LUXEMBURG
MARCO MENG

CTI Systems in Eselborn erhält Auftrag von Chinas bedeutendstem Flugzeughersteller

Luxemburger Unternehmen profitieren vom wachsenden chinesischen Markt. Erst vor kurzem hat Paul Wurth vom chinesischen Schienenfahrzeug-Hersteller CSR Sifang den Auftrag über die Modernisierung und Automatisierung einer Montagelinie für Schienenfahrzeug-Drehgestelle erhalten. Und die Wurth-Tochter CTI Systems in Eselborn hat von der Commercial Aircraft Corporation of China (COMAC), Chinas bedeutendstem Flugzeughersteller, einen Auftrag zur Lieferung von vier Teleplattformen und Zweiträgerkranbrücken zur Lackierung des neuen C919 Schmalrumpfflugzeuges von COMAC erhalten. Der rund drei Millionen Euro schwere Auftrag ist der erste, den CTI Systems von Chinas bedeutendstem Flugzeughersteller bekommt.

China drängt auf den Flugzeugmarkt

Die Comac C919 ist nach der kleineren Comac ARJ21 (90 Sitzplätze) das zweite zweistrahlige Passagierflugzeug, das vollständig in China entwickelt und gebaut wird. Um das Gesamtgewicht des Flugzeugs zu reduzieren, wird beim Bau der C919 eine spezielle Aluminium-Lithium-Legierung eingesetzt. Der Jungfernflug für das bis zu 168 Sitzplätze fassende Flugzeug ist für 2015 geplant, nachdem er ursprünglich für dieses Jahr angesetzt war, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Bislang wurden eigenen Angaben nach 400 Flugzeuge von in- und ausländischen Kunden bestellt, darunter soll unter anderem auch die irische Billigfluglinie Ryanair sein. Wird sich das Modell als erfolgreich erweisen, könnten die Chinesen den bislang von Airbus und Boeing dominierten Markt durcheinander wirbeln: Keith Williams, Chef von British Airways, besuchte schon mal Anfang des Monats den chinesischen Flugzeugbauer.

Weltweit anerkannte Technik ausLuxemburg

Die beiden Hersteller Boeing und Airbus zählen ebenfalls zu langjährigen Kunden von CTI Systems: Die 1974 patentierte Teleplattform wurde von CTI Systems erfunden und zunächst bei der Produktion der Boeing 747 angewendet. An Airbus lieferte man Teleplattformen unter anderem für die A380-Flugzeuglackierung wie auch Anlagen für Galvanisierung. Aktuelles Großprojekt ist die Be- und Entladeanlage für das Airbus Beluga-Transportflugzeug an fünf verschiedenen Airbus-Produktionsstandorten

Seit 2002 ist das Luxemburgische Unternehmen in China - hier vor allem im Luftfahrtbereich - aktiv, und hat im Dezember letzten Jahres in Shanghai eine neue Filiale eröffnet.

„Das Vertrauen, das COMAC durch diesen Auftrag zum Ausdruck gebracht hat, zeigt erneut, dass CTI Systems als weltweit anerkannter Lieferant für den Luftfahrtbereich gilt“, teilte CTI mit. Bekannt ist CTI vor allem durch Installationen von Teleplatform- und Kransystemen bei führenden Airlines und Unternehmen für die Wartung und Instandhaltung im Flugzeugsektor. Der Marktanteil liegt in diesem Bereich liegt eigenen Angaben nach bei über 90 Prozent. COMAC mit Hauptsitz Shanghai ist nach Auskunft von CTI Systems „die treibende Kraft bei der Einführung großer Passagierflugzeuge in China“ und mit der Gesamtplanung Flugzeugen sowie mit den Industrialisierungsprozessen in der Herstellung von Zivilflugzeugen beauftragt.

Die Technikexperten des chinesischen Flugzeugbauers waren kürzlich zu Besuch bei CTI in Lentzweiler, um die Werksabnahme einer der vier Teleplattformen vorzunehmen. Grundsätzlich würden die anspruchsvollen Systeme vor der Auslieferung unter Einsatzbedingungen bei CTI auf ihre volle Funktionsfähigkeit getestet, so das Unternehmen. „Nach einer beinahe siebentägigen intensiven Prüfung waren COMAC’s Experten sichtlich zufrieden mit dem Resultat und zeigten sich beeindruckt von unserem hohem Entwicklungs- und Fertigungsniveau“, teilt CTI mit.

Seit über 50 Jahren beliefert das Unternehmen aus dem Norden Luxemburgs mit seinen derzeit knapp 200 Mitarbeitern verschiedene Industriesektoren, von Luftfahrt über Schienenfahrzeugen bis Papier und Aluminiumindustrie. Mehr als 1.000 Anlagen weltweit konnte das Unternehmen bislang errichten. Letztes Jahr machte CTI Systems einen Umsatz von 55 Millionen Euro.