LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Umfrage: Für die Überzeugungen der Gewerkschaften gehen nur noch die wenigsten auf die Straße

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Genau eine Woche vor den Sozialwahlen stellte LCGB-Präsident Patrick Dury gestern die Ergebnisse einer Ende Oktober im Auftrag seiner Gewerkschaft von TNS Ilres durchgeführten Umfrage über die Missionen und die Rolle der Gewerkschaften vor. Befragt wurden insgesamt 538 in Luxemburg wohnhafte Arbeitnehmer, wobei die Angestellten des öffentlichen Diensts und die Grenzgänger (aus Kostengründen) aber ausgeklammert wurden.

Streiken ist out

Wie aus der Umfrage hervorgeht, sind 67% der Befragten gegen eine Einheitsgewerkschaft, wobei die OGBL-Militanten zu 39% für die Einheitsgewerkschaft sind (der OGBL tritt schon seit längerem für eine solche Gewerkschaft ein), die LCGB-Mitglieder zu 28% und die Aleba-Mitglieder zu 17%. Unter Luxemburgern scheint die Idee einer Einheitsgewerkschaft indes eher Zuspruch zu finden (33%) als bei den Ausländern (19%).

Des Weiteren ist der Umfrage zu entnehmen, dass immer weniger Leute bereit sind, für die Überzeugungen der Gewerkschaften auf die Straße zu gehen oder gar zu streiken. Verhandlungen sind der Umfrage zufolge einer harten Linie vorzuziehen. OGBL-Mitglieder scheinen indes weniger verhandlungsbereit als ihre Kollegen vom LCGB zu sein, treten doch 46% der OGBL-Militanten für eine harte Linie ein und nur 31% des LCGB. Dass Patrick Dury nun auf Kuschelkurs zum Patronat geht, dürfte dann aber trotzdem nicht zu erwarten sein. Unterstrichen wurde gestern derweil mehrmals die (neue) parteipolitische Unabhängigkeit des christlichen Gewerkschaftsbundes (der OGBL hatte im Vorfeld der Legislativwahlen dazu aufgerufen, die CSV nicht zu wählen), dessen Ex-Präsident, Ex-Generalsekretär und Ex-Zentralsekretär indes alle drei für die CSV im Parlament saßen, und im Fall von Marc Spautz (der kurzzeitig Regierungsluft schnuppern durfte) und Ali Kaes auch immer noch sitzen dürfen...