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MARCO MENG

vyzVoice hat eine einfache Mission: Big Data bereitstellen für nachhaltige Entwicklung

Zur Analyse von Netzwerkprotokollen beim Austausch von Daten zwischen Computern 2009 gegründet, wurde die Firma 2012 in „vyzVoice SA“ umfirmiert.

Der studierte Elektrotechniker Louis Lang, Business Development Director des Unternehmens, erklärt, worum es geht. Beruflich lange in Köln beheimatet beriet er in Fragen der Nachhaltigkeit zahlreiche Unternehmen, vom kleinen Betrieb bis zum Dax-Konzern. Dann rekrutierte ihn vyzVoice. „Um Verbesserungen zu erzielen, braucht man Zahlen. Da hilft vyzVoice“, sagt Lang.

Was bedeutet der exotische Name?

Louis Lang Unser Unternehmen stellt dem Kunden eine cloudbasierte Plattform zur Verfügung, die alle möglichen Informationen sammelt und in Echtzeit visualisiert, daher das „vyz“ im Namen. In der Praxis sieht das so aus: Stellen Sie sich ein modernes Gebäude vor, das eine Unzahl von Sensoren und Techniken hat, vom elektrischen Rollladen bis zur Heizung und zur Alarmanlage. Alle diese Systeme sind voneinander entkoppelt und kommunizieren auch nicht miteinander. Für die Wartung beispielsweise ist es da schwierig, sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen. vyzVoice kann unabhängig von den bestehenden Systemen sämtliche Daten, die in einem Gebäude generiert werden, importieren und sie auf einer einzigen Plattform darstellen. Das hat den Vorteil, dass die Informationen übersichtlicher sind, zum anderen kann man dadurch Analysen machen, die man ansonsten bei den separaten Einzelinformationen schwerlich machen kann. Das Ganze kann man auch so nutzen, dass man sagt, wenn dieser Wert so und jener so ist, möchte ich per SMS oder Mail benachrichtigt werden. Bei einem Smart-Building, das bis zu 10.000 Datenpunkte hat, vom Stromverbrauch in bestimmten Räumen bis zur Luftfeuchtigkeit oder -qualität, wird es interessant, diese Daten für sich zu verwerten und ihnen eine Stimme zu geben: Hiervon rührt das „Voice“. Man kann nun zum Beispiel Analysen machen, wie häufig Leute krank sind zum Verhältnis der Luftqualität. Im Endeffekt ist unsere Plattform eine Lösung, die nicht nur ökonomische Vorteile, sondern darüber hinaus auch sozialen und ökologischen Mehrwert bietet.
Ein Unternehmen spart keinen Strom, damit es umweltfreundlicher ist?

Lang Genau, sondern in erster Linie, um Kosten einzusparen. Nachhaltigkeit hat nichts mit Gutmenschentum zu tun, sondern bedeutet, nachhaltig ohne auf Kosten anderer wichtiger Faktoren zu wirtschaften, um langfristig bestehen zu können. „Nachhaltigkeit“ stammt aus der Forstwirtschaft des 17./18. Jahrhunderts und bedeutete damals soviel wie ein Gleichgewicht zwischen Aufforstung und Abholzung herzustellen. Leider ist das Wort, auch wenn man es jetzt schon fast inflationär hört, noch immer oft nicht viel mehr als nur ein Marketingbegriff. Langfristig wird Nachhaltigkeit aber wieder die Bedeutung erlangen, die es ursprünglich mal hatte, wenn Marketing sich nicht mehr darum kümmert. Was vyzVoice allerdings bietet, ist nicht allein auf Nachhaltigkeit beschränkt, sondern wir bieten auch Firmen, die einzig auf die Unternehmenszahlen schauen, Vorteile. Ein Unternehmen muss natürlich in erster Linie gegenüber dem Wettbewerb bestehen, wobei unsere Plattform vor allem für Firmen interessant ist, genauso aber auch für Kommunen und auch den Staat. Unser Zielmarkt ist nicht Luxemburg, das als Standort für Startups wie unseres ideal ist, sondern Europa und die ganze Welt, obwohl wir uns auch gerade in Luxemburg positionieren und hier unsere Expertise zeigen wollen. Die letzte Version der Plattform ist 2015 online gegangen. In Luxemburg haben wir mehrere Pilotprojekte, andere im Ausland, und bauen das weiter aus. In Köln sind wir im Gespräch mit der „Smart Street“-Initiative, weil wir genau die Lösung dafür bieten, was die Initiative bezwecken will.

Die Plattform ist nutzbar für Gebäudemanagement, aber auch für Unternehmen und sogar ganze Orte?

Lang Stichwort „Smart City“, genau. Unternehmen tun sich oft schwer beim „Behaviour-Management“: Mitarbeiter gewöhnen sich bestimmte Verhaltensweisen an. Hier kann man aus den Daten heraus, die man aus unserer Plattform gewinnt, Schlussfolgerungen veranschaulichen und visualisieren. Man kennt das ja: Man hört etwas oder weiß etwas, aber wenn man es tatsächlich vor Augen sieht, ist es etwas anderes. Ich selbst komme aus dem Nachhaltigkeitsbereich, und da ist seit jeher die größte Schwierigkeit, wie kann ich die Menschen nicht nur von der Idee überzeugen, sondern sie dafür begeistern und mitreißen. Man braucht die Daten, um Istzustände zu messen, aber auch, um Zielvorgaben auszugeben. Der Kunde kann durch vyzVoice diese Daten abrufen und nutzen, die ihn interessieren und die er benötigt. Das kann er auch ganz einfach sich selbst auf der Plattform definieren ohne Computerspezialist sein zu müssen.

IOT (Internet of Things, d.R.), Smart-Building, Smart-City setzen so etwas wie vyzVoice voraus, da es sonst wenig Sinn macht, eine Unmenge von Daten zu sammeln. Inzwischen ist das Bewusstsein da, dass man einen Mehrwert erzielt, indem man teilt und Schnittmengen schafft. Nur so können Projekte wie Smart City überhaupt funktionieren. Um das zu gewährleisten, muss es Plattformen wie unsere geben, die unabhängig von der Protokollsprache oder von Marken funktionieren. Derzeit sind wir dabei, auch eine Plattform für IOT-Entwickler zu schaffen, damit die von unserer Plattform auch profitieren können und sich unter anderem über die Visualisierung der von ihren Sensoren generierten Daten keine Gedanken mehr machen brauchen. Die große Vision ist dann, dass die Plattform zum gewissen Teil autonom funktioniert, zwischen dem Endkunden, der sich aus der Vielfalt der IOT-Hersteller die heraussucht, die er braucht und gleichzeitig die Art und Weise, wie er es darstellen möchte. Das ähnelt ein bisschen Apple-Store, die Apple e zur Verfügung stellt, und wo App-Hersteller ihre Apps bereitstellen.