LUXEMBURG
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Es kracht im Gebälk der CSV Norden - Die Kandidatenliste sorgt für reichlich Zoff

Die einen suchen verzweifelt, die anderen haben die Qual der Wahl. Das Gerangel um die Listenplätze unter dem gegebenen Zeitdruck stellt besonders für die CSV und ihren inneren Zusammenhalt eine Nagelprobe dar. Im Norden wurde jetzt schon viel Porzellan zerschlagen - die Stimmung im Bezirk ist auf dem Nullpunkt.

Die Geschichte einer Liste

Auf die neun Plätze der Nord-Liste waren selbstverständlich die fünf Minister und Abgeordneten von vornherein gesetzt: Martine Hansen und Marco Schank sowie die Député-Maires Aly Kaes, Jean-Paul Schaaf und Emile Eicher. Bei Lucien Weiler war dagegen schon länger bekannt, dass er sich nicht mehr stellt. So blieben noch zwei Plätze, die das Bezirkskomitee Norden vergangene Woche aus den 22 Kandidaturen, die vorlagen wählen konnte. Über die zwei restlichen Plätze entscheidet traditionell das „Comité des sages“ der CSV. Das hat sich offensichtlich für den Sohn von Lucien Weiler, Charel sowie den RTL-Reporter Frank Kuffer entschieden.

Coup Nummer eins: Bei der Wahl im Bezirkskomitee wurde die Kandidatur der aus Wiltz stammenden Christine Lutgen, Direktorin des Naturparks Obersauer nahegelegt, die dann auch prompt gewählt wurde. Daneben erhielt Christophe Hansen, der junge Mitarbeiter der Europa-Abgeordneten Astrid Lulling die meisten Stimmen. Bezirkspräsident Charel Pauly wurde nicht zurückbehalten und verließ in recht aufgelöstem Zustand die Sitzung.

Coup Nummer zwei: Geplant war eigentlich, dass Lucien Weiler sein Abgeordnetenmandat abgibt und dann Edmée Feith-Juncker ins Parlament nachrückt. Zeit bleibt dafür aber nun keine mehr und ein viertes Mal wollte man die Ettelbrücker Schöffin und Tochter des langjährigen Bürgermeisters nicht mehr mitnehmen. Aufgelöster Zustand II.

Interne Frauenquote nicht erreicht

Coup Nummer drei: Die Präsidentin der christlich-sozialen Frauen des Nordens, Sonja Soares Pereira-Kettmann wurde nicht auf die Liste gesetzt, obwohl sie mehrheitliche Wunschkandidatin des Bezirkskomitees war. Für die Kantone Redingen und Rambrouch soll stattdessen nun dem „Weisenrat“ nach Frank Kuffer antreten. Damit erreicht die CSV im Norden ihre intern festgelegte Frauenquote von einem Drittel nicht. Wie glaubwürdig ist das denn?

Coup Nummer vier: Drei der vier Kandidaten, die überhaupt noch bestimmt werden konnten, sind bislang nicht durch fleißige Parteiarbeit aufgefallen. Das kommt bei den aktiven „Parteisoldaten“ ganz schlecht an.

Wünsche des Bezirkskomiteesschlicht ignoriert

Coup Nummer fünf: Fait accompli - das Bezirkskomitee Norden sollte noch über die Beschlüsse des Weisenrats informiert werden. Die für Montag anberaumte Sitzung des Komitees, um die Liste definitiv abzusegnen wurde allerdings kurzfristig abgesagt und so erfuhren die Komiteemitglieder aus den Medien von Weiler und Kuffer. Eine Kandidatur von Frank Kuffer war aber nie diskutiert worden, denn es lag dem Komitee gar keine vor und für den Raum Diekirch waren noch andere Namen im Gespräch.

Die Wut ist groß, dass die Wünsche des Bezirkskomitees ignoriert wurden, dass man nun vor dem Wahlkongress am Samstag keine Möglichkeit mehr bekommt, die Liste zu diskutieren und man drohte mit dem Boykott der Liste. Von Vetternwirtschaft und Verstoß gegen Prinzipien und Statuten ist die Rede. Wahrlich kein guter Start.