LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Luxemburg schneidet im PISA-Test besser ab, bleibt aber unter dem OECD-Durchschnitt

Die Ergebnisse der ersten PISA-Studie hatten das Großherzogtum erschüttert: Drittletzter Platz in allen Leistungsbereichen. In den Nachfolgejahren verbesserten sich unsere Schüler zwar, sind aber noch immer vom OECD-Durchschnitt entfernt. 2012 haben insgesamt 510.000 Schüler aus 65 Ländern am PISA-Test teilgenommen. In Luxemburg wurde der Bildungsstand von 5.258 15-Jährigen aus 42 Schulen geprüft. Auf dem Programm: Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften.

Mathematik: Knapp unter Durchschnitt

Im Bereich Mathematik erzielte Luxemburg 490 Punkte und liegt damit knapp unter dem OECD-Durchschnitt (494 P.). An die Spitze der OECD-Länder hat es die Schweiz (531 P.) geschafft, derweil Bulgarien den letzten Platz belegt. Insgesamt betrachtet haben die asiatischen Länder hier deutlich die Nase vorne. Shanghai holt mit 613 Punkten die unangefochtene Goldmedaille (genau wie auch in den anderen beiden Kernkompetenzen).

Deutlichere Unterschiede

Zehn Punkte Unterschied trennen Luxemburg in den Naturwissenschaften vom OECD-Durchschnitt (501 P.). An erster Stelle der OECD-Länder liegt Finnland (545 P.), an letzter Stelle Zypern. Was die Lesekompetenzen anbelangt, so haben Luxemburgs Schüler die deutlichsten Fortschritte gemacht: 472 Punkte waren es bei der letzten PISA-Studie 2009, 488 im Jahr 2012. Trotzdem liegt das Großherzogtum auch hier unter dem OECD-Durchschnitt (496 P.).

Jungs besser in Mathematik,Mädchen punkten beim Lesen

Jungen und Mädchen haben unterschiedliche Stärken, das hat auch diese PISA-Studie wieder verdeutlicht. Besonders markant sind die Unterschiede im Bereich Mathematik, wo die Jungen viel besser abgeschnitten haben (OECD-Durchschnitt: + 11 Punkte, Luxemburg: +25 Punkte), und bei den Lesekompetenzen, wo die Mädchen mehr Punkte erzielt haben (OECD-Durchschnitt: + 38 P., Luxemburg: +30 P.). Im Leistungsbereich Naturwissenschaften besteht im OECD-Durchschnitt mit einem Punkt zugunsten der Jungs nur ein minimaler Unterschied, derweil dieser in Luxemburg 15 Punkte beträgt.

Luxemburgisches Schulsystem anpassen

Soziale Disparitäten mit Auswirkungen auf die schulische Leistung sind in Luxemburg wiederum prägnant. Stark hängt dies mit dem Migrationshintergrund der jeweiligen Schüler - immerhin 43 Prozent in Luxemburg - zusammen. Nur 15% der portugiesisch stämmigen Schüler besuchen beispielsweise den klassischen Sekundarschulunterricht (ES). Fast 40% der 15-Jährigen haben hierzulande einen schulischen Rückstand, demnach bereits ein Schuljahr oder sogar mehrere Klassen wiederholt. Die zunehmend heterogene Schülerbevölkerung stelle eine immer größere Herausforderung dar, weshalb das Schulsystem unbedingt überdacht werden müsse, so das Fazit von Prof. Dr. Romain Martin (Empfehlungen siehe Kasten).

Unterrichtsministerin Mady Delvaux-Stehres freute sich indes über die Tatsache, dass sich die Abstände zum OECD-Durchschnitt deutlich verringert haben. „Es besteht Hoffnung“, so eine zuversichtliche Noch-Ministerin, die sich in den Ansätzen, die sie in Sachen „Lycéesreform“ mit auf den Weg gegeben hat, bestätigt sieht. Der heterogenen Schülerschaft könne man u.a. durch ein heterogeneres Lehrerkollegium begegnen. Erste Schritte dafür habe sie bereits in die Wege geleitet. Im Januar 2014 nehmen die ersten Mathematiklehrer, die nicht wie sonst erforderlich die drei offiziellen Landessprachen beherrschen, ihre
Stage-Zeit in Angriff.