LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Nach tödlichem Motorradunfall: Drei Monate auf Bewährung gefordert

Am Montag ging es vor dem hauptstädtischen Gericht um einen tödlichen Motorradunfall, der sich am 4. März 2013 in Niederkerschen ereignete. Damals war ein 31-jähriger Mann gegen 19.00 mit seinem Motorrad in ein Auto gerannt und kam beim Unfall ums Leben.

Dem heute 50-jährigen Angeklagten M. R. wird vorgeworfen, nicht vorsichtig genug gewesen zu sein. Der Autofahrer teilt diese Meinung nicht: Er wollte eine Kehrtwendung machen, habe in den Rückspiegel geschaut, aber nichts gesehen. Beim Wenden seines Wagens hätte es plötzlich furchtbar geknallt. Der Fahrer war der Meinung, an dieser Stelle kehrtmachen zu können, um in Richtung Stadt Luxemburg zu fahren.

Motorradfahrer zu schnell unterwegs

Im Zeugenstand hat der Angeklagte den Tod des Motorradfahrers bedauert. Doch sei der Motorradfahrer viel zu schnell gefahren, gab der Angeklagte zu Protokoll. Ein Experte erklärte, dass es gefährlich sei, an dieser Stelle mit dem Wagen zu drehen. Außerdem sei die Sicht des Fahrers begrenzt gewesen, weil ein Kleintransporter jene beim Manöver behindert hätte. Laut Experten habe sich die Sichtweite des Autofahrers auf 26 Meter beschränkt.

Das Motorrad sei ins Rutschen gekommen, ehe es zur Kollision kam. Laut Experte habe das Opfer wahrscheinlich stark abgebremst, weil er die Gefahr erkannt hatte. Das erklärt auch, warum das Opfer nachher unter dem Motorrad lag. Die Geschwindigkeit des Motorrads berechnete der Experte zwischen 52 und 72 km/h, das Auto sei mit einer Geschwindigkeit zwischen fünf und 15 Kilometern in der Stunde unterwegs gewesen.

Richterin erstaunt

Ein Polizist gab zu Protokoll, dass der Motorradfahrer auf der Stelle tot war. Der Autofahrer habe einen starken Schock erlitten. Er habe eine Kehrtwendung machen wollen und den Motorradfahrer nicht gesehen. Außerdem sei es nicht verboten, an dieser Stelle mit dem Wagen zu wenden. Dass an der Unfallstelle keine weiteren Zeugen von der Polizei gehört wurden, hatte die vorsitzende Richterin Sylvie Conter, Staatsanwalt Herrmann, Rechtsanwalt Sturm und die Zivilklägerin allerdings in Staunen versetzt.

Ein Zeuge, der selber Motorrad fährt, gab zu Protokoll, das Unfallopfer sei eher zu schnell gefahren und habe vor dem Aufprall nicht gebremst. Rechtsanwalt Sturm war der Meinung, das Manöver seines Mandanten sei fast abgeschlossen und deshalb nicht gefährlich gewesen. Der Motorradfahrer sei hingegen wohl zu schnell gefahren und habe sich nicht an den „Code de la route“ gehalten. Sein Mandant solle deshalb freigesprochen werden, sagte Me Sturm. Für den Anklagevertreter, Substitut Herrmann, sei der Angeklagte aber unvorsichtig gewesen und damit am meisten verantwortlich für den Unfall. Substitut Herrmann gefordert deshalb eine Gefängnisstrafe von drei Monaten auf Bewährung, eine angemessene Geldstrafe und ein Fahrverbot von dreißig Monaten, welches zur Hälfte auf Bewährung ausgesetzt werden könnte.

Die Nebenklägerin beantragte einen Schadenersatz von 200.000 Euro für die vier Familienmitglieder des Opfers. Das Urteil wird am 3. Dezember gesprochen.