Gleich mehrere junge und weniger junge Politiker haben sich in der Vergangenheit für die Legalisierung von Cannabis ausgesprochen. Zuletzt waren es die Jungdemokraten und die déi jonk gréng. Für die jungen Grünen ist dies indes kein neues Thema, bereits in den 1990er Jahren hatten sie sich für die Entkriminalisierung der Konsumenten eingesetzt. Vor kurzem hatte sich sogar die US-Tageszeitung New York Times als Verfechter einer Legalisierung geoutet. Die meisten „ausgewachsenen“ Politiker halten sich hierzulande hingegen relativ bedeckt. Seit 2012 ist zumindest ein Medikament auf Basis von Cannabinoiden in Luxemburg zugelassen.
Über 73 Millionen Europäer haben Erfahrung mit Cannabis
Bislang ist Cannabis nur in wenigen Ländern legal. Die Befürworter neigen dazu, den Konsum zu verharmlosen und ihn sogar mit dem Trinken von Alkohol zu vergleichen. Die Gegner bezeichnen Cannabis hingegen als Einstiegsdroge. Fakt ist, dass mehr als 80 Millionen Europäer irgendwann in ihrem Leben schon einmal illegale Drogen konsumiert haben, also fast ein Viertel. Dies geht aus dem aktuellen Bericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) hervor. Am häufigsten wird Cannabis genannt (73,6 Millionen). Diese Substanz ist somit die von allen Altersgruppen am häufigsten konsumierte illegale Droge.
Schätzungsweise 14,6 Millionen junge Europäer (15-34 Jahre) konsumierten im vergangenen Jahr Cannabis , eine Minderheit (rund 1%) intensiv, demnach täglich oder fast täglich. Mehr als drei Viertel von ihnen sind männlich. Schätzungsweise jeder vierte 15- bis 16-Jährige hat bereits einmal eine illegale Droge konsumiert, meist Cannabis. Luxemburg bildet diesbezüglich keine Ausnahme, 8,7% haben mit 14 Jahren ihren ersten Joint geraucht, 15,9 mit 15 Jahren, 25,1 mit 16.
Übertriebene Verteufelung oder doch Krankmacher?
Wenngleich die Befürworter einer Legalisierung sich häufig beklagen, dass die Substanz zu sehr verteufelt wird, sollte doch eine weitere Beobachtung der EBDD aufhorchen lassen: Im Jahr 2012 war nämlich Cannabis die am häufigsten angegebene Ursache, wegen der Patienten erstmals eine Drogenbehandlung antraten. Akute Notfallbehandlungen nach dem Konsum von Cannabis seien zwar selten, könnten aber durchaus vorkommen.
Ein erhöhtes Risiko besteht bei einer hohen Dosierung oder bei gleichzeitiger Einnahme anderer Rauschmittel bzw. in Verbindung mit Alkoholrausch. Der Mix von Alkohol und Cannabis kann zu Angstzuständen führen, genau wie zu Psychosen oder anderen psychiatrischen Symptomen.
„Jugend- an Drogenhëllef“ warnt vor Verharmlosung
Günter Biwersi von der „Jugend- an Drogenhëllef“ warnte im Gespräch mit dem „Journal“ ebenfalls eindringlich vor einer Verharmlosung des Cannabiskonsums. Auch einer Legalisierung steht er skeptisch gegenüber, derweil er die Entkriminalisierung von Cannabiskonsumenten schon eher befürworten würde. „Man darf nicht vergessen, dass der Cannabiskonsum zu psychiatrischen Störungen führen kann. Die möglichen Problematiken, die äußerst vielfältig sein können, dürfen auf keinen Fall vernachlässigt werden. Wir haben Kunden, die Psychosen entwickelt haben. Das Ganze ist nicht zu unterschätzen, besonders bei einem exzessiven Konsum. Der gelegentliche Joint kann sich durchaus zu einem chronischen Konsum entwickeln“, warnt Biwersi. Unbedingt müsse eine ehrliche Drogenpolitik geführt werden, man könne nicht auf der einen Seite Alkohol und Tabak vermarkten, jedoch Cannabis weiterhin vehement verbieten. „Es muss ein Gesamtkonzept ausgearbeitet werden. Bevor es zu einer Legalisierung kommen könnte, müssten noch viele Diskussionen geführt werden. Wir haben es übrigens in gewisser Weise hier auch mit einem Paradox zu tun, immerhin haben wir erreicht, dass immer weniger junge Leute rauchen und dann wollen wir Cannabis legalisieren“, gibt Biwersi zu bedenken. Die Thematik ist durchaus kontrovers, auch wenn das momentan etwas vergessen wird.


