Angekündigt waren insgesamt 14 Konzerte in drei Tagen (eine auf Kinder zugeschnittene edukative Matinee im Mudam inklusive), ein voluminöses und stilistisch vielschichtiges Programm, wie man es von renommierten ausländischen Festivals gewohnt ist, mit der Besonderheit, dass im Stadtgrunder Kulturzentrum bei jeder Formation Luxemburger Musiker, sei es als Sideman oder als Leader, mit von der Partie waren.
Auch die Programmation in Sachen abwechslungsreicher Sounds der Solisten sollte man hervorheben. So waren am ersten Abend neben dem originellen Trio des Schlagzeugers Pit Dahm, von dessen viel beachtetem Auftritt im Düdelinger Kulturzentrum „opderschmelz“ wir bereits im letzten Herbst berichteten, das Quartett des Vibraphonisten und Echo-Preisträgers Pascal Schumacher und das mit Spannung erwartete fünfköpfige „Paul Fox Collective“ mit der klassischen Besetzung Saxofon, Gitarre, Piano, Bass und Drums angesagt. Die stilistischen Formen des Gesamtkonzepts waren dieser Belegschaft mit routinierten und gefälligen Arrangements perfekt angepasst. Zeitgemäßer Mainstream mit einem Schuss der heute obligaten Loungeklänge und gut verdaulichen aber anspruchsvollen Melodielinien machten das Quintett mit seinem kultivierten Zusammenspiel zu einem Hörgenuss der Extraklasse in diesem Genre.
Saxofonist Maxime Bender trug durch seine speziellen Soundfinessen maßgeblich zum exzellent gelungenen, kurzweiligen, aber leider aus organisatorischen Gründen zu kurzem Trip in die Welt des zeitgenössischen Klangbilds des Jazz bei.
Die Welt der modischen meditativen Klangmalerei
Beim Samstagsprogramm, wo sich wiederum fünf Bands im Halbstundentakt abwechselten, war mit dem Trio Khalife/Schumacher/Tristano ein gediegener Exkurs in die heile Welt der modischen meditativen Klangmalerei angesagt, wobei jeder der drei Solisten durch technische Virtuosität und einem professionellen Know How und Gespür für schöpferische Komplexität bestach.
Das Michel Reis Quartet, das schon beim Düdelinger Festival „Like a Jazz Machine“ einen beachtlichen Publikumszuspruch zu verbuchen hatte, überzeugte auch diesmal wieder hauptsächlich durch die subtilen, fast sakralen Momente, die immer wieder die gut durchdachten Fragmente origineller Ideen in Anlehnung an die Erwartungen der aktuellen Musikszenen in ansprechenden Kompositionen hervorhoben.
Ebenfalls die vierköpfige Formation um den Gitarristen Greg Lamy sorgte für spannende und abwechslungsreiche Demonstrationen der gängigen Klischees, wobei immer wieder die stilistische Wendigkeit des Leaders , der die großen Gitarristen der verschiedenen Jazzepochen bestens inne hat, hervorstach. Tonangebend für die ausdrucksstarke Ausstrahlung des Quartetts war der Saarbrücker Saxofonist Johannes Müller, der mit kraftvollen, fließenden Phrasierungen und einer selbstverständlichen Intensität der erfolgreichen Performance ihren Stempel aufdrückte.
Ansprechende Soundpaletten
Ebenso Maxime Bender mit seinem Hang für Beweglichkeit innerhalb der ansprechenden Soundpaletten und unkomplizierte Ausdrucksstärke präsentierte erneut ein Programm, das sich durch einen gelösten Publikumskontakt auszeichnete. Garant für beste auf ein breites Publikum zugeschnittene musikalische Leckerbissen war Gast Waltzings Gruppe „Largo“, die wie gewohnt Tradition und Moderne vorbildlich kombinieren und deren rezente Produktion wir bereits im Oktober vorgestellt haben.
Auf jeden Fall konnten sich die Freunde des Saxofons an diesen Abenden sowohl in punkto stilistischer Diversität, persönlichen Sounds und überzeugender Spielfreude der einzelnen Solisten sicher nicht beklagen, waren doch mit den bereits erwähnten, rund zehn Holzblasinstrumente praktizierende Musiker angekündigt.
Restlos überfülltes Auditorium
Als entschieden zu klein erwies sich der Saal „Robert Krieps“, der eigentlich, schon allein wegen seiner ausgezeichneten Akustik, ideal für diese Art von Veranstaltung ist. Besonders am zweiten Abend war das Auditorium restlos überfüllt und musste periodisch die Türen schließen, wodurch zahlreiche Melomanen geduldig vor der Tür verharrten oder wie der Schreiber dieser Zeilen, sich teilweise aus der Ferne mit den draußen noch vernehmbaren Tönen berieseln ließen.
Desto interessanter ist die rare Begebenheit einen Teil der Musiker während der nächsten drei Monate im Rahmen der sonntagmorgendlichen „Jazz Aperos“ oder im Rahmen des bereits im Oktober stattfindenden Festivals „Autumn Leaves“ noch einmal mit ausgedehnterem Programm live in der Abtei zu erleben.


