Die luxemburgische Erdölbranche, zu der neben den bekannten internationalen Firmennamen auch eine ganze Reihe von kleineren Handelsunternehmen zählen, kann zwar nach wie vor auf beachtliche Umsatzzahlen verweisen, ist sich andererseits aber auch bewusst, dass die Glanzzeit des Sektors vorüber ist. Die Konkurrenz durch neue Energieformen auf der einen, sowie immer striktere Vorschriften und Einschränkungen auf der anderen Seite haben dem Sektor in den letzten Jahren immer mehr zu schaffen gemacht und sorgen zudem für ein hohes Maß an Ungewissheit für die Zukunft. Die im „Groupement Pétrolier“ erfasste Erdölbranche steht nach wie vor für etwa zwei Drittel der luxemburgischen Energieversorgung mit einem Hauptakzent auf Straßen- und Luftverkehr, wo die Treibstoffe auf Erdölbasis weiter quasi allein die Mobilität bestimmen.
Erstrangiger Wirtschaftsfaktor
Zusammen mit Vizepräsident Paul Kaiser und Generalsekretär René Winkin blickte GPL-Präsident Romain Hoffmann gestern in der Handelskammer zurück auf das Geschäftsjahr 2012 und präsentierte die Schlüsselzahlen einer Branche, die rund 2.500 Mitarbeiter beschäftigt, von denen allein 2.100 auf die insgesamt 240 Tankstellen des Landes entfallen. Diese wiederum zählen zu den wichtigsten Steuereinnehmern des Landes, kamen doch 2012 allein an Akzisen, Mehrwertsteuer und Konzessionsgebühren 1,17 Milliarden Euro zusammen, die ebenfalls erklecklichen Steuereinnahmen auf Tabakprodukten und Alkohol, die ebenfalls maßgeblich an den Tankstellen entlang der Landesgrenzen eingenommen werden, nicht mitgerechnet.
In der nationalen Energiebilanz entfielen 2012 67,1% des Verbrauchs auf die Erdölprodukte, 15,5% auf das Erdgas, 12,9% auf Elektrizität aus konventionellen Quellen, 2,4% auf die Biomasse, 1,3% auf Kohleprodukte und 0,7% auf Wärme-Kraft-Kopplung. Dabei ist der Absatz von Erdölprodukten seit 2005 durchwegs rückläufig: Die Differenz bei den Treibstoffen zeigte ein Minus von 1,5% für 2012 gegenüber 2005, im gleichen Zeitraum ging der Heizölverbrauch um 17,4% zurück. Mit 2.234,072 Millionen Litern stellte der Dieseltreibstoff den wichtigsten Posten dar, gefolgt vom Autobenzin mit 464,435 Mio. Litern und dem Flugzeugkerosin mit 449,575 Mio. Litern. Vergleichsweise bescheiden nimmt sich dagegen das Heizöl aus mit 235,586 Mio. Litern. Während die Aktieneinnahmen auf dem Benzin seit einigen Jahren stagnieren, sind sie für Dieseltreibstoff konstant weiter gestiegen.
Problem Lagerkapazitäten endlich lösen
Ein ungelöstes Problem für die Branche stellt die Lagerungskapazität dar, wobei es zu unterscheiden gilt zwischen strategischer Lagerung, die auch auf europäischer Ebene ausgeglichen werden kann, und der operativen Lagerung, die zumindest für die kurzfristig benötigten Bedarfsmengen ausreichen muss. Hier sieht das GPL denn auch einen gewissen Handlungsbedarf, zumal der Betrieb von bestehenden Lagerungsmöglichkeiten nicht endlos weiter genehmigt werden kann. Ganz klar weist das GPL eigenes Verschulden zurück hinsichtlich des unzureichenden Kälteschutzes für Dieseltreibstoff. Dies hänge mit unterschiedlichen Vorschriften zwischen den Lieferländern zusammen, wo der Einfluss der luxemburgischen Abnehmer eher begrenzt sei.
Sehr kategorisch beklagt das GPL, dass die in Aussicht gestellten administrativen Vereinfachungen weiter auf sich warten ließen. Einerseits gehe es darum, dass die auf europäischer Ebene beschlossenen Richtlinien 1 zu 1 umgesetzt werden sollten und nicht zusätzliche Komplizierungen bringen. Andererseits seien die Genehmigungsprozeduren eindeutig zu lang und würden viele Investitionsvorhaben verzögern, wenn nicht gar vollends in Frage stellen. Das sei nicht im Interesse einer Volkswirtschaft, die einen wesentlichen Teil ihrer Steuereinnahmen dem Treibstoffverkauf verdankt.
Das GPL warnt weiter vor einer Harmonisierung der Besteuerungssätz e in Europa, die sehr leicht zum Nachteil von Luxemburg geraten und damit die verschiedenen Steuereinnahmen deutlich reduzieren könnte. In den letzten Monaten hat sich auch die Krise deutlicher gezeigt und einen Umsatzrückgang um 10% beim Diesel und bei den Shop-Artikeln erkennen lassen.
Bedauert wird auch, dass die geplanten Einschränkung der Verkaufseinrichtungen für Tabakprodukte, die von den Tankstellenbetreibern respektiert werden müssen, nicht den bestehenden räumlichen Gegebenheiten Rechnung tragen und deshalb nur schwer umsetzbar sein werden. Im Endeffekt, so die Hauptforderung des GPL, müsse sich das Land selbst die Möglichkeiten und Mittel geben, um den eigenen Ansprüchen gerecht werden zu können.


