LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Umwerfende Schauspielerleistungen in „Joe“

Das Drehbuch von Gary Hawkins zu „Joe“ von David Gordon Green basiert auf dem gleichnamigen Roman von Larry Brown aus dem Jahr 1991. In der Titelrolle beweist Nicolas Cage nach einigen filmischen Fehltritten, dass er ein großartiger Schauspieler ist. An seiner Seite kann Tye Sheridan nach seiner außerordentlichen Leistung in „Mud“ sein Talent erneut unter Beweis stellen. Gary Poulter, der Sheridans Vater spielt, war ein Obdachloser in Austin, als er von einem Casting Director entdeckt wurde. Leider starb er im Februar 2013, zwei Monate nach Abschluss der Dreharbeiten.

Der Bäume-Vergifter

Joe (Cage) beschäftigt eine Reihe Arbeiter, die in einem Wald Bäume vergiften, sodass diese absterben und abgeholzt werden dürfen. Somit darf der Besitzer des Waldes neue Bäume anpflanzen. Er scheint ein ehrlicher Kerl zu sein, der seine Arbeiter regelmäßig bezahlt. Als der 15-jährige Gary (Sheridan) bei ihm aufkreuzt und nach Arbeit fragt, stellt er den Jungen ein. Garys Vater Wade (Poulter) ist ein hinterhältiger, brutaler und versoffener Mann, der seinen Jungen oft schlägt, zumal dieser jetzt arbeitet und Geld verdient, das er für seinen Suff braucht.

Gary lebt mit ihm, seiner stumm gewordenen Schwester (Anna Niemtschk) und seiner Mutter (Brenda Isaacs Booth) in einer Bruchbude, die einer Müllhalde gleicht. Ein im Gesicht entstellter Kerl, Willie Russell (Ronnie Gene Blevins), schießt auf Joe, der die Schusswunde hinnimmt. Joe geht jeglichen Problemen aus dem Weg, auch als er Zeuge wird, wie Wade Gary schlägt. Allerdings gerät Gary in größere Schwierigkeiten. Nun entscheidet sich Joe seinem jungen Freund zu helfen.

Außergewöhnliche Steigerung der Gewalt

Der Film beginnt mit einer Szene, in der Gary seinem Vater Vorwürfe macht. Dann lernt der Zuschauer Joe kennen, dessen Beschäftigung Rätsel aufwirft, ehe der Vorarbeiter Junior (Brian Mays) Gary über seine Arbeit aufklärt. Joes Leben besteht vornehmlich aus dem Besuch des Bordells von Merle (Sue Rock) und trinken, ehe ihm Gary ans Herz wächst. Cage mit Bart und einer Unmenge von Tätowierungen sieht fast zum Fürchten aus, aber man merkt ihm durch den Umgang mit seinen Arbeitern und Merles Mädels seine Güte an. Das einzige, was er hasst, sind kläffende Hunde, die ihn beißen wollen. Gary seinerseits ist ein Junge, der trotz aller Hiebe seinen Vater mag, diesen aber nicht vor seiner Sucht abbringen kann. Erst als dieser ihm sein von Joe abgekauftes Auto abnimmt, scheint sich seine Zuneigung in Hass zu verwandeln.

Gary Poulter spielt eigentlich nur sich selbst, da er in seinem Leben nichts anderes als die Straße kannte. Poulter überzeugt mit seinem unschuldigen Blick, hinter dem allerdings viel Boshaftigkeit versteckt ist. Lustig ist der Moment, wo er Gary Breakdance bei, während ein schäbiger Gewaltakt an die Nerven geht. In diesem Umfeld wächst die Gewalt, die bei einer Ohrfeige für Gary anfängt und über einen Hundekampf weiter ausartet.

Für einmal passt dieser Film nicht in die üblichen Schablonen amerikanischer Filme. „Joe“ bietet eine außergewöhnliche Geschichte, die von grandiosen Schauspielern getragen wird.