NIC. DICKEN

Sowohl durch ihre dezidiert am 21. Oktober bekundete Vorgehensweise als auch durch die Erklärungen hinsichtlich eines resoluten Erneuerungskurses hat die neue Regierung in der breiten Bevölkerung eine hohe Erwartungshaltung heraufbeschworen, der sie sich in den kommenden Monten und Jahren offen und ohne Ausflüchte wird stellen müssen. Verständlicherweise und frustbedingt liegt diese Erwartungshaltung natürlich besonders hoch bei der durch die Vorgänge sichtlich überraschten macht- und verfügungsgewohnten Hauptoppositionspartei CSV, die sich allerdings wohl oder übel der gleichen Geduldsprobe wird stellen müssen, die sie in den letzten Jahrzehnten den Bewohnern dieses Landes zugemutet hatte.

„Hic Rhodos, hic salta“ - hier ist Rhodos (sprich: die Bühne), hier musst du springen (tanzen) - hängt als Aufforderung seit Anfang Dezember 2013 wie ein Damoklesschwert über der neuen Dreierkoalition, die selbstverständlich, und nicht zuletzt ihrem eigenen Anspruch gemäß, wird „liefern“ müssen.

Dass sie das in den ersten Wochen ihrer Selbstfindung eher verhalten hat tun können, liegt in der Natur der Sache.

Mit Ausnahme der Routiniers im Außen-, Beschäftigungs- und Wirtschaftsressort, die auf eine mehr oder minder lange Regierungspraxis zurückblicken können, sind die übrigen Regierungsmitglieder Mandatsneulinge, denen es nicht an Sachverstand und Einsatzwillen, mit Sicherheit aber an der nötigen Amtspraxis fehlt, die sich erst mit der Zeit einstellen wird.

Immerhin aber konnten sich die Bürger recht schnell überzeugen, dass eindeutig Schluss ist mit dem lethargischen „Weiter so“ der letzten Jahre und dass auch schon in den ersten Wochen neue Akzente gesetzt wurden, die selbstverständlich noch ausgefeilt und verfeinert werden müssen.

Ihren Vorsatz, vieles anders und vor allem besser zu machen als es in den Vergangenheit der Fall war, darf man der neuen Truppe jedoch durchaus abnehmen. Dies umso mehr, als sie in den meisten Sachbereichen akuten Handlungsbedarf als Erbschaft übernehmen durfte.

Mut zu selbst unpopulärem Vorgehen hat vor kurzem erst der neue Staatsekretär im Umweltministerium unter Beweis gestellt, als er eine seit längerer Zeit von seinem Vorgänger hinausgezögerte Entscheidung vor kritischem Publikum mit der klaren Gesetzeslage rechtfertigte.

Wenn der „Wort“-Chefschreiber denn auch dieser Tage meinte, der Count-Down für die „Lieferfrist“ der neuen Mannschaft sei schon bei 80 Tagen angekommen und werde demnächst die fatale Zahl 100 erreichen, dann möchten wir ihm den freundschaftlichen Rat geben, nur nichts zu überstürzen, um sich nicht dem Vorwurf einer allzu laschen Toleranz gegenüber Vorgängerregierungen auszusetzen, für die selbst Karenzzeiten von mehreren tausend Tagen ungerügt geblieben sind.