OBERMARTELINGEN
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Politik und „Frënn vun der Lee a.s.b.l.“ bauen auf das Schiefergrubenareal Haut-Martelange

Die ersten Schiefergruben auf dem Gebiet des heutigen Großherzogtums waren noch kleine Familienbetriebe, die sich nach 1790 in der Gegend von Martelingen niederließen, um Schiefer unterirdisch abzubauen. In mühevoller Handarbeit wurde der Schiefer mit Hammer und Pickel aus dem Felsen gelöst und zu rund 70 Kilogramm schweren Blöcken geschnitten. Diese wurden dann auf dem Rücken über Leitern und Treppen an die Oberfläche befördert. „Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kaufte die deutsche Handelsfirma ‚Gebrüder Rothe‘ alle umliegenden kleinen Schiefergrubenbetriebe auf“, erzählt Patrick Sanavia, Direktor der Denkmalverwaltung, auf dem Schiefergrubenareal Haut-Martelange, anlässlich eines Ortstermin im Juli diesen Jahres. Zu dieser Zeit verfügte die deutsche Handelsfirma über ausreichend Kapital, um entsprechend in die Betriebe investieren zu können. Was zur Folge hatte, dass durch den Ankauf von Dampfmaschinen sowie der Anbindung des Schiefergrubenareals Haut-Martelange durch die Schmalspurbahn Jangeli an das öffentliche Schienennetz eine echte Industrie entstand, die es möglich machte, „die Produkte im Großen zu exportieren. Um 1900 waren bereits um die 600 Arbeiter in Haut-Martelange angestellt“, wie Sanavia berichtet.

1960 wurde aber dann der Zusammenbruch der Schieferindustrie in Luxemburg eingeläutet. Neue Materialien für die Dachdeckung sowie der Import von billigen ausländischen Schieferplatten stellten eine erhebliche Konkurrenz dar. Das Ende kam 1986, als die letzte luxemburgische Schiefergrube geschlossen werden musste. Doch das Erbe muss erhalten werden, da sind sich alle einig. Besonders engagieren sich hier die „Frënn vun der Lee a.s.b.l.“, die „Freunde des Schiefers“, mit Präsidentin Agnès Hoogenhout, die sich das Ziel gesetzt haben, „die Erinnerung an die Schieferindustrie in der Gegend von Martelingen sowie im gesamten Großherzogtum aufrecht zu erhalten“, wie Hoogenhout ausführt. Nicht zuletzt deshalb wurde am vergangenen 15. Juni im Ministerrat einem Projekt zugestimmt, der die Inbetriebnahme der unterirdischen Kammern der alten Schiefersteinbrüche von Haut-Martelange für didaktische, kulturelle und touristische Zwecke vorsieht - Kosten: rund 7,1 Millionen Euro.

Die Stätten seien ein fester Bestandteil des kollektiven Kulturerbes, wie es vonseiten des Kulturministeriums heißt. Zu diesem Zweck wurde vom Denkmalschutz ein Konzept zur Standortentwicklung erarbeitet. 

Weitere Infos auf www.tinyurl.com/Schiefermuseum

Weihnachtsmarkt vom 23. bis 25. November auf dem Areal der Schiefergrube