PATRICK WELTER

Mit der Demokratie ist das so eine Sache - für den einen Mob und Straße (um Väterchen Vladimir zu zitieren), für andere „Volksherrschaft“ im positivsten Sinne. Demokratie? Ein erstrebenswertes Recht, ein heiliges Gut oder eine Selbstverständlichkeit, die vielen Leuten im saturierten Westen am Ar… vorbei geht? Leider auch ein trojanisches Vehikel für diejenigen, die mit „Volksherrschaft“nichts anfangen wollen.

Vor drei Jahren haben (fast) alle gejubelt, als der arabische Frühling losbrach und das zaghafte Pflänzchen der Demokratie auch am Nordrand der Sahara zu wachsen begann. Allen voran in Ägypten. Und was passiert? Die Mehrheit wählt die rückwärts gewandten Muslimbrüder, die im Parlament lieber über Koranauslegung als über konkrete Politik diskutierten. Das Militär machte dem Trauerspiel ein Ende - mit einem „Putsch“- so die Formulierung derjenigen, die schon immer gegen alles Militärische waren. Mit Ausnahme dessen was Genosse Putin so treibt, der ja nach Auffassung von Altlinken in der Ukraine, in Transnistrien oder in Abchasien „berechtigte Interessen“ hat. Großes Wehklagen in westlichen Medien, wenn es - symbolische - Todesurteile gegen Moslembrüder gibt. Deren Jagd auf die Anderen wird dann gerne vergessen.

Dass die Ägypter in ihrer großen Mehrheit froh sind, dass sie den islamistischen Albtraum los sind, kratzt unsere Salonstrategen nicht. Es ist gewöhnungsbedürftig, wenn die öffentliche Meinung ungeniert nach einem „Starken Mann“ ruft.

Am Rande sei daran erinnert, dass unser Lieblings-islamist Recep Erdogan sein wahres Gesicht erst zeigte, als er die Armeeführung entmachtete und ins Loch steckte. Warum? Weil die türkische Armee den verfassungsmäßigen (!) Auftrag hat, den laizistischen Charakter der Türkei zu bewahren. Schlecht zu machen ohne Generalstab.

Wenn der Bürgerkrieg tobt, geht der Normalo unter oder er packt sein Bündel. Fanatiker und Kämpfer, die nichts zu verlieren haben, sind da zäher. Groß war der Jubel, als sich die syrische Bevölkerung gegen Baschar Al Assad erhob, die Tage des Diktators seien gezählt - Denkste! Das normale Volk ist auf der Flucht und die laizistische Opposition auf null. Den syrischen Bürgerkrieg bestreiten nur noch die Schlächter des Diktators und religiöse Fanatiker. Dort ist die Demokratie noch vor der Ausbildung ihres Embryos gestorben. Wunderbare Aussichten.

Das Problem mit der Demokratie in unserem Sinne ist, dass sie eigentlich nur mit aufgeklärten Bürgern funktionieren kann. Hört sich elitär an, ist aber so. In Nordafrika haben die islamistischen Märchenerzähler die echten Demokraten ausgetrickst und sich an die Macht gepokert. Selbst in Libyen, das eigentlich von allem religiösen Geschwafel die Schnauze voll haben sollte, sind die Islamisten bis weit nach oben gekommen. In diesen Tagen haben die Truppen von Chalifa Haftar, vom Ausland nur wenig registriert, begonnen zusammen mit anderen Milizen militärisch gegen die Anhänger des Propheten vorzugehen. Hoffentlich noch rechtzeitig. Es gehört nicht zu den beruhigenden Vorstellungen, dass am südlichen Rand des Mittelmeeres die Hand-ab-Scharia zur juristischen Regel werden könnte.