ECHTERNACH
CHRISTIAN SPIELMANN

Weltpremiere von „Oratorium 1815“ gestern Abend im Trifolion

Im „Iechternacher Kolléisch“ wurde 1998 das Musical „Oralabora“ komponiert und aufgeführt. Es folgten die Musicals „Pandora“ im Jahre 2004 und „Ultima Ora“ fünf Jahre später. Erneut haben sich die Verantwortlichen des „Kolléisch“ ein neues musikalisches Spektakel einfallen lassen, „Oratorium 1815“. Das Spektakel erzählt aus der Sicht der Echternacher Nachkommen von Jean-Henri Dondelinger (1753-1816), was der Wiener Kongress und das Neuzeichnen der Grenzen in Europa im Jahr 1815 für Luxemburg, und speziell die Menschen in und um Echternach brachte. Georges Urwald und Jean-Marie Kieffer komponierten die Musik, während Jean-Claude Degrell und Jeff Seyler, der ehemalige Sänger der Band „Fluyd“ die Liedtexte schrieben. Von Danielle Hoffelt stammt das Buch; sie führt auch Regie. Über 160 Musiker, Sänger und Schauspieler beteiligen sich ehrenamtlich am neuen Projekt. Als Dirigent fungiert Komponist Georges Urwald.

Historische Erläuterungen

Links von der Bühne stehen eine Kommode, ein Sofa und ein Tisch, die das Innere eines Hauses darstellen. 1848 wird die Geschichte der Grenzteilung in diesem Ambiente aus der Sicht der Kinder von Dondelinger erzählt. Jean-Henri junior (Sascha Hamzeh), und seine Schwestern Claire (Sandra Trienekens) und Marguerite (Isabel Sanchez Sanchez) berichten, wie die europäischen Ideen ihres Vaters auf Unverständnis bei der Echternacher Bevölkerung stießen. Der Umstand, dass er in der Grenzstadt an der Sauer eine Fabrik betreibt, löst alles andere als Begeisterungstürme bei den Abteistädtern aus. Die Erinnerungen der drei Dondelinger-Kinder werden des Weiteren mit jenen von Marie (Naema Sinner) vermischt, die Tochter des deutschen Publizisten Joseph Görres (1776-1848). Görres, der im „Rheinischen Merkur“ den allerersten Artikel über die Luxemburger Sprache verfasste, besuchte 1816 Echternach und begegnete damals Dondelinger. Diese historischen Ausführungen wirken sehr didaktisch und wiederholen sich zu oft. Mehrmals wiederholen sich auch die Anspielungen an die damaligen Visionen Dondelingers eines gemeinsamen Europas. Aus diesem Grunde ist es ratsam, sich 45 Minuten vor Beginn des Oratoriums im Echternacher Trifolion die historische Einführung von Historiker Marc Schoellen anzuhören.

Flotte Melodien

Vielleicht wäre es aber insgesamt ratsamer gewesen, die Geschichte des Vaters Dondelinger nachzuspielen, um so dem Medium Musical gerecht zu werden, denn die Musik des Duo Urwald und Kieffer hat viel Potenzial. So geht der musikalische Reigen vom Walzer über Marschmusik und weiter über rockige Balladen bis hin zu folkloristischen Tönen. Außerordentlich gut klingen „Hand op d’Häerz“, „Mamma Courage“, „Em Gottes Wëllen, Wëllem“. Die Highlights des Abends sind „Eng Noriicht geet op d’Rees“ und „Mir hunn e Kongress“. Letztendlich ergänzen die Lieder die historischen Szenen und werden oft von den Solosängern mitgesungen. „Oratorium 1815“ ist kein echtes Musical, sondern vielmehr ein wirklich sehens- und hörenswertes historisches Spektakel mit sehr guter Musik.
Weitere Vorstellungen sind heute um 20.00

und morgen um 16.00 im großen Saal des Trifolions.

Zusätzliche Informationen und Tickets unter

www.lce.lu und www.trifolion.lu.