LUXEMBURGCLAUDE KARGER

Wie das Netzwerk für Hochgeschwindigkeitszüge in Europa bis 2020 aussehen soll

Ein „Bermuda-Dreieck“. So bezeichnete Premier Xavier Bettel vor zwei Wochen bei einer gemeinsamen Kabinettssitzung der luxemburgischen und saarländischen Regierungen in Saarbrücken die Großregion in punkto Hochgeschwindigkeitsbahntransport. Tatsächlich liegt die Region ziemlich abseits der TGV- und ICE-Strecken. Auch wenn seit 2007 eine regelmäßige und erfolgreiche TGV-Verbindung zwischen Luxemburg und Paris besteht und die Strecke Paris-Frankfurt über Saarbrücken läuft.

Bald eine ICE-Anbindung Luxemburg-Saarbrücken?

Ab 2016 will die französische Bahngesellschaft allerdings einen ihrer täglichen Hochgeschwindigkeitszüge über Strassburg statt über Saarbrücken laufen lassen. Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) will diesen „Ausfall“ durch einen ICE nach Paris auffangen und bearbeitet derzeit die Deutsche Bahn, das Projekt einer Anbindung dieses Hochgeschwindigkeitszugs an Luxemburg voran zu treiben. Auf dem Weg nach Paris könnte die DB nämlich hier noch eine Reihe weiterer Passagiere aufnehmen, die Rentabilität der Strecke würde steigen und somit ihre Legitimation. Gleichsam würde für Passagiere aus dem Großherzogtum die Anbindung an das deutsche ICE-Netzwerk leichter.

32.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecken bis 2030

Für die Europakapitale und den internationalen Finanzplatz Luxemburg ist die Anbindung an die Hochgeschwindigkeitstrassen in Europa von erheblicher Bedeutung und sie wird es in Zukunft noch viel mehr sein. Denn die Netze befinden sich kontinuierlich im Ausbau - Anfang der 1990er waren es um die 1.000 Kilometer, vor fünf Jahren erreichten sie eine Länge von insgesamt 6.214 Kilometern.

Laut einer Studie der EU-Kommission soll sich das Netz für Geschwindigkeiten über 250 km/h bis 2030 fast vervierfachen. Der europäischen Statistikbehörde Eurostat zufolge machte „High-speed rail“ im Jahr 2000 15,9% des gesamten Eisenbahntransports aus; 2011 waren es bereits 27,1%. Legten die Züge zur Jahrtausendwende 58,8 Milliarden Kilometer zurück, waren es 2011 bereits 110,35 Milliarden.

Die technisch immer ausgereifteren Hochgeschwindigkeitszüge werden demnach mehr und mehr zu einer Alternative zum Straßen- und Flugtransport werden lässt. Nach Berechnungen der EU-Kommission dauert eine Non-Stop Reise über 400 Kilometer mit einem TGV zum Beispiel heute bereits eine Stunde weniger als mit dem Flugzeug über die gleiche Distanz.

Alternative zu Straße und Flugzeug

Zwar dauert der Flug zwischen Luxemburg und Paris nur eine knappe Stunde, aber rechnet man die Zeit bei Check-In und Sicherheitsschleusen dazu sowie den Transport vom Flughafen ins Zentrum der französischen Hauptstadt, braucht man im besten Fall die doppelte Zeit. Der TGV Luxemburg-Paris packt es in knapp über zwei Stunden - zudem ist die Reise günstiger und das Transportmittel umweltfreundlicher. Seit vielen Jahren werden überall in Europa ähnliche Rechnungen aufgemacht, werden Strecken und Technologien für Hochgeschwindigkeitszüge ständig weiterentwickelt. Während die EU-Kommission voll hinter dem Ausbau steht, hat sich 2007 mit Railteam eine Allianz europäischer Eisenbahnverkehrsunternehmen für die Förderung des Hochgeschwindigkeitsbahnverkehrs gegründet.

Zu den Prioritäten gehören nicht nur der Aus- und Neubau von Strecken, sondern auch ihre Vernetzung und die Einrichtung einheitlicher, kundenfreundlicher Buchungssysteme und einheitlicher Service- und Qualitätsstandards. Wie das Netz zusammen wächst, ist auf den unteren Karten ersichtlich. Wirklich effizient wird es freilich erst, wenn es sich mit den anderen Transportmöglichkeiten optimal ergänzt.


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