COLETTE MART

Die Luxemburger Presse widmete dieser Tage einem Tabuthema eine gewisse Aufmerksamkeit. Zwei Autoren, und zwar Christine Kirsch und Lukas Graf, beschäftigen sich sowohl in der Monatszeitschrift „Forum“ als auch im Rahmen eines Leserbriefes an die Presse mit dem Thema der unsicheren Karrieren junger Forscher in Luxemburg. Kirsch und Graf weisen in diesem Zusammenhang auf das Luxemburger Arbeitsrecht hin, das nur Fünfjahresverträge für Forscher erlaubt, wobei jedoch ebenfalls Zweijahresverträge häufig sind. Dies bedeutet, dass Luxemburg in hochqualifizierte Arbeitskräfte investiert, dass das erworbene Know How jedoch in der Regel nicht in die Luxemburger Wirtschaft zurückfließt, und die betroffenen Forscher schwierigen Karrieren und dem Risiko der Prekarität ausgesetzt sind. Letztere müssen sich nämlich nach Ablauf ihres Vertrages eine Forscherstelle in einem anderen Land suchen, oder aber sie müssen ein Jahr pausen, bevor sie erneut einen Vertrag bei uns bekommen können.

Bedenkt man das internationale Umfeld und die derzeitigen finanziellen Schwierigkeiten in vielen europäischen Ländern, muss sich Europa, und auch Luxemburg bewusst machen, dass es nicht genügt, lediglich Geld in die Forschung zu investieren und sich damit als zukunftsorientiert und wissenschaftsfreundlich darzustellen. Im Bereich Forschung müsste nämlich, genauso wie in anderen Arbeitsbereichen (schließlich vermarktet sich die Forschung mittlerweile als wirtschaftlicher Sektor), soziale Nachhaltigkeit einfließen; die Forschung ist ja nicht prinzipiell nur ein Selbstzweck, sondern soll im besten Falle der Gesellschaft zugutekommen. Die derzeitigen Arbeitsbeschränkungen für Forscher, aber auch die Tatsache, dass junge, hochqualifizierte Menschen aus zahlreichen Ländern der Welt bei uns nicht vernetzt sind, die Gesellschaft und andere Pisten des Arbeitsmarktes nicht kennen, führen dazu, dass die jungen Menschen dann doch abwandern oder aber prekäre Situationen akzeptieren müssen. Beides ist weder menschlich in Ordnung noch wirtschaftlich sinnvoll. Was hier fehlt ist, wie Kirsch und Graf es in ihrem Artikel formulierten, eine Abänderung des Arbeitsrechtes.

Eine bessere Vernetzung von Wirtschaft und Forschung, und ein Bewusstsein für soziale und menschliche Verantwortung wären darüber hinaus sinnvoll in einem Bereich, in dem junge Menschen nach Ablauf ihrer Verträge sich selbst überlassen sind, während die Wirtschaft immer wieder über einen Mangel an hochqualifizierten Arbeitskräften klagt. Auf der vor kurzem organisierten „Journée de l’Ingénieur“ wurde wie jedes Jahr auf unbesetzte Stellen im Ingenieurswesen hingewiesen, und hier stellt sich die Frage, wie viele junge Forscher im technischen Bereich vielleicht doch keine hochqualifizierte Arbeitsstelle gefunden haben, und wieder auswandern mussten, oder in Positionen arbeiten, in denen sie überqualifiziert sind.

Das System, nachdem die Forschung funktioniert, ist also weder menschlich noch wirtschaftlich nachhaltig. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, wenn die Politik, die Wirtschaft und die Universität glaubwürdig bleiben wollen in ihrem Anliegen, mithilfe der Forschung den gesellschaftlichen Fortschritt für alle Menschen abzusichern.

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