NIC. DICKEN

Die über Jahrzehnte hinweg anhaltenden Goldgräberzeiten am Finanzplatz Luxemburg scheinen wohl definitiv vorbei zu sein. Nicht, dass kein Geld mehr verdient würde in den 140 verbliebenen Kreditinstituten - zu den Glanzzeiten der 90er Jahre waren es mal deutlich über 200 gewesen -, aber es fließt eben nicht mehr so üppig, wie man es schon als selbstverständlich angesehen hatte. Zunehmender Druck auf die Zinsmargen, eine überquellende Liquidität im Markt, andererseits aber auch steigende Kreditrisiken aufgrund einer unvermindert anhaltenden Wirtschaftskrise, die unternehmerische Investitionen vielfach bedenklich erscheinen lässt, sind wesentliche Störfaktoren für eine Branche, die an schier ungebremstes Wachstum gewohnt war und derzeit deutlich kleinere Brötchen backen muss.

Spezifisch für den Finanzplatz Luxemburg ist außerdem die auf amerikanischen und europäischen Druck erfolgte schrittweise Lockerung eines früher absoluten Bankgeheimnisses, das nicht nur dem Neid finanzierungsbedürftiger Nachbarn, sondern wohl auch einem höheren Bedarf nach Transparenz und dem Kampf gegen die internationale Geldwäsche geopfert werden musste. Der bereits über einige Jahre hinweg feststellbare Abzug von Geldanlagen in luxemburgischen Instituten hat wohl noch keine wirklich gravierenden Probleme hinterlassen, der Trend dürfte jedoch vor allem bei kleineren Anlegern weiter anhalten und für zusätzlichen Substanzverlust sorgen, den es durch intelligente und innovative Schritte zu kompensieren gilt.

Die derzeitige Situation schafft aber auch neuen Druck auf der Kostenseite, den die Banken als gewinnorientierte Unternehmen nicht dauerhaft hinnehmen können. Visiert sind daher in erster Linie Einsparungen bei den Personalkosten, die sich zwar nach wie vor in Grenzen halten, die jedoch durchaus dramatischere Ausmaße annehmen könnten, wenn sich die Ertragslage mittelfristig nicht erholen kann.

Neben den Finanzinstituten selbst wird vor allem auch die Staatskasse in Mitleidenschaft gezogen, weil die Gewinne zum Teil drastisch eingebrochen sind und die erhöhte Risikolage neuen Bedarf an Rücklagen geschaffen hat. Diesem Phänomen mit einer höheren Besteuerung entgegen treten zu wollen, wie man es sich im vergangenen Jahr schon mal mit anderen Finanzgesellschaften erlaubt hatte, wäre mit Sicherheit ein falsches Signal und könnte verheerende Folgen haben für die weitere Entwicklung des Platzes. Selbstverständlich erscheint es naheliegend, angesichts der angespannten Haushaltslage schon mal an der Steuerschraube zu drehen, doch würde dies einen weiteren Anstieg der Kosten bewirken, der bestenfalls durch zusätzlichen Personalabbau, schlimmstenfalls aber durch neue Betriebsschließungen sanktioniert würde; ein echter Teufelskreis!

Plötzliche Kehrtwendungen, wie sie der zuständige Minister kürzlich vollzogen hat, sind, selbst wenn es gute Argumente dafür geben mag, Gift für einen nach wie vor lebenswichtigen Sektor, auf dessen Entwicklung Luxemburg auch in Zukunft angewiesen bleibt.