TRIER
GERHARD KLUTH

Concerto Köln verzauberte sein Publikum am Sonntagabend

Traditionell gibt es vom Mosel Musikfestival (MMF) am Ende des Jahres ein Zusatzkonzert außerhalb des Festivalprogramms. Schauplatz in diesem Jahr war mit der Liebfrauenkirche in Trier das älteste gotische Gotteshaus in der Bundesrepublik. Ein wahrlich prachtvolles Ambiente für ein nicht minder prachtvolles Konzerterleben.

Ein musikalischer Leckerbissen

Für die Durchführung dieses musikalischen Leckerbissens hatte MMF-Intendant Hermann Lewen niemand Geringeres als das Ensemble Concerto Köln verpflichtet. Ein Orchester, bei dem sich die Fachpresse seit Jahrzehnten mit Lobeshymnen geradezu überschlägt. Zu Recht, wie man feststellen konnte und es ist nur leicht verständlich, warum dieses Orchester von der EU-Kommission zum kulturellen Botschafter der Europäischen Union ernannt wurde.

Ein leichtes Schmunzeln allerdings konnte man sich nicht verkneifen, wenn man das Programmheft studierte. Dort war zu lesen, dass Concerto Köln weltweit der erste Klangkörper ist, das sich nach der ISO 9001 vom TÜV Rheinland hat zertifizieren lassen. Qualitätsmanagement macht dies möglich.

Ob nun mit TÜV-Plakette oder ohne, die Musiker unter der Leitung des Flötisten Martin Sandhoff bescherten dem Publikum in der ausverkauften Basilika eine ausgedehnte Sternstunde des Barock. Angefangen bei Evaristo Felice Dall’Abacos Concerto Opus 5,3 über Antonio Vivaldis Mandolinenkonzert D-Dur, RV 93 und Marc-Antoine Charpentiers Suite „Boels pour les Instruments“ bis hin zu Georg Friedrich Händels Konzert für Harfe und Streicher, HWV 294 und Gerog Philipp Telemanns Konzert für Blockflöte, Traversflöte und Streicher war alles dabei, was das Herz eines Freundes der Barockmusik erfreuen konnte.

Nichts angestaubtes, nichts Altes

Die leichte und luftige Art, mit der diese Musiker dem Notentext Leben einhauchten, hatte seinen ganz eigenen Reiz. Nicht selten hatte man den Eindruck, die Komposition würde gerade im Moment entstehen. Springlebendig war der Vivaldi, hochaktuell der Händel, dessen Werk in der Fassung als Orgelkonzert bekannter ist. Bei Telemann umtanzten sich die Melodielinien, dass es eine Freude war, ihnen zu folgen. Es gab keinerlei Effekthascherei und gerade deshalb konnte die Musik auf so wunderbare Weise seine Wirkung entfalten. Hier saftig und kraftvoll, dort zart, lieblich und empathisch.

Bei einem richtigen barocken Weihnachtskonzert darf natürlich das Concerto grosso, Opus 6/8 von Arcangelo Corelli, überschrieben mit „per la notte di natale“ nicht fehlen. Ist doch die finale Pastorale für viele der Inbegriff der instrumentalen Weihnachtsmusik. Häufig wird dieser Satz mit einem überdicken Zuckerguss überschüttet. Nicht so in Trier. Sachlich ging das Ensemble zu Werk und gerade deshalb konnte dieses Largo seine ganze Schönheit entfalten.

Minutenlanger Applaus

Wenn das Konzert ein großer Erfolg war, so lag das auch an den beiden Solistinnen. Die Harfenistin Margret Köll und die Mandolistin Anne Torge bezauberten ihr Publikum durch ein Spiel, das sich nahtlos in die hohe Qualität des Orchesters einfügte. Selten hat man eine so aufmerksame Ruhe bei den Zuhörern erleben können. Mit unspektakulärer Virtuosität interpretierten die beiden Musikerinnen Vivaldis und Händels Meisterwerke. Wie sehr alle Akteure die Zuhörer erreicht hatten, zeigte der Schlussapplaus. Minutenlang erfüllte er die Kirche. Als Dank dafür gab es mehrere Zugaben, darunter die berühmte Air aus der Orchestersuite Nr. 3 von Johann Sebastian Bach. Wie sagte ein Konzertbesucher am Ausgang: „Jetzt kann Weihnachten kommen“.