LUXEMBURGMARC GLESENER

Sonderbares Treffen mit dem Staatsanwalt - Neue Spur „Stay Behind“

Was für eine Prozesswoche: Ein Zeuge, der Ben Geiben schwer belastet. Ein sonderbares Treffen auf Initiative des Staatsanwalts. Die eidesstattliche Erklärung eines deutschen Historikers, der die „Stay Behind“-Piste relanciert. Ein Höhepunkt nach dem anderen. Für die Verteidigung ergibt sich aus all dem nur eine Schlußfolgerung: Das Verfahren gegen Marc Scheer und Jos Wilmes muss für null und nichtig erklärt werden. Einen entsprechenden Antrag wurde am Donnerstag eingereicht, dem letzten Tag von Prozesswoche Drei.

Ted Wormeringer: ein Mobelhändler erinnert sich

Alles begann am Montag mit der Aussage des Möbelhändlers Ted Wormeringer. Der Zeuge (Jahrgang 1927), Besitzer des Möbelhauses Mowo, erklärte als Zeuge (unter Eid), der ehemalige „Brigade mobile“-Chef habe sich im Oktober 1986 in einem Gespräch mit ihm als Bombenleger geoutet. Geiben sei damals als Kunde ins Geschäft gekommen. Über einer Tasse Kaffee sei der ominöse Satz gefallen: „Ich bin der Bombenleger“. Am Dienstag dann die Konfrontation vor Gericht: Geiben gab dabei an, er habe sich nie mit dem Möbelhändler aus Bereldingen unterhalten, geschweige denn gesagt, er, Geiben, sei der Bombenleger. Auch habe er sich nicht als Sicherheitschef von Disneyworld ausgegeben. Dies hatte Wormeringer tags zuvor behauptet. Nach dem Schlagabtausch Wormeringer/Geiben reichten die Verteidiger Klage gegen wegen Meineids ein. Im Visier: Ben Geiben, dessen Name sich wie ein roter Faden durchs Verfahren zieht.

Robert Biever: ein Staatsanwalt trifft den Super-Gendarm

Keine Spur dagegen war im Dossier von einem Treffen am 16. April 2008 in der Privatwohnung eines Ermittlers in Oberdonven zu finden. Auf Initiative des damaligen Staatsanwalts Robert Biever saßen Geiben, Biever und die Ermittler Carlo Klein und Marc Weis zusammen. Wieso? Weshalb Warum? Me Gaston Vogel wollte mehr wissen. Und Generalstaatsanwalt Biever sagte aus. Rückblickend sei das Meeting wohl nicht die brillanteste Idee gewesen, meinte er. Biever gab weiter zu verstehen, dass es ihm eigentlich darum gegangen sei, Ben Geiben kennenzulernen. Von einem möglichen Deal zwischen Staatsanwaltschaft und Geiben will Biever nichts wissen. Falls er bei dem Gespräch neue Erkenntnisse gewonnen hätte, wären diese natürlich unverzüglich an die Untersuchungsrichtern (Doris Woltz) weitergeleitet worden. Woltz sei übrigens über das Treffen informiert gewesen, ließ Biever verlauten.

A.J. Kramer: ein Historiker mit brisantem Wissen

Paukenschlag dann am Donnerstag: Nach einer Sitzungspause informierte Me Gaston Vogel das Gericht über eine neue Zeugenaussage. Ein deutscher Staatsangehöriger, Andreas Johannes Kramer (Jahrgang 1965), ein Historiker aus Duisburg, hat eine eidesstattliche Erklärung abgelegt, die es in sich hat. Sie belastet vor allem den ehemaligen SREL-Chef Charles Hoffmann schwer. Kramers Vater, Johannes, war beim deutschen Bundesnachrichtendienst tätig, Codename „Cello“.

Kramer junior beruft sich auf vertrauliche Informationen, die er von seinem Vater erhalten habe. Demnach sei Hoffmann als luxemburgischer „Stay Behind“-Operationsleiter in Sardinien (auf einem NATO-Stützpunkt) in Sabotage (Umgang mit Sprengstoff usw.) geschult worden. Die restlichen Mitglieder der „Zelle Luxemburg“ seien in Schottland formiert worden. Die Sprengstoffanschläge in Luxemburg gingen, so der Zeuge, auf das Konto von „Stay Behind“. Dass Beweismaterial verschwunden ist, sei kein Zufall. Das sei von Kramer senior und Hoffmann organisiert worden. Der Historiker soll Anfang April vor der Kriminalkammer aussagen. Der Ex-Geheimdienstchef dementierte die Aussagen Kramers bereits entschieden. Prozesswoche Vier startet heute Nachmittag pünktlich um 15.00: Chefermittler Carlo Klein wird sich dann mit den Ermittlungen in Sachen Ben Geiben befassen. Es bleibt demnach spannend.