RODANGE
SVEN WOHL

Ein Blick hinter die Kulissen des Filmdrehs zu „Prejudice“

Filme leben von ihren Figuren. Dies gilt auf mehreren Ebenen: Sowohl die Figur innerhalb der erzählten Geschichte als auch die Schauspieler können damit gemeint sein. Oft vergessen wird, dass das Set seine eigene Figur darstellen kann und eine dominante Rolle einnimmt, wenn sich die Macher dessen bewusst sind. Beim Blick hinter die Kulissen des Filmdrehs von „Prejudice“ fällt sofort auf, dass das Dekor schon fast die Hauptrolle übernimmt.

Unnachahmbarer Charakter

Umgeben von einer schier gigantischen Grünfläche und hinter dicht gewachsenen, imposanten Baumreihen verbirgt sich der Hauptdarsteller von „Prejudice“. Das für mehrere Monate angemietete Haus liegt in Rodange in nächster Nähe des Bahnhofs. Regelmäßig passierende Züge sind dabei der einzige Nachteil, den das Haus als Set mit sich bringt. Die Produzenten betonten immer wieder: In einem Studio wäre diese einzigartige Kulisse nicht nachzubauen, vor allem dann, wenn die Handlung verlangt, dass Figuren nahtlos von außen nach innen innerhalb einer Szene gehen müssen.

Insgesamt 35 Tage wird in dem Haus eine einzigartige Familiengeschichte voller Konflikte und Emotionen abgedreht. Morgen soll die letzte Szene fertiggestellt sein, in den Kinos kann man den Film dann im Frühjahr 2015 sehen. Das realistische Thema des Filmes kann nicht verhindern, dass die Kulissen, die eigens für den Film in den Räumen des Gebäudes Platz finden, vor Details strotzen. Tatsächlich wird man durch die plastische Detailverliebtheit geradezu erschlagen: Die einzelnen Zimmer der jeweiligen Familienmitglieder spiegeln deren Träume wieder, sind sozusagen die veräußerlichte Darstellung der emotionalen Realität der jeweiligen Figur.

Bittere Sehnsucht

Dies ist auch der Fall bei Cédric, der in vielerlei Hinsicht die Initialzündung des Plots darstellt. Mit seinen 32 Jahren lebt er immer noch bei seinen Eltern und hat einen für ihn alles beherrschenden Traum: Eine Reise nach Österreich, auf die er sich seit langem vorbereitet. Bei einem Familienessen, bei dem eigentlich die Schwangerschaft der eigenen Schwester im Zentrum stehen sollte, wird er zum Gesprächsthema, wobei sich alte Ressentiments schnell zu Wut und gar Hass entwickeln. Dabei versucht Cédric, die Vorurteile seiner eigenen Familie offen zu legen.

Hinter der Produktion stehen gleich drei Firmen: Dem belgischen Wrong Men North, CTM Pictures aus den Niederlanden sowie das luxemburgische Lucil Film. Es handelt sich dabei also im wahrsten Sinne des Wortes um eine BeNeLux-Produktion, bei der Luxemburg als Drehort aufgrund der hohen Qualität der Szenerie gewählt wurde. Die Schauspieler zog dabei vor allem die starke Geschichte an, auch wenn sie sich alle einig waren, dass die relative Abgelegenheit von Rodange dazu beiträgt, eine familiäre Atmosphäre zwischen den Schauspielern herzustellen. Perfekte Bedingungen also für den Dreh einer tiefgreifenden Familiengeschichte.