MÜNCHEN
MARCO MENG

Auf Werbetour für den Standort Luxemburg:Wirtschaftsminister Schneider und Transportminister Wiseler

Logistik ist wichtig für Luxemburgs Wirtschaft. Der Sektor trägt rund fünf Prozent zum Bruttoinlandprodukt des Landes bei und beschäftigt rund 16.000 Menschen. Zwar waren Firmen aus Luxemburg immer schon auf der Münchner Logistikmesse vertreten - mit 2.000 Ausstellern aus 64 Ländern und etwa 50.000 Besuchern die weltgrößte und bedeutendste überhaupt; doch diesmal promoted sich Luxemburg selbst als Standort.

Wirtschaftsminister Etienne Schneider und Infrastrukturminister Claude Wiseler besuchten darum gestern die Messe.

Luxemburg geht in die Offensive

Dass Luxemburg sich als Standort vermarktet, wird von den Akteuren, die auf der Messe schon länger vertreten sind, begrüßt. Jeannot Erpelding, Direktor der Promotionsgesellschaft für den Luxemburger Flughafen, hält es ebenfalls für geboten, dass nicht nur einzelne Unternehmen aus Luxemburg, sondern auch der Standort selbst dort vertreten ist.

Auch Fernand Rippinger, Generaldirektor der CFL cargo sagt, es sei richtig, dass Luxemburg auf der Messe vertreten ist. Die Messe sei sehr wichtig, weil sie als Plattform dienen könne, denn hier träfen sich alle wichtigen Akteure. Die CFL hat tatsächlich auch schon einen Vertrag mit einem Kunden auf der Messe abschließen können.

Der Wirtschaftsminister betonte gestern ausdrücklich, dass dies kein „one shot“, keine einmalige Aktion, gewesen sei: Er ist sich sicher, dass Luxemburg als Standort nun regelmäßig auf der alle zwei Jahre stattfindenden Logistik- und Transportausstellung sein und sie nutzen wird. Warum jetzt? Warum nicht früher? „Weil wir vor ein paar Jahren noch nicht so weit gewesen wären“, erklärt Schneider. Erst jetzt, nach Inangriffnahme des ehemaligen WSA-Geländes zwischen Bettemburg und Düdelingen zum Logistikzentrum „Eurohub Sud“, nach dem Baustart des Freeport am Findel und der Einweihung des dortigen Health-Care-Centers für Pharmaprodukte könne man das ernsthaft tun. Um den Logistiksektor zu festigen, hatte Schneider eine „Nischenpolitik“ angekündigt. Dazu gehört zum Beispiel der Kunsthandel: Der Bauherr des Freeport am Findel, der im 3. Quartal 2014 in Betrieb genommen werden soll, ist so eine Nische. Auch der Luxemburger Vorteil, dass keine VAT-Vorauszahlungen nötig sind, ist eine Nische (wie Steuern stets eine Luxemburger Nische waren). Ist sie aber angesichts der EU-Bestrebungen, den Steuerwettbewerb einzuschränken, eine nachhaltige Nische? Der Logistiksektor, so Schneider, stehe nicht zuletzt auch deswegen im Fokus, weil dies ein Sektor sei, der vor allem auch Geringqualifizierte, die Majorität der Arbeitslosen im Land, beschäftigen könne.

Logistik ist mehr als nur Transport

Was die Kritik betrifft, der Logistiksektor schade der Umwelt, sind sich die Minister einig: Warenverkehr wird gebraucht und wird es immer geben, zudem gibt Wiseler zu bedenken, würden die Transportmittel immer energieeffizienter und umweltschonender. Karl Gernandt, Verwaltungsratschef von Kühne und Nagel dazu: „Die Menschen wollen frische Waren und ein gutes Angebot haben, das geht ohne Verkehr nicht“. Die Realität sei heute sogar so, dass der Zeitfaktor immer ausschlaggebender wird: Die Menschen wollen das, was sie bestellen, nicht erst in einigen Monaten, sondern möglichst sofort haben.

Übrigens sind auf der diesjährigen Logistikmesse nicht nur Unternehmen wie die Spedition Wallenborn, Arthur Welter, LuxairCargo oder Transalliance und Cargolux vertreten, sondern auch Dupont und das Forschungszentrum Tudor. Dupont präsentiert auf der Messe ihr neuentwickeltes Tyvek-System für die Transportbranche. Das von Dupont entwickelte Material Tyvek ist wasserabweisend und atmungsaktiv und dadurch bestens geeignet für thermoisolierende Abdeckungen für frische und temperaturempfindliche Produkte. Tyvek Air Cargo Covers, speziell für den Luftverkehr entwickelt, soll so Verluste an verderblichen Waren senken. Das Centre de Recherche Public (CRP) Henri Tudor bietet ein Transport- und Logistikprogramm an: Die erste Innovation ist das Geoinformationssystem (GIS) für Logistik und Mobilität, eine Kartographie-Plattform, mit der Anwendungen erstellt werden, die die Geoinformationen einer Karte aufnehmen können. Diese Innovation stellte man gestern den Ministern in einem weiteren innovativen Tool vor, einem berührungsgesteuerte Tisch. Mit Hilfe des interaktiven Tisches kann der User mit physischen Objekten interagieren, um digitale Informationen zu modifizieren und die Auswirkungen auf das GIS zu beobachten. Die in Luxemburg vertretenen Akteure, die auf der Messe ausstellen, sind durchweg zufrieden mit dem Standort Luxemburg, wenngleich Kühne und Nagel - beim Frachttransport über die Ozeane weltweit die Nummer 1 - gegenüber den beiden Ministern bemängelte, dass - was nicht ganz unbekannt ist - Genehmigungsprozeduren zu bürokratisch und langwierig seien.

Am Rande seines Besuchs bei der „Transport Logistic“ in München kündigte Infrastrukturminister Wiseler gestern einen „Luxemburg Modal Shift Award“ an. Jährlich soll demnach ein Preis für das beste Projekt ausgesprochen werden, das die modale Verschiebung zu ökologischeren Verkehrsmitteln wie zum Beispiel Flussschiffahrt oder Schiene begünstigt. Eine erste Frist der Einreichung der Projekte läuft bis September 2013.

Auch wenn momentan der Handel in Europa wegen der andauernden Krise auf Sparflamme kocht, ist laut EU-Kommission mit einer Zunahme des Frachtverkehrs in Europa bis 2050 um 80 Prozent zu rechnen. Die Messe in München läuft noch bis morgen.