MERSCH
CHRISTIAN SPIELMANN

Irvin Berlins Musical „Call Me Madam“ kommt heim

Der Hintergrund des Musicals „Call Me Madam“ von Irving Berlin aus dem Jahr 1950 ist die Zeit von 1949 bis 1953, in der die lebenslustige und reiche Perle Mesta (1889 - 1975) als amerikanische Botschafterin in Luxemburg tätig war. In der Show wurde aus Luxemburg Lichtenburg, und die großartige Ethel Merman spielte die Diplomatin, die auf der Bühne Sally Adams hieß. Das „Mierscher Kulturhaus“, der „CUBE 521“ aus Marnach und das „Orchestre de Chambre du Luxembourg“ produzieren das Musical erstmals in Luxemburg zum 40. Todestag der Botschafterin in englischer Sprache, unter der Regie von Claude Mangen.

Where the hell is Lichtenburg?

Sally Adams (Edda Petri) ist mit dem amerikanischen Präsidenten Harry Truman befreundet. Sie wird von ihm als Botschafterin nach Lichtenburg beordert, ein Land, das in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Kurzerhand ernennt sie den Journalisten Kenneth Gibson (Calvin Hudson) zu ihrem Presseattaché. „Where the hell is Lichtenburg?“, fragt sich die neue Diplomatin und hält die Einwohner des „Grand-Duchy“ für „Dutch“, also Holländer. Erst einmal versucht der Chargé d’Affaires Pemberton Maxwell (Timothy Lone) ihr die Benimmregeln des Landes beizubringen, doch Sally sind die egal. Sie hat nur Augen für Cosmo Constantine (Astrit Alihajdaraj), der zuerst Finanz-, dann Außen- und schließlich Premierminister des Landes wird. Der amtierende Staatschef Sebastian (Clod Thommes) dankt in der Hoffnung, ein Darlehen aus Washington zu erhalten, zu Gunsten Cosmos ab. Doch Cosmo will kein Geld und glaubt, sein Land mit eigenen Mitteln wieder auf die Beine zu bringen. Es kommt zum Streit mit Sally. Kenneth verliebt sich unterdessen in die Prinzessin Maria (Emily-Jane Ashford), was gegen die Etikette der großherzoglichen Familie verstößt.

Viel Humor und „Kachkéis“

Eine deftige Portion Humor entspringt der Ignoranz Sallys dem fremden Land und der Sprache gegenüber, und die Diplomatin mag „Kachkéis“, den sie ihren Bekannten nach Amerika schickt. Edda Petri spielt die Botschafterin mit Charme und Energie, spricht fehlerfreies Englisch und singt mit ihrer klaren Stimme unter anderem den Evergreen des Musicals „The Hostess with the Mostes‘ on the Ball“. Astrit Alihajdaraj wirkt etwas steif, was ihm als Minister nicht schlecht steht, jedoch müsste er den verliebten Mann lockerer spielen. Ganz ordentlich singt und tanzt Calvin Hudson, genau wie seine Partnerin Emily-Jane Ashford. Zuerst tanzt sie zur Polka „The Ocarina“ und dann zusammen mit Kenneth eine flotte Stepptanznummer zu dem wunderbaren Song „It’s a Lovely Day Today“. Die Choreografie schuf Sara Eden, und Tänzer und Tänzerinnen aus ihrer „Dancing School“ ergänzen das Ensemble, das aus Sängern und Sängerinnen der „Schankemännchen asbl“ besteht.

Das Lied „They Like Ike“ wurde gestrichen und durch den Song „What Chance Have I With Love?“ ersetzt, der ursprünglich aus Berlins „Louisiana Purchase“ stammt und in die Verfilmung des Musicals durch Walter Lang integriert wurde.

„Call Me Madam“ ist eine rundum geglückte Produktion, die beweist, dass das Musical, das seit 1950 nicht mehr am Broadway gespielt wurde, genug Potenzial hat, noch heute zu unterhalten, und dass die Songs immer noch im Ohr hängen bleiben. Paul Lesch drehte 1997 den Dokumentarfilm „Call Her Madam“ und wird die Zuschauer vor Beginn der Vorstellung in die Geschichte der Perle Mesta einführen.

Gespielt wird am 16. und 17. Januar 2016 wird im „Cube 521“ in Marnach.


Weitere Informationen auf

www.kulturhaus.lu