PASCAL STEINWACHS

Am vergangenen Freitag gab es noch einmal Crémant und Knabberzeugs für die so genannte Briefingpresse, und das war‘s dann auch schon mit der ersten Saison des Bettel/Schneider-Kabinetts, das sich - zumindest was die Organisation von Regierungsräten anbelangt - bis zum 3. September in die Sommerferien verabschiedet hat. Dass der Regierungsrat sich in die Sommerpause verabschiedete, bedeutet aber nicht, dass jetzt auch alle Regierungsmitglieder gleichzeitig außer Landes sind, wie Regierungschef Bettel extra hervorhob - wahrscheinlich um der Opposition den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Wer in der Politik einigermaßen erfahren ist, der bleibt in den Sommermonaten sowieso zu Hause. Nicht um Dossiers aufzuarbeiten oder um arbeitstechnisch verlorenes Terrain gutzumachen, sondern um für sich selbst die Werbetrommel zu rühren, ist im Sommerloch, das seit Anfang dieser Woche endgültig auch in Luxemburg angekommen ist, doch auch dem letzten Hinterbänkler ein gewisses Medieninteresse gewiss, wobei wir der Regierungsmannschaft aber natürlich nicht unterstellen wollen, aus Hinterbänklern zu bestehen.

Wer also etwas auf sich hält, der organisiert seine Pressekonferenzen prioritär im August, am besten verbunden mit irgend einer Besichtigung, bei der sich ganz viele tolle Fotos schießen lassen. So klapperte Staatssekretärin Closener (die in Politikerkreisen seit ihrem Auftritt auf einem Arloner Schießstand nur noch „Calamity Jane“ genannt wird) gleich an zwei Tagen die touristischen Highlights des Großherzogtums ab, derweil Erziehungsminister Meisch ein Feriencamp besuchte, und Infrastrukturminister Bausch stundenlang den Flugsimulator der Cargolux blockierte, und dabei ungeahnte Höhenflüge erlebte. Sogar Premier Bettel ist immer noch im Ländchen, und traf sich gestern im l’Hôtel de Bourgogne zum Meinungsaustausch mit einer gewesenen deutschen Weinkönigin, nämlich Julia Klöckner.

Daneben setzt Bettel aber auch „auf Super Mario“, wie die Erzbistumszeitung gestern in ihrer Sommerloch-Verzweiflung auf ihrer Titelseite zu enthüllen wusste, nachdem sie sich zuvor kurz auf der Internetseite der Regierung umgesehen hatte, auf der die Regierungsmitglieder in Anwendung des neuen Deontologiekodex ihre finanziellen Beteiligungen an Unternehmen offen legen; und Xavier Bettel ist eben auch im Besitz von Nintendo-Papieren. Dass die Minister und Staatssekretäre ihre Wertpapiere schon jetzt offen legen, ehe der entsprechende Verhaltenskodex überhaupt in Kraft getreten ist, ist dann aber zu begrüßen, vor allem wenn man in Betracht zieht, dass immer noch nicht gewusst ist, was der designierte EU-Kommissionspräsident Juncker denn nun in seiner Eigenschaft als Rent-a-Juncker so alles zu seiner kargen Fraktionsvorsitzendendiät dazu verdient hat.

Stinknormale Abgeordnete haben es im Sommerloch indes schwerer, auf sich aufmerksam zu machen, müssen sie sich doch mit dem Verfassen von parlamentarischen Anfragen begnügen, und diese werden nicht mal erwähnt, solange keine ministerliche Antwort vorliegt. Ab Herbst ist die Welt dann wenigstens in dieser Hinsicht wieder ein klein bisschen gerechter...