Die Weihnachtstage waren in den Luxemburger Medien von der kollektiven Erinnerung an die Ardennenoffensive im Dezember 1944 geprägt. Das Jahr 2014 wurde demgemäß unter anderem der Aufarbeitung der Kriege des 20. Jahrhunderts gewidmet, und bot Gelegenheit, auf Aspekte der Luxemburger Geschichte zurückzublicken und in diesem Sinne auch Brücken zwischen den Generationen zu bauen.

Neben vereinzelten Kriegsveteranen, die Mitte Dezember aus mehreren Ländern für eine Gedenkfeier nach Hamm gekommen waren, leben noch viele Luxemburger, die als Kinder die letzten Kriegswirren miterlebt haben, die Befreiung der Stadt Luxemburg mitgefeiert haben, und danach beobachten mussten, wie die gefrorenen Leichen der Soldaten des „Battle of the Bulge“ in den Dörfern des Öslings auf Lastwagen verfrachtet wurden.

Wer mit diesen Bildern aufwuchs, wird sein ganzes Leben lang vom Krieg geprägt sein, was dann auch die Intensität und die Regelmäßigkeit der Erinnerungsfeiern in unserem Land erklärt. Die Luxemburger haben die Geschehnisse der Ardennenoffensive im Militärmuseum in Diekirch eindrucksvoll dargestellt, im kollektiven Unbewussten aller Familien bleibt jene grausame Schlacht, die im Dezember 1944 den Norden unseres Landes überrollte, wie ein Alptraum verankert.

Die Schlacht rührt dann auch an jene Hunderttausende sinnlose Tote, die während derselben Zeit anlässlich des Befreiungskampfes um Europa noch geopfert wurden. Am Ende des Jahres 2014, während dem also dem 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs, der D-Day, der Befreiung Luxemburgs nach dem Zweiten Weltkrieg, und der Ardennenoffensive nach 70 Jahren gedacht wurde, sollten wir uns die Frage stellen: Was hat die Aufarbeitung der Geschichte in dieser Form unserer Gesellschaft, und insbesondere den jungen Generationen gebracht? Wer vielleicht einmal mit einem Kind, oder selbst als Kind, das Militärmuseum in Diekirch besuchte, wer an einem Vortrag von KZ-Überlebenden in einer Schule teilgenommen hat, wer eine Großmutter von den erfrorenen Leichen auf den Lastwagen im Winter 1944 im Ösling hat erzählen hören, lernt sehr viel über den Ernst des Lebens, um die Art und Weise, wie ganze Gesellschaften manipuliert werden können, wie Länder in die Diktatur kippen können und wie Opportunismus oder auch der Wille, zu überleben, Diktaturen und den Massaker ganzer Generationen junger Männer möglich machen.

Die Entstehung der Kriegsbegeisterung, der sich sogar Stefan Zweig im Jahr 1914 nicht entziehen konnte, der Rassenwahn, das Machtgehabe, das ganz Europa während des 20. Jahrhunderts immer wieder heimsuchte, sind Lektionen der Geschichte, die uns Bescheidenheit, Achtsamkeit und Respekt vor der Demokratie lehren sollten. Wer die Menschen und die Gesellschaft hier und jetzt genau beobachtet, wird immer noch Spuren oder Keime von Gewaltbereitschaft, Verrat, Diskriminierung, Rassismus, Machtgehabe und Opportunismus finden, die genau zu jenen Katastrophen führten, an die wir uns im Jahr 2014 gemeinsam erinnert haben.