TRIER
GERHARD KLUTH

Fulminanter Auftakt des Mosel Musik Festival 2014

Mit allen Sinnen“ lautet das Motto des Mosel Musikfestivals (MMF) 2014, bei dem der Barock im Mittelpunkt steht. In der Trierer Barockkirche St. Paulin startete das MMF und hatte zum Auftakt ausgewiesene Fachleute als Interpreten verpflichtet.

Die Suite Nr. 2 in h-Moll, BWV 1067, von Johann Sebastian Bach war gleichsam der Startschuss für das Festival, das bis zum 3. Oktober wieder das musikalische Geschehen an der Mosel dominieren wird. Sie ist bekannt, diese Suite, im Original für Traversflöte und Streicher geschrieben. In Trier erklang sie in einer Version für Blockflöte. Stefan Temmingh hatte dabei diesen Part übernommen in Zusammenarbeit mit Musikern der Akademie für Alte Musik (Akamus) aus Berlin. Mit wunderbarer Leichtigkeit erklangen die Sätze.

Frische und Lebendigkeit bestimmten das Geschehen auf der Bühne, gerade so, als sei die Musik gerade erst entstanden. Deutlich wurde auch, dass diese Komposition ein Ensemblewerk ist und kein Solokonzert, wie es oftmals dargestellt wird. Anders war es bei Antonio Vivaldis Concerto G-Dur, RV 443, wo Temmingh natürlich eine Solistenrolle hatte.

Aber auch hier spielte er sich nicht übertrieben in den Vordergrund sondern führte mit den Streichern aus Berlin, deren Führung Konzertmeister Bernhard Forck übernommen hatte, einen intensiven Dialog. Trotzdem aber blieb die atemberaubende Virtuosität Temminghs niemandem verborgen.

Glückliche Kombination

Wilhelm Friedemann Bach war der älteste Sohn des Thomaskantors. Lange Zeit galten viele Werke von ihm als verschollen, bis man sie 1999 in Kiew wieder entdecken konnte. Von ihm stand das Cembalokonzert in f-Moll auf dem Programm, interpretiert von Akamus und der Cembalistin Wiebke Weidanz. In mehrfacher Hinsicht eine glückliche Kombination. Einmal Bach und Weidanz. Der Meister fand in der Solistin eine exzellente Sachwalterin, die äußerst sensibel mit dem Notentext umzugehen verstand.

Zum anderen auch hier die Kombination zwischen der Solistin und Akamus. Großartig ergänzten sich die Parts und präsentierten einen Gesamtklang, den man nur bewundern konnte.

Als dritte im Bund der Solisten agierte die Sopranistin Dorothee Mields, die in der Region keine unbekannte mehr ist. Sie brachte Arien von Johann Sebastian Bach und von dessen Freund Gerog Philipp Telemann mit nach Trier.

Natürlich beeindruckte zunächst einmal die wunderbar schlanke und doch so präsente Stimme Mields. Was aber wirklich in die Tiefe ging, war die Ausdrucksfähigkeit, mit der sie etwa die Arie „Sehet in Zufriedenheit“ aus Bachs Hochzeitskantate „Weichet nur, betrübte Schatten“, BWV 202, und im Kontrast dazu die Arie „Brecht ihr müden Augen“ aus Telemanns Trauerkantate „Du aber, Daniel, gehe hin“, TWV 4:17, erklingen ließ.

Bei diesem Konzert konnte man am Ende nur eines sagen: Ein großartiger Abend und ein fulminanter Auftakt für das MMF. Kein Wunder, dass am Schluss begeisterter Applaus das Kirchenschiff füllte.