ROLLINGEN
MARCO MENG

Erst stellte Liliana Horta Coelho Seife für Freunde her, jetzt hat sie ein Geschäft daraus gemacht

Die Haut ist das größte Organ, wer auf ihre Gesundheit nicht achtet, kann nicht gesund durchs Leben gehen - das ist die Philosophie von Liliana Horta Coelho. Zuerst setzte sie dieses Bewusstsein nur für sich und ihre Familie um, bis sie dann ihr eigenes Unternehmen in Angriff nahm.

Angefangen hatte alles mit Seife?

Liliana Horta Coelho Das kann man so sagen. Ich habe immer schon sehr sensibel auf kosmetische Produkte reagiert und darum auch recht früh angefangen, natürliche Kosmetik zu benutzen mit dem Effekt, dass meine üblichen Hautirritationen damit zurückgingen. Das interessierte mich sehr, ich informierte mich und fing an, für mich selbst und meine Familie Seife mit natürlichen Bestandteilen herzustellen. Und alle Allergien, die uns sonst mit den gängigen mineralölhaltigen Kosmetikprodukten plagten, waren plötzlich weg. Mit der Zeit begann ich dann, auch meinen Freundeskreis mit meinen Produkten zu beschenken.

Und das kam gut an?

Horta Coelho Ja, denn als ich meine Freunde mit den selbst hergestellten Pflegeprodukte beschenkte und die diese Sachen benutzten, sagte eine Freundin einmal, warum ich denn die Seifen eigentlich nur für mich selbst herstellen und nicht zum Verkauf anbieten würde. So hat sie mich auf die Idee gebracht. Ich hörte mich um und informierte mich, wie ich das machen könnte. Der administrative Aufwand war zwar zuerst ein bisschen hoch, denn vorher hatte ich mir keine Gedanken um Selbstständigkeit gemacht. Außerdem gibt es für Körperpflegeprodukte auch ganz bestimmte strikte Vorschriften und Anforderungen.

Kosmetikprodukte brauchen auch eine bestimmte Zulassung?

Horta Coelho Jedes neue Kosmetikprodukt erfordert eine neue Zertifizierung, was erstens jedesmal ein bis zwei Monate Zeit dauert und darüber hinaus auch jedesmal hohe Gebühren kostet. Die Produkte müssen geprüft werden, alles muss europäischen Normen entsprechen. Da ich mit meinem Geschäft etwa ein Jahr vor der neuen Gesetzgebung für Pflegeprodukte begann, habe ich gleich alles konform zu den neuen Gesetzen gemacht. Aber wie gesagt, ein recht komplizierter Weg mit ganz vielen administrativen Hürden. Aber wie Sie sehen (lacht): Hier bin ich. Es hat funktioniert. 2012 entstand das Unternehmen „Bubble Dreams“.

Noch sind Sie aber ganz am Anfang?

Horta Coelho Ich habe mir zuhause ein Labor eingerichtet, wohin ich die Vorprodukte, die Öle und Essenzen und so weiter bestelle und wo ich meine Produkte herstelle und dann verpacke und verschicke. Das alles mache ich von meinem Labor zuhause aus. Ein bisschen schwierig ist, dass die Vorprodukte, die ich kaufe, nicht die großen Quantitäten haben, wie die Großhändler sie gerne verkaufen, und auch die richtige Qualität zu finden ist nicht einfach, denn Anbieter von Kakao-Butter beispielsweise gibt es einige, auch von Bio-Kakaobutter. Aber dennoch gibt es auch hier große Qualitätsunterschiede.

Inzwischen stellen Sie nicht nur Seife her?

Horta Coelho Neben Seife ist es auch Duschgel, Massagebäder aus Öl-Butter-Gemisch, die sich auf der Haut in eine Creme verwandelt, die den Feuchtigkeitshaushalt der Haut stabilisiert, Salzbäder, Hautöle und Hautlotionen. Manche neue Produkte, die ich jetzt schon seit ein bis zwei Jahren teste, werden demnächst noch herauskommen, nachdem meine Familie die Sachen für gut befunden haben: Denn die schlimmsten Kundengruppe, die ich habe, ist meine Familie. Die ist sehr kritisch und bei ihr gibt es auch kein Pardon. Alle Produkte und alle Bestandteile, die ich von ausgewählten Lieferanten beziehe, sind natürliche und Bioprodukte bei mir. Dennoch kann es sein, dass der Geruch eines Testprodukts nicht ansprechend ist. Das sagen meine Kinder dann zum Beispiel auch direkt.

Und wie funktioniert Ihr Vertrieb? Vor allem über Internet?

Horta Coelho Am Anfang lief es meist übers Internet. Nachdem ich auf der Frühjahrsmesse 2014 in Kollaboration mit der Chambre de Commerce mit einem eigenen Stand ausgestellt hatte, stellte ich fest, dass die Leute plötzlich auf mich zukamen. Auch, weil ich am „Lët’z Go Local“-Markt teilnehme, kennen mich mehr und mehr Leute. Und dann sprechen sich die Produkte auch rum, wenn jemand Sachen davon benutzt und weiterempfiehlt. Ich trage auch das „Made in Luxembourg“-Label, was ebenfalls ein bisschen Werbung ist. Um das Bio-Label zu beantragen, musste ich etliche Vorgaben erfüllen und die Produktion entsprechend gestalten. Das ist nun das nächste Ziel. Das Bio-Label würde es mir erlauben, meine Produkte im Ausland anzubieten, denn die Nachfrage ist da: Immer mehr Menschen greifen lieber zu Naturprodukten, auch wenn die etwas teurer sind, wobei der Preisunterschied, wenn man genau hinsieht, auch nur minimal ist. Jetzt habe ich das Ziel, auch im Ausland meine Produkte erfolgreich zu verkaufen. Wer weiß, vielleicht kann ich irgendwann sogar ein paar Mitarbeiter beschäftigen.