LUXEMBURG
SVEN WOHL

Angespielt: „Criminal Girls: Invite Only“ für PlayStation Vita

Wie genau muss man sich eigentlich das Pitch-Meeting für „Criminal Girls: Invite Only“ vorstellen? Saßen dabei allen Ernstes Industrie-Veteranen zusammen und haben sich gedacht „Yep, lasst uns ein japanisches Rollenspiel mit Bondage-Sado-Maso-Anleihen und minderjährigen Mädels machen. Klappt bestimmt!“? Egal, auf jeden Fall müssen genug Menschen gedacht haben, dass „Criminal Girls“ ein erfolgversprechendes Konzept ist, sonst hätte man es nicht hergestellt und auf die Welt losgelassen.

Wenig Liebe für Hiebe

Aber von vorne: „Criminal Girls“ spielt sich in einer Welt ab, in der Kriminelle zur Besserung in eine Gefängnisdimension geschickt werden, wo sie sich dann bessern, indem sie ihren Weg nach oben hin frei kämpfen. Zu Beginn geht natürlich einiges schief und der Protagonist, seines Zeichens einziges männliches Wesen in den ersten zehn Stunden dieses dünnen Plots, muss die Mädels im Alleingang eskortieren. Damit diese ihm überhaupt gehorchen, sollen sie bestraft und damit gefügig gemacht werden. Das ist nicht gerade unproblematisch, denn erstens sind die Damen gar nicht damit einverstanden, dass sie gepeitscht werden und außerdem noch ziemlich jung, um nicht zu sagen minderjährig. Diese in lasziven Positionen auszupeitschen, obwohl sie das nicht wollen, lässt das ganze moralisch auf ziemlich wackeligen Beinen stehen. Klar ist, dass die Hersteller wollten, dass dabei prickelnde Erotik entsteht, sonst würde man nicht auf die Posen und Kostüme setzen. Dabei kommt mir höchstens die Galle hoch, bietet es doch einen Blick in die grotesk-verzerrte Welt gewisser japanischer Entwicklungsstudios, die sich immer wieder wundern, wieso ihre Werke im Westen nicht so richtig zünden wollen.

Es hilft natürlich nicht, dass das Spiel im besten Fall mittelmäßig ist. Die Grafik könnte aus dem „RPG-Maker“ stammen, so simpel ist sie gehalten. Ich denke, „Final Fantasy VI“ hat besser ausgesehen, und das spielte man 1994 noch auf dem Super Nintendo. Zwar ist der Zeichenstil von „Criminal Girls“ sehr hübsch, doch bereits bei den kaum vorhandenen Animationen stellt man fest, dass es sich hier um eine Billigproduktion handelt. Auch die Musik und Soundeffekte sowie die Vertonung lassen jegliche Akzente vermissen. Dass das eigentliche Spieldesign sich an typischen Rollenspielklischees orientiert, hebt auch nicht meine Stimmung. Dungeons erforschen, simple Puzzles lösen und währenddessen von ewig gleichen Kämpfen gegen einfallslose Monster unterbrochen werden - Spieldesign, frisch aus den 90er Jahren!

Einzelhaft

Wenn das teils ekelhafte Gepeitsche nicht wäre oder das Spiel wenigstens seine Figuren so darstellen würde, als hätten die ihren Spaß daran, wäre es gerade noch erträglich. Es gibt genug erotische Spiele, die einen guten Job machen und Erotik gut mit spielerischen Inhalten verbinden können - auch wenn es um BDSM geht. „Criminal Girls“ ist in diesem Vergleich absolut belanglose, unterdurchschnittliche Software-Unterhaltung mit fragwürdigen Inhalten. Angesichts der zahlreichen guten japanischen Rollenspielen, die es für die PlayStation Vita gibt, sollte man seine 30€ anders investieren.