weiterbildungen in dem Bereich sieht. Was steckt dahinter? Ein Gespräch mit Mitgründer Markus Löning.

Herr Löning, weshalb diese Initiative?

Markus Löning Charles Muller und ich befassen uns schon länger mit dem Thema Finanzen und Menschenrechte und wir denken, dass eine Plattform die Debatte darüber fördern wird.

Warum zu diesem Moment?

Löning Es gibt eine neue Diskussion über die Verantwortung der Wirtschaft, die nicht zuletzt durch das Pariser Klimaabkommen von 2015 angefeuert wird. Es gab auch Skandale um menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, die für großes Aufsehen gesorgt haben.

Zudem wächst mit den so genannten „Millenials“ eine Generation von Entscheidern und Mitarbeitern heran, die mehr von Unternehmen verlangen als Jobs und Steuern. Studien zeigen, dass ihnen sehr wichtig ist, für welche Werte ein Unternehmen steht und wie es diese anwendet. Firmen müssen dieses neue Wertebewusstsein verstehen und sich danach ausrichten.

Weshalb konzentrieren Sie sich auf den Finanzsektor und weshalb haben Sie die neue Vereinigung in Luxemburg gegründet?

Löning Der Finanzsektor ist in vielen Unternehmen engagiert und ist ein starker Hebel für Veränderungen. Ein Fonds beispielsweise kann als Investor darauf drängen, dass eine Firma Menschenrechte oder soziale und ökologische Standards auf allen Ebenen ihrer Lieferkette respektiert. Weshalb Luxemburg?

Nun, über unsere starke Verbindung zum Land hinaus: Luxemburg ist ein internationaler Finanzplatz, von dem aus Impulse leicht eine globale Reichweite gewinnen können. Wir glauben, dass das Großherzogtum auch eine Vorreiterrolle spielen kann, wenn es um moralische und ethische Standards in Unternehmen geht.

Es gibt ja bereits eine Menge Initiativen um die soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen zu unterstreichen und sogar Gesetzgebungen, die sie dazu verpflichten, diese Verantwortung zu übernehmen...

Löning In der Tat. Frankreich beispielsweise hat kürzlich eine „loi de vigilance“ eingeführt, die Unternehmen verpflichtet, ihre Lieferketten im Respekt zu den Menschenrechten aufzustellen. Großbritannien hat den „Modern Slavery Act“, der von großen Unternehmen einen Bericht darüber verlangt, wie sie gegen Sklaverei bei ihren Zulieferern vorgehen. Das bleibt ein Riesenproblem. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO schätzt, dass weltweit 25 Millionen Menschen unter sklavenartigen Bedingungen schuften müssen. Auch Luxemburg unterstützt Bemühungen der EU und der Vereinten Nationen, Unternehmen zu verpflichten, ihre Verantwortung beim Schutz der Menschenrechte zu übernehmen und untersucht, wie diese Verpflichtungen auf nationaler Ebene umgesetzt werden können. Zusätzlich zum politischen Druck nehmen aber auch immer mehr Unternehmensverbände das Heft in die Hand, um sich entsprechende Regeln zu geben.

Der Zug fährt also. Wie genau möchte Ihre Vereinigung dazu beitragen, dass er schneller Fahrt aufnimmt?

Löning Wie eingangs erwähnt, sehen wir die „Finance and Human Rights“ asbl in erster Linie als Austauschplattform. Viele Unternehmen wollen etwas tun, wissen aber nicht so recht, wie sie etwa ein Monitoring der Menschenrechte in ihren Lieferketten einrichten sollen und wie sie bei Verletzungen der Grundrechte reagieren. Viele Investoren wissen nicht, welche Auskünfte sie von den Firmen verlangen dürfen, in denen sie Teilhaber sind und welche „best practices“ man intern anwenden sollte. Alles Themen, die in der Vereinigung diskutiert werden und zu denen auch Workshops und Fortbildungen angeboten werden können. Wir haben vor, noch vor dem Sommer eine Art „Kick off“-Event um ein solches Thema zu veranstalten. Das Interesse am Finanzplatz ist jedenfalls groß.

Davon konnten wir uns in Gesprächen mit den Branchenverbänden überzeugen.