LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Ab 2021 rollen Straßenbahnen von der Cloche d’Or zum Findel

Helmut Schmidt meinte mal, wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen, aber der böse Spruch hat weder den Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister noch die Stadt Luxemburg davon abgehalten, die Weiterentwicklung der bisherigen Tram-Pläne „Eng nei Visioun vum Tram“ zu nennen.

Von Anfang an die große Variante

Bei einer Pressekonferenz stellte Minister François Bausch gestern klar, dass dies nicht bedeute, die alten Trambahn-Pläne über Bord werfen zu wollen. Die neue Regierung habe sich nur dazu entschlossen, diese auszuweiten. Die Tram sei ein Teil des noch von Ex-Minister Wiseler entwickelten Verkehrskonzeptes MoDu, dessen Akzeptanz bei fast allen Parteien unstrittig sei.

Mit der Tram antworte man auf die dezentrale Entwicklung der Arbeitsplätze. Mit der Straßenbahn würden die Bürozentren auf dem Kirchbergplateau, der Clôche d’Or, am Flughafen Findel, im Stadtzentrum und im Bahnhofsviertel miteinander verbunden. Man dürfe nicht vergessen, dass sich 60% aller Arbeitsplätze auf die Hauptstadt und die unmittelbare Nachbarschaft konzentrierten.

Neu im Trambahnkonzept sind neun zentrale Umsteigepunkte, die die Idee von den Stadtrandbahnhöfen ersetzen, dafür aber Trambahn, Eisenbahn, Linienbusse und P&R-Plätze im Endausbau von der Clôche d’Or bis zum Flughafen Findel effektiv miteinander vernetzen . Die neue Regierung habe sich dazu entschlossen, die Trasse in einem Rutsch auszubauen. Laut Bausch müssen dafür, zusätzlich zum schon eingereichten Budgetgesetz, für die Innenstadtstrecke noch weitere verabschiedet werden, eines für den Bahnhof „Rote Brücke“, zwei weitere für die Streckenverlängerung zur Clôche d’Or bzw. zum Flughafen Findel. Die politischen Diskussionen in den verschiedenen Ausschüssen seien sachlich und konstruktiv verlaufen.

Bis 2017 soll die Trambahn, zu Spitzenzeiten im Drei-Minuten-Takt, zwischen der Luxexpo und dem Eisenbahnhaltepunkt Rote Brücke pendeln. Haltepunkt und die notwendige Standseilbahn zum Transport der Fahrgäste auf das Plateau, sollen ebenfalls im Herbst 2017 fertiggestellt sein. Bis 2021 sollen dann die gesamte Strecke Cloche d’Or - Flughafen in Betrieb gehen können.

Raffinierte Lösung

Mit einem technischen Kunstgriff nimmt man den Kritikern, die von einer Verschandelung des Stadtbildes durch ein Netz von Oberleitungen sprechen, den Wind aus den Segeln. Vom Hauptbahnhof bis etwa zur Philharmonie soll die Trambahn ohne Oberleitungen fahren. Möglich macht das ein Batteriebetrieb der Tram zwischen den Innenstadthaltestellen. Bei jedem Halt werden die Stromspeicher automatisch von außen aufgeladen. Eine Alternative wäre eine Stromversorgung per Induktion, die aber erst im Probebetrieb ist. Im Stadtbild sollen die Tram „ohne Leitung“ kaum mehr auffallen als große Omnibusse.

Für Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer macht das neue Konzept einer langen Strecke dadurch Sinn, dass man gleich die geplanten P&R-Plätze Cloche d’Or und Héienhaff für mehrere Tausend Autos mit einbindet. Minister Bausch wies auf Nachfrage darauf hin, dass für die beiden Nachbargemeinden der Hauptstadt über deren Territorium Teilstrecken der Tram laufen, Niederanven und Hesperingen, keine Kosten anfallen werden, diese Abschnitte finanziert der Staat zu einhundert Prozent.

Insgesamt liegt das Budget für die Gesamtstrecke, inklusive Infrastruktur und rollendem Material, bei 544 Mio. Euro, die Stadt Luxemburg wird ca. 120 Mio. Euro tragen.

Die Ausführung liegt in den Händen des neuen Direktors von Luxtram, Marc Van der Margue, ein Experte für den schienengebundenen ÖPNV, der schon an den Trambahnen von Straßburg und Nizza mitgebaut hat. Van der Margue versicherte, dass es bei Straßenbahnprojekten in der Regel gelingt im Kostenrahmen zu bleiben.