LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Yves Nosbusch, Volkswirt der BGL BNP Paribas, zur Wirtschaftsentwicklung

Yves Nosbusch, der Chefökonom der BGL BNP Paribas in Luxemburg, sieht schlechte Zeiten für Schwellenländer und vergleichsweise ruhige Zeiten für das zuvor von der Finanzkrise so geschüttelte Europa und die USA voraus. Je größer die Abhängigkeit eines Landes von Rohstoffexporten, desto schwieriger seine Situation, meinte Nosbusch. Das teilte er gestern Morgen auf einer Pressekonferenz mit.

In China rechnet der Ökonom mit sieben Prozent weniger Wachstum für 2015 und 2016. „Die Preise der Industrie sinken seit 40 Monaten und seit Jahresbeginn geht die Produktion zurück“, stellt Nosbusch fest. Immerhin gäbe es erste Anzeichen eines erhöhten Inlandskonsums in China. Aber die reichen nicht, um den Einbruch der Börsenkurse von 40 Prozent seit Juli aufzufangen. China hat aber auch Einfluss auf die Wirtschaft in anderen Ländern. Nosbusch beobachtet einen massiven Einbruch von Rohstoffpreisen vieler Güter.

Kapitalflucht und Devisenabwertung

Vor ein paar Jahren noch galten China, Brasilien, Russland und Indonesien als die BRIC-Staaten, die Vorzeigeländer. Jetzt sehen die Zahlen in diesen Ländern schlecht aus. Das führt zu Kapitalflucht und massiver Devisenabwertung. Die sinkenden Rohstoffpreise haben einen doppelten Effekt, weil der Preis und die Nachfrage einbrechen.

Besonders hart trifft es fast alle Länder Südamerikas wie Argentinien, Brasilien, Chile oder Peru, in denen der Exportanteil von Rohstoffen zwischen 68 und 88 Prozent liegt. Aber auch Indonesien, Malaysia, Russland oder Südamerika sind betroffen. In diesen Ländern schlägt auch die Devisenabwertung voll zu: Seit Mitte 2014 hat beispielsweise der brasilianische Real 43 Prozent seines Wertes gegenüber dem US-Dollar verloren. Besonders hart ist die Situation für Unternehmen, die Schulden in Dollar aufgenommen haben.

USA: Zinserhöhung nicht so bald

In den USA hat der sinkende Ölpreis negative Auswirkungen auf Investitionen. Aber Haushalte und der Konsum profitieren von dieser Entwicklung und der Immobilienmarkt läuft weiter gut.

„Gegen Jahresende 2016 rechnen wir in den USA mit einer Annäherung der Inflation an zwei Prozent“, sagt der Volkswirt. Er rechnet auch damit, dass die Federal Reserve ihre erste Zinserhöhung auf Anfang 2016 hinausschiebt. Der Arbeitsmarkt in den USA zeigt sich bei einer Arbeitslosenrate von 5,1 Prozent robust.

Kreditbedingungen in der EU bleiben gut

Nosbusch hält die Kreditbedingungen für gut. Wirtschaft und Investments zeigten sich robust. Gegenüber Fremdwährungen - außer dem Dollar - habe der Euro seit April um 8,5 Prozent zugelegt. „Die EZB hat ihre Inflationserwartungen für 2016 auf 1,1 Prozent nach unten korrigiert, aber mit Deflation ist nicht zu rechnen“, unterstreicht Nosbusch. Er hält eine Ausweitung des Quantitative Easings Anfang 2016 für möglich - auch, wenn es dann zu Blasen kommen könnte. Nosbusch rechnet mit einem Wachstum von 1,6 Prozent in der EU für 2015 und 1,5 Prozent für 2016.