LUXEMBURG
GERHARD KLUTH

OPL bei „Les grand rendez-vous“

Sechs Jahre hat der finnische Komponist Jean Sibelius an seinem Opus 105, das wir als seine siebte Sinfonie kennen, gearbeitet. Die 1924 uraufgeführte Komposition ist nicht lang, erheblich kürzer als so manches, was Kollegen von Sibelius in jener Zeit zu Papier gebracht haben. Aber sie hat es in sich. Vergeblich sucht man nach einer Satzunterteilung. Alle Versuche, eine traditionelle Gliederung zu finden, laufen ins Leere. Mit den ersten Tönen nimmt der Komponist einen roten Faden auf und führt die Zuhörer entlang dieser Linie von einem Höhepunkt zum nächsten. Das relativ frühe Ende mag man bedauern, aber es war alles da, was für ein großes Erlebnis notwendig war, wenn es denn gut interpretiert wurde. Im Grand Auditorium auf dem Kirchberg konnte man genau dies erleben.

Ein Genuss

Verantwortlich für die Ausführung war das Orchestre Philharmonique du Luxembourg (OPL) unter der Leitung von Gastdirigent Juanjo Mena und der minutenlange Applaus zeigte, wie punktgenau die Musiker ihr Publikum erreicht hatten. Es war aber auch ein Genuss, wie das OPL unter der Führung des Spaniers dem Notentext leben einhauchten. Durch alle Register herrschte höchste Konzentration, wobei die Ausführung stets den Eindruck von schwereloser Leichtigkeit hatte. Es war ganz natürlich, was sich da auf der Bühne entwickelte.

Menas Dirigat hatte nichts dramatisches und übertriebenes. Er zeichnete Linien, gab große Bögen vor und das OPL folgte ihm. Bei Sibelius genauso wie vorher bei der „Rapsodie espagnole“ von Maurice Ravel.

Ein Cello ganz allein

Das größte Erleben des Abends gab es aber schon vor der Pause. Auf dem Programm stand das „Sinfonische Konzert für Violoncello und Orchester“ von Sergej Prokofjew.

Dieses Opus 125 ist auf Konzertprogrammen relativ selten zu finden und in der Philharmonie konnte man leicht erkennen, warum. Es gehört zum Anspruchsvollsten, was ein Komponist je einem Solocellisten abverlangt hat. Für diese Aufgabe hatte man den Norweger Truls Mørk verpflichtet.

Eine Wahl, wie sie besser nicht hätte sein können. Man konnte nur noch staunen, mit welch unbekümmerter Eleganz er die zahlreichen Klippen, die ihn hier erwarteten, meisterte. Er ließ sein Instrument singen. Manchmal sonor, oftmals aber in schwindelerregenden Höhen. Da musste man schon einmal genau hinsehen und sich vergewissern, ob es wirklich ein Cello war, das da diese gestochen scharfen Klänge in den großen Saal schickte. Seine technisch brillante Virtuosität war atemberaubend. Und die Musikalität? Zusammen mit Mena und dem OPL gestaltete Mørk das e-Moll Konzert zu einem Erlebnis, das wahrlich unter die Haut ging.

Das Konzert lief in der Serie „Les grands rendez-vous“ und wurde diesem Anspruch mehr als nur gerecht.