LUXEMBURG
JAQUELINE KIMMER

Die Verkehrsteilnehmer sind künftig gleichberechtigt

Premiere in Bartringen: Im Beisein von Infrastrukturminister François Bausch hat die Gemeinde Bartringen am Freitagnachmittag die erste „Shared Space“-Zone im Großherzogtum eingeweiht. 

Ampeln, Verkehrsschilder und Fußgängerüberwege findet man heute im Ortszentrum von Bartringen nicht mehr: Rund um das Rathaus und die Kirche wurde ein 200 Meter langer „Shared Space“ geschaffen, in dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind.

Die Menschen – Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger -, sollen sich zuvorkommend und im Respekt begegnen. Bis das Vorhaben „Shared Space“ in Bartringen umgesetzt werden konnte, mussten die Gemeindeverantwortlichen „viel Überzeugungsarbeit leisten“, wie Bürgermeister Frank Colabianchi zu berichten weiß.

Stand auch die Entscheidung einer Verkehrsberuhigung im Ortskern von Bartringen bereits seit langen fest, wurde die definitive Option für eine Lösung „Shared Space“ erst 2008, nach einer zusammen mit den Verantwortlichen der „Sécurité Routière“ durchgeführten Ortsbesichtigung im niederländischen Drachten festgehalten.

Von dem Konzept überzeug, hat der damalige Schöffenrat von Bartringen Kontakt mit den verschiedenen Ministerien und der Straßenbauverwaltung aufgenommen, um das Projekt durchzuziehen. Studien wurden erstellt, die den Bürgern der Gemeinde 2009 in einer öffentlichen Informationsversammlungen präsentiert wurden. 2009 und 2010 wurden Work-Shops organisiert, um die Bartringer Bürger von Anfang an in das Projekt mit einzubinden.

Zahl der Verkehrsunfälle um 30 Prozent gesunken

Der Präsident der in Bartringen ansässigen „Sécurité Routière“, Paul Hammelmann, weist darauf hin, dass nach der Einführung des Konzeptes „Shared Space“ in Drachten (NL), „die Zahl der Verkehrsunfälle um 30 Prozent in einem Jahr gesunken ist“.

In Drachten wurde bewusst auf Fahrbahnmarkierungen und Verkehrsschilder verzichtet, um, wie Hammelmann erklärt, „eine Unsicherheit bei den Autofahren hervorzurufen, die uns mehr Sicherheit im Straßenverkehr bringt, da die Autofahrer sich bei den vorgeschriebenen 20 Stundenkilometern auf den Verkehr konzentrieren“.

Im Mittelpunkt des „Shared Space“-Konzeptes stehe der Mensch, erklärt Bürgermeister Frank Colabianchi. Seiner Meinung nach „nehmen die Menschen mit dem neuen Konzept mehr Rücksicht aufeinander. Darüber hinaus wird die Zone das gesellschaftliche Leben fördern“.

In Bartringen sahen die einzelnen Phasen der „Shared Space“-Baustelle eine Vergrößerung des Parkplatzes hinter dem Polizeigebäude vor. Im Ortskern wurde ein Park mit Spielplatz geschaffen und die Renaturierung des Petruss-Baches wurde vorgenommen. Die Kosten betrugen neun Millionen Euro für den gesamten Umbau des Ortszentrums, fünf Millionen Euro davon fielen auf den „Shared Space“-Bereich.

Nach der Übergabe des Straßennetzes an die Gemeinde durch den zuständigen Minister im Jahr 2012 konnte das Projekt endlich verwirklicht werden. Der öffentliche Raum wurde bedeutend vergrößert, der Platz „beim Schlass“ wurde ins Projekt integriert und im Sinne der „Shared Space“-Philosophie umgebaut (Baum- und Sitzplatz-Inseln wurden eingerichtet).