BETTEMBURG
PATRICK VERSALL

Das Kaleidoskop-Theater geht mit drei Neuinszenierungen in die Spielzeit 2014/15

Vier Kurzlesungen, viermal fast volles Haus: Die Mini-Aufführungen auf dem Theaterfest des vom Dramatiker und Schauspieler Jean-Paul Maes gegründeten Kaleidoskop-Theaters erwiesen sich in diesem Jahr als richtige Publikumsmagneten. Vieles, allen voran die Qualität der für diese Saison zurückbehaltenen Stücke spricht dafür, dass sich der Zuschaueransturm während der neuen Spielzeit fortsetzen wird. Das Theater hat sich dank seiner ausgezeichneten Eigeninszenierungen in den vergangenen zwei Jahren einen festen Platz auf der luxemburgischen Theaterkarte erspielt, sodass immer mehr Theaterfans den Weg in eine Kaleidoskop-Vorstellung finden. Mit dem Bettemburger Schloss scheint die „Association pour la Promotion du Théâtre Contemporain“ (APTC), jene Vereinigung, die sich hinter der Marke „Kaleidoskop-Theater“ versteckt , nun auch eine feste Bleibe gefunden zu haben.

„Aussätzige“

Vier Produktionen stehen auf dem Spielplan; August Strindbergs „Totentanz“, das letzte Überbleibsel der vergangenen Spielzeit, wird am 9. Oktober zur Saisoneröffnung aufgeführt. Das Leitthema der neuen Saison lautet „Chance und Veränderung“: Im Mittelpunkt der Inszenierungen stehen Figuren, an denen ein kollektiver Veränderungsprozess scheinbar vorbeiläuft: Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen inmitten einer Gesellschaft stranden, zu der sie nicht mehr oder noch nicht gehören. Wie etwa Alain und Sergej, zwei Protagonisten aus „De Rousegaart“, eine Komödie aus der Feder von Kaleidoskop-Leiter Jean- Paul
Maes. Während der psychisch kranke Alain in seiner Scheinwelt dahinvegetiert und sich außerhalb seiner imaginären Lebensblase die Welt weiter dreht, versucht der Tschuktsche Sergej gesellschaftlich Fuß in einem mitteleuropäischen Land zu fassen, bleibt aber, trotz intensiver Bemühungen, immer der hässliche Fremde, der Schmarotzer, der sich in ein frisch bezogenes Wohlstandsbett legen möchte. Die Chance auf einen Neuanfang schein ihm verwehrt zu bleiben.

Nachwuchsmimen sind willkommen

Wie ein Fremder fühlt sich auch der Hauptprotagonist in Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“, das erste und einzige Theaterstück, das der im Alter von 26 Jahren verstorbene deutsche Lyriker und Dramatiker publiziert hat. Ein junger Soldat kehrt von der Front in seine Heimat zurück und findet eine Gesellschaft vor, die ihn nicht mit offenen Armen empfängt. „Ein tragisches Stück, für dessen Inszenierung wir uns aber kabarettistischer Mittel bedienen werden“, verrät Jean-Paul Maes. Die Hauptrolle hat Regisseur Jean-Paul Maes an den jungen luxemburgischen Nachwuchsschauspieler Timo Wagner vergeben, der bereits in der Kaleidoskop-Inszenierung „Vollmondbetrachtungen“ zu sehen war. Sein Theater wird auch weiterhin jungen Darstellern eine Bühne bieten, unterstreicht der Autor.

Und auch Dramen bei luxemburgischen Autoren in Auftrag geben: Roger Seimetz hat für das Kaleidoskop das Drama „Dräi Faarwen“ verfasst: In seinem Auftragsstück blickt Seimetz durch die Augen einer Hundertjährigen auf eine Hand voll Ereignisse zurück, die die gesellschaftliche Entwicklung Luxemburgs im 20. Jahrhundert entscheidend geprägt haben. „Ich liefere einen sozialen, kulturellen und politischen Überblick über das 20. Jahrhundert“, resümiert Seimetz seine Auftragsarbeit.